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1320 hervor, worin dem Scholaſtikus von Brüſſel von Rechts⸗ und Amtswegen, ſowie durch Gebrauch und Herkommen die Befugniß zugeſprochen wird, durch einen Rektor oder ſeine Untergebenen alle Schulen, große und kleine, innerhalb der Stadt und im ganzen Gebiete derſelben einzuſetzen und zu beaufſichtigen. Nach Erwähnung des Streites, der zwiſchen dem Scholaſtikus und den Bürgern deshalb entſtanden war, weil dieſe einige nicht zum Schulhalten befugte Geiſtliche in Schutz nahmen und eine große Menge kleiner Privat⸗ ſchulen begünſtigten, folgt die Beſtimmung, daß fortan niemand ohne Erlaubniß des Scho⸗ laſtikus oder oberſten Rektors von Brüſſel ſich erlauben ſolle zu lehren, weil dieſes nicht allein gegen das Herkommen, ſondern gegen der Kinder Vortheil und Nutzen ſei 1¹s).
In Lübeck dauerte der Streit, welcher wegen der vom päbſtlichen Legaten Hugo geſtatteten neuen Stadtſchule bei der St. Marienpfarrkirche zwiſchen Kapitel und Magiſtrat entſtanden war, von 1253 bis 1262 und endigte durch die Indulgenz des Biſchofes zum Vortheile des Rathes unter der Bedingung, daß die Schule bei der Jakobikirche errichtet und unter Aufſicht des Scholaſtikus geſtellt werde, deſſen Recht auch ſchon in der Bewilligungsurkunde des Legaten v. J. 1253 durch die Worte: salvo jure scholastici maj. eccl. gewahrt worden war. Der Rath ſcheint übrigens die Lehrer präſentiert zu haben ¹16). In Wismar handelt es ſich lediglich um den Patronat, den der Biſchof Marquard von Ratzeburg(1310— 35) als ein vom Fürſten Heinrich II. empfangenes Recht vergeblich auszuüben ſuchte und ſchließlich freiwillig an den Rath abtrat ¹¹7). Dagegen hatte der Stadtrath von Königsberg i. Pr. ohne Erlaubniß des Biſchofs i. J. 1337 eine eigene Schule in der Altſtadt errichtet. Zwar war der deshalb mit dem Biſchof entſtandene Konflikt von dem Hochmeiſter des deutſchen Ordens zu Gunſten der Stadt geſchlichtet worden, brach aber 1367 wegen Ernennung des Schulmeiſters von neuem aus und gelangte endlich zu gütlicher Ausgleichung, indem der Biſchof und das Kapitel in einer Urkunde v. J. 1381 verſprachen, einen wiſſenden und red⸗ lichen Schulmeiſter zu ſetzen, der ihnen gut und nützlich ſei; und wenn ſie einen ſetzen, der ihnen nicht nütz wäre, geloben ſie, einen andern zu ſetzen. Den Eltern ward es freigeſtellt, ihre Kinder in die Schule zu ſchicken, in welche ſie wollten 118). Auf Lüneburgs Schulge⸗ ſchichte und die damit zuſammenhängenden Streitigkeiten iſt ſchon hingewieſen worden; der Zwieſpalt in Stendal, Helmſtädt, Hamburg, Braunſchweig findet unten gelegentliche Beſprechung.
115) Cramer a. a. O. S. 252. Aus der weiteren Beſtimmung dieſer Verordnung, daß von jetzt an, während von Alters her nur eine Schule für Knaben und eine für Mädchen beſtanden, von dem Scholaſtikus vier Unterlehrer für Knaben in der Stadt und einer in Molenbeke, und vier Unterlehrer oder Lehrerinnen ange⸗ ſtellt werden ſollen, um die Mädchen ihre kleinen Sachen bis zum Donat, aber nicht weiter zu lehren, iſt erſichtlich, daß das Schulweſen jener Zeit nicht ſo ſchlecht beſchaffen war, als man gewöhnlich zu glauben geneigt iſt. Die Knaben beſuchten außerdem die hohe Schule im Stift. Nach Stimmenmehrheit und Bequemlichkeit der Bürger wurden dieſe Schulen in gehöriger Entfernung errichtet. Der Scholaſticus hatte Lehrer und Lehrerinnen zu pruͤfen, zu beaufſichtigen und zurecht zu weiſen. In dieſen Unterſchulen wurden nur zwölf Schillinge von jedem Kinde jährlich als Schulgeld entrichtet, wovon der Rektor den dritten Theil bekam.— Dieſe Verorduung findet ſich im Belgiſch Muſeum voor de Nederduitſche Taet⸗ en Letterkunde door Willems. I. Gent 1837. S. 21. Vgl. Cramer a. a. O.
116) Vgl. Urk. v. J. 1262 im Cod. dipl. Lub. No. 261. Grautoff, hiſtor. Schriften I, S. 370. Lünig, Specil. eccl. II, p. 313.
117) Burmeiſter, Urk. Geſch. der Schulen in Wismar. Maſch a. a. O.
118) Urkunde bei Arnoldt, Geſch. der Königsberger Univerſität. I. Beil. 1 u. 2.


