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Schulmeiſter nicht ſelbſtändig ernennen, ſondern mußte ihn dem Stift präſentieren ¹⁰). Dieſe aus allen Theilen Deutſchlands zuſammengeſtellten Zeugniſſe aus drei bis vier Jahrhunderten beweiſen zur Genüge das Rechtsverhältniß bei Gründung und Leitung von Schulen, bei Beſtellung der Lehrer u. dgl., welches bisweilen, um die vorhandenen Schulen zu heben oder vor Beeinträchtigung zu ſchützen, zu einem förmlichen Monopol durch beſondere Privi⸗ legien geſteigert wurde. Schon 1252 beſtätigte Papſt Innocenz IV. dem Martinſtift zu Ypern (Weſtflandern) das Recht, daß ohne deſſen Erlaubniß niemand innerhalb der Pfarrſprengel der Stadt Schulen anlegen dürfe ¹⁰8). In Kiel ertheilte der Graf Johann der Milde nach einer Vereinbarung mit dem Hochſtift zu Lübeck i. J. 1320 dem dortigen zum Scholaſtikus ernannten Domherren Heinrich von Culmine das beſondere Privileg, daß außer ſeiner Schule keine andere in Kiel ſein ſolle ¹04). Eine förmliche Durchkreuzung von Rechtsanſprüchen findet ſich in einer Beſchwerde der Herzoge Bernhard und Heinrich von Braunſ chweig an den Rath von Hamburg v. J. 1398 wegen einer durch den Probſt von Heiligenthal geſchehenen Beeinträchtigung ihrer von ihren Vorfahren dem Münſter St. Michael zu Lüneburg ver⸗ liehenen Schulgerechtigkeit, nach welcher daſelbſt bis jetzt nie eine andere Schule habe beſtehen dürfen. Nun aber habe der Probſt von Heiligenthal auch für weltliche Kinder eine Schule angelegt ¹¹⁰).
Aus den verſchiedenen Rechtsanſprüchen auf die Schule entwickelten ſich nun, wie bereits aus Vorſtehendem erſichtlich iſt, allerlei Streitigkeiten, beſonders zwiſchen der kirchlichen Behörde und den Stadtobrigkeiten, zu deren Behandlung wir nun übergehen.
II. Der Schulſtreit.
Nicht überall und immer war das Beſtreben der Stadtmagiſtrate für Erlangung des Patronats und für Gründung freier Schulen mit augenblicklichem Erfolg gekrönt, beſonders wenn andere Rechtsanſprüche entgegen ſtanden und in ſolchen Städten, wo Dom⸗ und Stifts⸗ ſchulen beſtanden, oder wo Domkapitel und Stifter den Patronat beſaßen. Denn einerſeits
107) Pfaff a. a. O.
108) Warnkönig, Flandr. Staats⸗ und Rechtsgeſch. II. 1. Urkb. S. 170. Das Stift errichtete, um dem Wunſch der Bürger zu genügen, 1253 drei große Schulen in der Stadt, die unter ſeiner Aufſicht verblieben, gab aber den Elementarunterricht frei.
109) Dipl. Joannis c. bei Westphalen I. c. II. p. 328. Dieſer Scholaſtikus, der die beſondere Vergünſtigung von dem Kapitel in Lübeck erhielt, in Kiel wohnen zu dürfen, baute daſelbſt auf ſeine Koſten ein Schulhaus, das er ſpäter bei ſeinem Weggange mit der Schule dem Magiſtrat ſchenkte. Vgl. Lucht, im Progr. der Kieler Gelehrten⸗ ſchule. 1853.
110) Wy begern jü to wetende, dat de proveſt van dem Hilgendale to Luneborg vns zulffwoldigliken(gewaltſam) vorvnrechtet an vnſer vriheyt vn rechtiheyt der Schole to Luneborg, de vnſe vorvaren vnd eldern dem monſter to ſunte Michahele to L. gegeven hebbe, vnd ſick vnd der herſchop eyne ewige dechtniſſe vnd zelegerade mede gemaket, dat he ok er angehenc hadde, vnd wy em mit rechte affdegedingeden(ſtreitig machten), wente bynnen Luneborg by nener(keiner) dechtniſſe andere ſchole geweſen ſynt. Das heft he aver in korten tiden in ſynen kloſter eyne ſchole
gemaket vnd heget, dar he werltlike kynder inne leren led.“ Urk. XX bei Meyer a. a. O.


