Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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ſchuß eine Mitwirkung eingeräumt*). Die Ernennungsform des Schulmeiſters in Medebach iſt ſchon(Anmerk. 88) erwähnt. In Hannover übten 1280 die Burgmannen von Lauen⸗ rode die Präſentation des Schulmeiſters als ein von Herzog Otto dem Strengen verliehenes Necht); 1348 aber erkauften die Bürger das volle Patronatsrecht 8). Auch Göttingen und viele andere Städte Niederſachſens gewannen nach und nach das Ernennungsrecht 99).

In Wismar(Mecklenburg) übertrug die Fürſtin Anaſtaſia in Abweſenheit ihres Ge⸗ mahles i. J. 1279 willkürlich den Patronat über die Marienſchule dem Rathe der Stadt, vorbehaltlich des Oberaufſichtsrechtes des Scholaſtikus der Diöceſe Ratzeburg; der zurück⸗ gekehrte Fürſt verſagte die Genehmigung, und erſt im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts gelangte der Rath in Beſitz, indem es ihm der Biſchof Marquard(1310 35) mit Zuſtimmung des Kapitels überließ 100). Fahren wir auf unſerer Wanderung durch das vierzehnte Jahrh. fort, ſo finden wir noch eine große Anzahl Schulen unter ſtädtiſchem Patronat; z. B. in Liegnitz 1309 ¹⁰¹), Freiburg i. Br. 1316, wo ſich Graf Konrad II. mit der Stadt über verſchiedene Rechte, worunter auch die Wahl des Schulmeiſters, einigt 102). In Roſtock über⸗ trägt Herzog Albert II. von Mecklenburg 1337 das Patronatsrecht und den Beſitz der Marien⸗ ſchule nach dem Tode des zeitlichen Scholaſtikus auf ewige Zeiten dem Rathe der Stadt 103). So ertheilte wiederum i. J. 1383 das Kloſter Reichenau der Stadt Ulm das Recht, den Schulmeiſter, den ſie ſchon vorlängſt präſentieren durfte, nach Gutdünken ein⸗ und abzuſetzen ¹⁰⁴). Umgekehrt überträgt 1477 der Rath in Urach(Würtemb.) die Ein⸗ und Abſetzung des Schul⸗ meiſters dem dortigen Stift. Wir ſehen ſomit den Einfluß der Stadtmagiſtrate auf die ſtädtiſchen Schulen im Laufe der Zeit ſich durch die Indulgenz der geiſtlichen und weltlichen Patrone erweitern, zugleich aber auch immer das Oberaufſichtsrecht der kirchlichen Behörde in irgend einer Weiſe durchleuchten 165). Am weiteſten geht hinſichtlich des Schulregimentes die Schulordnung für Stuttgart v. J. 1501, in welcher der Schulmeiſter verpflichtet wird,große und klain, fremde und heimiſch nach ihren Fähigkeiten in Lehre, Leſen und Geſang ſorgfältig zu unter⸗ richten, und ſich in nichts, das ihm ſeines Amtes halber zugemuthet wird, gegen jemand ver⸗ bindlich machen, als allein gegen den Magiſtrat ¹⁰6). Aber gleichwohl konnte der letztere den

96) Urk. Friedrich II. v. J. 1237 hei Lambecher, Interregnum. S. 72, und Rudolf I. v. J. 1278. ib. S. 160.

97) Baring, Beitr. zur Hannöver'ſchen Kirchen⸗ und Schulhiſtorie II, S. 1.

98) Grotefend, Entwicklung der Stadt Hannover bis 1390. Hannover 1860. Zehn Jahre ſpäter erhielten ſie vom Herzog das Recht, ſo viel Schulen auzulegen, als ſie wollten ein Beweis, daß auch die Laien als Patrone die Zahl der Schulen zum Vortheil der beſtehenden beſchränken konnten.

99) Barthold, Geſch. der deutſchen Städte. Leipz. 1851. S. 24.

100) Urk. bei Westphalen, monum. ined. No. 3. Maſch, Geſch. des Bisthums Ratzeburg. S. 144. Bur⸗ meiſter, urkundl. Geſch. der Schulen zu Wismar.

101) Wieſe a. a. O.

102) Urk. bei Mone, Zeitſchr. XII. S. 257.Swem wir vch die lutkilchen zu Friburg lihen, der ſol die vier vnd zwenzig vnd den rat ze Friburg laſſen einen ſchulmeiſter wellen, vnd ſwem der rat oder der mer teil des rates ze einem ſchulmeiſter erwellent, dem ſol der kilchherre(der Pfarrer) dat amt lihen. Die ſtädtiſche Schule in Freiburg kommt ſchon 1271 als beſtehend vor. Mone a. a. O. IX. S. 452. Vgl. X, 105, 249, 250.

103) Lünig, Reichsarchiv. Part. spec. cont. IV. Thl. II. 1. S. 668. Meyer a. a. O. S. 124.

10⁴) Pfaff, Verſuch einer Geſch. des gelehrten Unterrichtsweſens in Württemberg. Ulm 1842. Das kirchliche Verhältniß zum Stift blieb aber unbehelligt.

105) Cleß, Verſuch einer kirchl. polit. Landes⸗ und Kulturgeſch. von Würtemberg. 1806. III. S. 558.

106) Holzer, Beitr. zur Geſch. des Gymnaſ. in Stuttg. Progr. von 1864.