Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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mußte. Zur erſten Klaſſe gehörten die Elementarſchüler im engeren Sinne ⁵²); die das Ab c(Ceſen und Schreiben) und das Benedicite ⁵³) lernten; zur zweiten die Donatiſten,

Der lateiniſchen Sprache als der Sprache der Kirche, des Rechts, der Wiſſenſchaft, wurde natürlich auch in den Stadtſchulen eine hervorragende Bedeutung zuerkannt,da lateiniſch Reden, Schreiben und Verſtehen ein Fundament und Weg iſt, ohne den die Schüler andere Künſte nicht wohl erlangen 56); und Fertigkeit im Gebrauch der lateiniſchen Sprache war daher auch das Ziel dieſer Schulen. Da alſo das Latein nicht als todte, ſondern als lebende

ſlaviſchen Ländern hervor; ferner ſind aber auch die zahlreichen in gutem Deutſch, in richtiger Gedankenfolge abgefaßten Urkunden jener Zeit ein faktiſches Zeugniß. Auch die Ortsbücher vieler Gemeinden verrathen keinen geringen Grad deutſcher Sprachbildung. Haben wir oben eine kleine Probe des dreizehnten Jahrhunderts aus Bigge kennen gelernt, ſo wird die Folge gegenwärtiger Darſtellung noch ähnliche aufweiſen; und Eiſinger(im Progr. des Lyceums zu Raſtatt v. J. 1854) verſichert, daß die Einträge in das Ortsbuch aus dem vierzehnten Jahr⸗ hundert kalligraphiſch untadelig, feſt, gefällig, orthographiſch nach Grundſätzen durchgeführt, nach Wohlklang ſtrebend, klar, in ſtrenger Gedankenfolge, ſelbſt in Geſchäftsſachen gemüthlich ſeien. Wer Urkunden geleſen hat, wird dieſes von dem größeren Theil aus jener und früherer Zeit zugeſtehen müſſen, während die ſpäteren, beſonders aus dem Ende des ſechzehnten und aus dem ſiebzehnten Jahrhundertungehobelt und als ungeſchlachte Verſuche ſchriftlichen Gedankenausdruckes gegenüber den guten Muſtern des dreizehnten, vierzehnten Jahrhunderts erſcheinen. Noch glänzender tritt die deutſch nationale Bildung in der Literatur, beſonders in

Wenn übrigens Heinrich von Veldeke ſchon 1180 Virgils Aeneis, Albrecht von Halberſtadt 58) Ovids Metamorphoſen im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts ins Deutſche übertrug; wenn Eike von Repgow ſeinen Sachſenſpiegel mit biographiſchen Notizen über Virgil und Ovid

52) Auch in den Dom⸗ und Stiftsſchulen waren die Elementarſchüler von den lateiniſchen getrennt.(Meyer a. a. O. S. 144).

53) Der Lobgeſang der drei Knaben.

54) In Landau bezahlten die erſten im 15. Jahrh. 16 Heller, die zweiten 2 Schillinge, die dritten 2 Schillinge jährl. Schulgeld(Lehmann, Geſch. der Reichsſtadt Landau, 1851). Nach dem alten Bürgerrecht buche von Marienburg gab es auch dort eine Eintheilung in drei oder vier Klaſſen: die Fibel, den Donat, die Regel und den Alexander und noch höher, wofür jährlich 2, 4 und 5 Thlr. Schulgeld bezahlt wurden.(Breiter, Geſch. der lat. Schule zu M).

55) Holle, alte Geſch. v. Baireuth. 1833. S. 92.

56) Holzer, Beiträge zur Geſch. des Gymn. in Stuttgart. 1864.

57) Lehmann a. a. O.

58) Bartſch, Albrecht v. Halberſtadt und Ovid 1861.