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dem Leonhardſtift in Frankfurt a. M. im Jahr 1377 liberam facultatem habendi scolas et magistrum scolarum; desgleichen der Erzbiſchof Mathias von Mainz dem Liebfrauenſtift zu Frankfurt im Jahr 1326 das Recht freier Wahl des Scholaſters. Auch die Stiftung der Scholaſterei und Kantorei am Domſtift daſelbſt durch den Probſt Gerhard i. J. 1255 hatte die Beſtätigung durch den Erzbiſchof von Mainz erhalten 64). Aehnlich war das Verhältniß des von dem Biſchof geſetzten Pfarrers einer Gemeinde zur Pfarrſchule. Auch die Stadt⸗ ſchulen traten nicht aus dem herkömmlichen Verhältniß zur Kirche(des Biſchofs oder Pfarrers), ſelbſt wenn der Magiſtrat das Patronatsrecht über dieſelben erworben hatte. Noch im vier⸗ zehnten Jahrhundert wurde z. B. in Neiſſe bei Erweiterung der Schulen das Schulgebäude von dem Rath mit dem Pfarrer auf Koſten der Stadt neu aufgebaut 62). In Zittau nahm im Jahr 1310 der Stadtrath den Stadtpfarrer„zu Rath und Hülfe, welch' Meiſter zu der Schule tüchtig ſei“, und verfügte, daß der Schulmeiſter„vor dem Pfarrer Furcht haben, den Chor und die Schule nach Ehren und nach Weisheit und nach dem Rechte halten ſolle 6). Im Jahr 1403 ward zwiſchen dem Magiſtrat und dem Pfarrer zu Braunsberg ein Uebereinkommen dahin getroffen, daß der Magiſtrat den Schulmeiſter anſtellen, dieſer aber unter der Aufſicht des Pfarrers ſtehen ſolle 64). Dieſe Beiſpiele zeigen zugleich, daß auch die Stadtobrigkeiten an den Schulen Intereſſe nahmen, ſich an deren Zuſtänden betheiligten, gewiſſe Rechte übten, beſonders das Recht, die Lehrer zu ernennen.
Dieſes Verhältniß der Schule zur bürgerlichen Obrigkeit beruht auf dem Patronat, zu deſſen Behandlung wir nun übergehen.
Der Biſchof hatte das unbeſtrittene Recht, die kirchlichen Aemter ſeiner Diöceſe zu beſetzen und den einzelnen kirchlichen Gemeinden einen Prieſter als Pfarrer(parochus proprius) zu geben, der eigentlich nur der Stellvertreter des Biſchofs iſt, und den derſelbe wenigſtens in den älteren Zeiten auf den Titel einer Gemeinde weihete, da es landesherrliche ſog. Tiſchtitel damals nicht gab. Aber ſchon Juſtinian gewährte durch ein Geſetz vom Jahr 541 denjenigen, welche eine Kirche mit beſtimmten Einkünften zum Unterhalte der Geiſtlichen ſtifteten, das erbliche Recht, dem Biſchof würdige Geiſtliche für dieſe Kirche vorzuſchlagen 565). Dieſes Recht heißt das Patronatsrecht(Patronat), welches Laien und Kleriker, geiſtliche und welt⸗ liche Körperſchaften(Klöſter, Stifter, Pfarreien, Gemeinde⸗Vorſtände) erwerben konnten. Es konnte auch vom Biſchof oder mit Genehmigung desſelben verliehen, übertragen, geſchenkt, nicht aber gekauft oder verkauft werden. Territorialherren, welche mit Kirchengütern belehnt waren, übten wohl auch bisweilen durch Uſurpation dieſes Recht aus. Beſonders beruhte der Patronat weltlicher Herren auf dem vielfach mißbrauchten Inſtitute der Vogtei oder Schutzherrſchaft über Kirchen und Klöſter, welche ihrerſeits in der von Karl d. Gr. ausge⸗ gangenen und durchs ganze Mittelalter freilich ſehr ungleichmäßig verwirklichten Idee des
61) Helfenſtein, die Entwicklung des Schulweſens in Frankfurt a. M. 1858. Urk. 1 u. 3. Pgl. Böhmer, Cod. dipl. Francof.
62) Pedewitz, histor. eccl. par s. Jacob Nissae. Kaſtner, Geſch. des Pfarr⸗Gymnaſ. S. Jakob in Neiſſe. Prag v. J. 1865.
63) Wilde, Lauſitziſches Magazin. 3. J. 1310.
64) Urk. in dem Rathsarchiv zu Braunsberg, nach Braun a. a. O.
65) Justinian. novell. 57. c. 2. 123. c. 18. El ris dxr'jεοeν lzo æraxoxeudoei ead Soud,edf be aure e2nOε τιο⁵ς πέἀ‿εα⁴ͥιι, 7 aurol oOfrourou 2d„νmφαςο, et ràs danrdyas durol rois*2εινοϋ Toοπρα za ³ EIObS S,4⁴ σαόσι, ro ν,αμααςο ιωeπ³ς TεαεοσνπιωQõź⁊¾ꝑτœ Ga⁴.


