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pfarrſchulen St. Eliſabeth, ad s. crucem und corporis Christi eingeführt worden iſt, vereinigte die Elementargegenſtände mit dem Trivium und bereitete für den Beſuch der Domſchule, alſo des Quadriviums, vor ¹³). Auch in Lübeck ¹4), Hamburg ¹⁵), Poſen u. a. ¹6) iſt der Zweck der Vorbereitung der Stadtſchulen für die Domſchule urkundlich ausgeſprochen. In den mit deutſchem Element durchdrungenen ſlaviſchen Ländern wurde in ſolchen Schulen neben der lateiniſchen und Landesſprache auch die deutſche gelehrt; ſonſt ſtimmt der Lehrplan mit dem von Breslau faſt ganz überein ¹⁷).
Was die Schulbücher im Beſonderen betrifft, ſo waren dieſelben im Mittelalter vor Erfindung der Buchdruckerkunſt ſehr ſelten und ſehr theuer. Durch zahlreiche Abſchriften, ſowie durch eine entſprechende Methode beim Unterrichte, welche naturgemäß viele Gedächt⸗ nißübungen forderte, auf welche man für jene Zeit ja nicht geringſchätzend herabſehen ſollte, wurde der Mangel möglichſt erſetzt. Sobald die Preſſe die Bücher vervielfältigte, wurden ſie zahlreicher, blieben aber auch jetzt noch theuer. Außer den ſchon genannten Lehrbüchern gebrauchte man auch in den Stadtſchulen noch verſchiedene Vokabularien(lexica oder gemmae); z. B. die gemma gemmarum, den Mammetractus des Minoriten Marheſini aus Reggio, das catholicon des Johannes de Balbis aus dem vierzehnten Jahrh., den modus latinitatis, den brachylogus, den vocabularius breviloquus(1478 von Reuchlin) u. a. ¹3). Ein um⸗ faſſendes Sprachbuch des fünfzehnten Jahrhunderts war die margarita philosophica des Karthäuſers Reiſch in zwölf Büchern. Nach dem ſog. Cisio Janus, einem Kirchenkalender aus dem zehnten Jahrhundert, der aus zwölf daktyliſchen Doppelverſen beſtand, jeder mit ſo viel Silben, als der betreffende Monat Tage hatte, berechnete man die kirchlichen Feſte 44). Auch gab es Rechenbücher ⁵⁰) und Anleitungen zum Unterrichte in der Geographie ³¹). Ueber⸗ haupt fand im fünfzehnten Jahrhundert ein reges Streben für Verbeſſerung der Schulbücher Statt, die Abſchaffung der veralteten ſtieß übrigens vielfach auf Widerſtand. Die Frater⸗ herrn(Brüder vom gemeinſchaftlichen Leben) haben ſich auch hierin unbeſtreitbare Verdienſte erworben.
Die vollſtändigen, alſo lateiniſchen Stadtſchulen zerfielen gewöhnlich in mehrere Abthei⸗ lungen oder Klaſſen(coetus), in welchen auch verſchiedenes Schulgeld bezahlt werden
43) Qui predicti pueri si majores libros audire voluerint, ad scolas s. Joannis(Domſchule) in castro Vratislav. se transferant vel quocunque voluerint. Urt. v. J. 1267 bei Reiche, Geſch. des Gymnaſ. S. Eliſabeth in Breslau. 1843. Ruhkopf a. a. O. S. 84.
44) Urk. v. J. 1262 im Cod. dipl. Lub. No. 261.
45) Urk. v. J. 1289 No. 4 bei Meyer, Geſch. d. Hamburg. Schulweſens im M. A. Hamb. 1843.
46) Schweminski, Geſch. d. Marien⸗Gymnaſ. zu Poſen. Progr. v. J. 1848.
47) In der Urk. des Biſchofs Andreas von Poſen v. J. 1303, worin derſelbe die Erlaubniß zur Gründung einer Stadtſchule in Poſen gibt, wird neben der polniſchen und deutſchen Sprache noch Arithmetik, Cato, Donat u. ſ. w. als Unterrichtsgegenſtände aufgezählt, während die Claſſiker, Virgil, Horaz u. ſ. w. der Dom⸗ ſchule verblieben. Schweminski a. a. O.
48) Daß es viele dergl. Bücher gab, beweiſen die in den Bibliotheken, beſonders in Breslau, Wolfenbüttel, Lüneburg und ſonſt aufbewahrten Exemplare, welche Mone, Anzeiger 1833, S. 151 aufzählt.
49) Vgl. Reiche und Ruhkopf a. a. O.
50⁰) Eine Handſchrift zu Baſel(, VII, 12) vom Jahr 1408 enthält eine für Volksſchulen beſtimmte An⸗ weiſung zum Rechnen in ſieben Kapiteln: additio, subtractio, duplatio, mediatio(Halbierung), multiplicatio, divisio, radices. Mone, Zeitſchr. II, No. 8.
51) Mone, Anzeiger a. a. O. 2*


