Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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16 i. d. N. M. ſtand unter dem Biſchof von Cammin, obgleich dieſer ſelbſt dem Herzog von Pommern lehenspflichtig war, ohne deſſen Wiſſen weder der Biſchof noch ein Domherr gewählt werden konnte 82). In Breslau beſtand das Oberaufſichtsrecht des Biſchofs noch 1466 über ſämmtliche acht Schulen der Stadt in voller Kraft s3). Weltliche Herren, welche Schulen gründeten, über welche ihnen ſonach der Patronat zuſtand, ſtellten dieſelben dennoch unter die Aufſicht des Biſchofs, wie der um das Schulweſen hochverdiente Graf Balduin von Flandern, der die 1203 zu Tournay errichtete Schule der Aufſicht des dortigen Biſchofs überwies 34).

So war das biſchöfliche Recht demnach allgemein und unbeſtritten; aber es konnte durch beſondere Privilegien und Rechtstitel beſchränkt werden. So hatte das Auguſtiner⸗Chorherrn⸗ ſtift in Valenciennes ſchon 1173 von Papſt Alexander II. das ſeit alter Zeit beſeſſene Ober⸗ aufſichtsrecht über die Schulen des ganzen Stadtgebietes beſtätigt erhalten 85). Die Bene⸗ diktiner⸗Abtei Helmſtädt⸗Werden, ſchon von Ludwig d. Fr. für reichsunmittelbar und von Papſt Lucius III.(1181 85) für exemt erklärt, übte fürſtliche Rechte über Stadt⸗ und Land⸗ gebiet und beſaß ſelbſt, als die Stadt volle Stadtrechte erworben hatte, den Patronat über alle Schulen unter Oberaufſicht des Biſchofs ⁵6). Auch Frauenklöſter konnten den Patronat über Schulen beſitzen, wenn ſie denſelben zugleich über die betreffenden Kirchen erworben hatten. Das Michaeliskloſter in Jen a z. B. ſchloß 1364 mit dem Stadtrath und den Hand⸗ werksmeiſtern der Innungen ſeinen Vertrag, wonach der Schulmeiſter vom Kloſter und dem Rath ernannt werden ſollte, damitauch die Schule nicht vor ewigen geheimem(irgend einem) Schulmeiſter noch vorerbin ſal. Auch die Entlaſſungvon redelicher ſache(Urſache) ſoll nur gemeinſchaftlich erfolgen. Die formelle Verleihung verblieb aber der Aebtiſſin 87), welcher der Patronat von den Territorialherren Hartmann und Albert von Lobdeburg⸗Leuchtenberg als regimen scolarium cum officio campanicie(Glöckneramt) übertragen worden war. Der Vertrag mit dem Stadtrath war wahrſcheinlich die Folge mißfälliger Beſetzung der Lehrerſtelle geweſen. Auch in Quedlinburg kamen 1453 beide Schulen unter den Patronat des Frauenſtifts daſelbſt 8s). Von dem Patronat weltlicher Herren ergeben ſich Beiſpiele im Verlauf der weiteren Dar⸗ ſtellung.

Daß nun die Stadtmagiſtrate bei ihrem unermüdlichen, oft rückſichtsloſen Streben nach Freiheit von jeglicher Beſchränkung auch alle Mittel angewandt haben, einen entſcheidenden Einfluß auf die Schulen zu gewinnen uud dieſelben gewiſſermaßen von ſich abhängig zu machen, iſt zu natürlich, als daß man das Gegentheil erwarten dürfte. Sogar die eigentlichen

82) Wieſe, das höhere Schulweſen in Preußen. Wagler, Leben des Pommernherzogs Bogislaff. Progr. v. 1864, S. 21.

83) Reiche, S. 3 u. 8.

84) Cramer a. a. O.

85) Alexander II. confirmat. scolas totius castri de Valencenis, quae ab antiquo ecclesia vestra possedit, clericos, scolares et canonicorum familias. Cramer, S. 251. Dieſes Recht beſtätigte auch Johann Graf von Hennegau i. J. 1287.

86) Knoch a. a. O. Urk. v. J. 1247.

87)den Schulmeiſtir ſal ein probiſt und ein raid vor eine eptisſchin brengen, die öm die Schule mit willen, rathe und wiſſen eines rathes czu eczlichen jaren lyhen ſal.(Urk. in der Zeitſchr. für thüring. Geſch. u. Alterth. V. Hft. 41. Jena 1863.

88) Wieſe a. a. O. Aehnlich in Medebach, wo 1272 der Rath nur mit Bewilligung der Aebtiſſin von Küleit den Schulmeiſter einſetzen durfte.(Archiv für Geſch. u. Alterthumsk. Weſtphalens, v. D. Wigand. IV. 3.. 310.