Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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Einklanges der geiſtlichen und weltlichen Gewalt und der daraus abgeleiteten gegenſeitigen Pflicht des Beiſtandes und der Unterſtützung zum gemeinſchaftlichen Wirken für die Ehre Gottes und die Wohlfahrt der Menſchen ihren Grund hat 55). Die Vogtei über eine Kirche übertrug man daher gern den Wohlthätern derſelben 67). Da die Schule aber dem Weſen und der hiſtoriſchen Entwicklung nach von der Kirche unzertrennlich war, ſo ſchloß der Patronat über eine Kirche auch den über die damit verbundene Schule in ſich ein. Darum war der Biſchof in dieſer ſeiner Eigenſchaft Patron aller nicht unter einem andern rechtlich erworbenen Patronat ſtehenden Kirchen und Schulen ſeiner Diöceſe. Dieſes Recht übte er durch einen Stellvertreter, den Domſcholaſticus aus, der nicht bloß die biſchöfliche oder Kathedralſchule zu leiten, die Lehrer anzuſtellen, den Unterrichtsplan zu entwerfen hatte, ſondern auch die Oberaufſicht über alle Schulen der Diöceſe führte 6s). Das oben ſchon erwähnte Beiſpiel von dem Biſchof des Ermlandes, der dem deutſchen Orden im Jahr 1251 im Ordensgebiet ſeiner Diöceſe die Anſtellung und Abſetzung der Schulmeiſter überträgt ⁶⁵), beweiſt dieſes biſchöfliche Recht zur Genüge. Daraus erklärt es ſich denn auch, warum man bei Gründung neuer Schulen die Erlaubniß des Diöceſanbiſchofes oder bei abſchlägigem Beſcheid oder Sedisvakanz die des Pabſtes einholte: in Lübeck im Jahr 1253 70), in Breslau 1267 und 1293) in Hamburg 1281*²), Poſen 1303*³), Liegnitz 1309), Stendal 1320*), Groß⸗ glogau 1336), Königsberg i. Pr. 1337 77), Stettin 1390 78), Leipzig 1395 ⁷⁰), Braunſchweig 1415 ³0), Brandenburg 1435 81) u. a. Die Schule zu Königsberg

66) Episcopi cum comitibus stent et comites cum episcopis, ut uterque pleniter suum ministerium peragere possit.(Capit. Carol. M. 4 v. J. 806). Vobis vero comitibus dicimus vosque commonemus, ut reverentiam et honorem sanctae Dei ecclesiae exhibeatis et cum episcopis concorditer vivatis et eis adju- orium ad suum ministerium peragendum praebeatis.(Capit. v. J. 823).

67) Walter, Kirchenrecht,§. 241.

68) Wie wichtig das Amt eines Scholaſticus war, geht theils daraus, daß man nur die gelehrteſten und aus⸗ gezeichnetſten Männer wählte, theils aus dem Wahlmodus ſelbſt hervor. Wenn nämlich ein Scholaſtieus geſtorben war, ſo wurde vom Kapitel eine neue Wahl angeordnet und auswärtige Kapitulare durch eine citatio ad electionem scholastici eingeladen, an der Wahl perſönlich oder durch einen procurator legitimus Theil zu nehmen.(Würdt- wein, subs. dipl. IV. Urk. 35 v. J. 1471). Nach einem feierlichen Hochamte de spiritu sancto geſchah die Wahl durch geheime Abſtimmung in Gegenwart eines Notars und Zeugen, nachdem alle Wähler einen leiblichen Eid Guramento ad sancta Dei evangelia corporaliter praestito) geleiſtet hatten. Die Wahl wurde dann dem Biſchof zur Genehmigung und Beſtätigung vorgelegt.(Würdtw. 1. c. Urk. 36).

69) Braun a. a. O. und das Citat aus dem Arch. cap. Varm. Ueberhaupt iſt die Geſchichte des Erm⸗

landes für die von den Biſchöfen den Schulen gewidmete Sorge, beſonders aber für das biſchöfliche Oberaufſichts⸗ recht von großer Bedeutung.

70) Cod. dipl. Sub. I. Urf. 189.

71) Reiche a. a. O.

72) Meyer a. a. O. S. 195, Urk. 3.

73) Schweminski a. a. O.

74) Ruhkopf a. a. O. S. 138.

75) Götze, Geſch. des Gymnaſ. zu Stendal. Progr. v. 1865. Urk. bei Würdtwein I. c. p. 177 und bei Gercken, dipl. vet. March. Brandenb. I. 103.

76) Quod ipsi cives apud ecelesiam Parochialem scholam pro suis pueris aedificare valeant et habere magistrum, qui ipsos doceat atque regat. Knoch a. a. O. S. 15.

77) Möller, Geſch. des Altſtädt. Gymnaſ. zu Königsberg i. Pr. Progr. v. 1847.

78) Friedeborn, hiſt. Beſchreibung der Stadt Alten⸗Stettin in Pommern. S. 63. 79) Schneider, Chron. Lips. p. 186. 1

80) Meyer, S. 125. 81) Heydler, Materialien zur Geſch. des Biſchofs Stephan v. Brandenb. Progr. v. 1866, S. 16 u. 17.