Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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ſchieden. Während manche an kleineren Orten es kaum über das Ziel einer Elementarſchule hinausbrachten, wurden andere Vorbereitungsanſtalten für die obere Abtheilung der Dom⸗ und Stiftsſchulen, das ſog. Quadrivium, oder nahmen dieſes ſelbſt in ſich auf und wurden Gelehrtenſchulen, welche eines ausgedehnten Rufes genoſſen und zahlreich beſucht wurden, beſonders im fünfzehnten Jahrhundert 26). Sie wurden demnach, wie viele Dom⸗ und Stifts⸗ oder Kloſterſchulen, die Grundlage und der Anfang der ſpäteren Progymnaſien und Gymnaſien. Viele ſanken auch von anfänglich höherem Ziele durch ungünſtige Verhältniſſe zu bloßen Ele⸗ mentarſchulen herab und blieben es bis auf unſere Zeit.

Für eine vollſtändige lateiniſche Stadt⸗ oder Trivialſchule des dreizehnten Jahrhunderts laſſen ſich die Unterrichtsgegenſtände aus einem Inſtrument des Kardinals Guido v. J. 1267 erkennen, worin derſelbe auf Bitten der Bürger zu Breslau die Errichtung der St. Magdalenen⸗Pfarrſchule geſtattet: Juxta ecclesiam s. Magdalenae scolae fiant, in quibus pueri parvuli doceantur, et discant alphabeticam(Leſen) cum oratione dominica et salutationem b. M. v. cum sym bolo, psalterio ³⁷) et septem psalmis 38); discant etiam ibidem cantum, ut in ecclesiis ad honorem dei legere et cantare valeant; audiant etiam Donatum ³⁹), Catonem ¹⁰) et Theodulum ¹¹) et regulas pueriles ⁴²). Dieſer Lehrplan, welcher vom Kardinal ſelbſt mit dem Biſchof Johannes III. von Breslau entworfen und auch in den 1290, 1293 und 1295 mit Genehmigung des Biſchofs gegründeten Stadt⸗

36) Schon 1309 wurden die beiden Stadtſchulen St. Maria und St. Peter zu Liegnitz durch ein Privileg des Biſchofs von Breslau, Heinrich von Würben, zu einer Gelehrtenſchule vereinigt, mit der Befugniß, das Qua⸗ drivium zu lehren.(Ruhkopf, Geſch. des Schul⸗ und Erziehungsweſens im Mittelalter. Bremen 1794. S. 138). In Reutlingen trieb der Schulmeiſter mit ſeinen Schülern ſchon im 13. Jahrh. grammaticam, logicam et philosophiam.(Crusius, annal. Suev. 1595. III. p. 291). Die Schule in Ulm erlangte im 14. Jahrh. einen ſehr großen Ruf und ward ſeit Menſchengedenken von mehr als 200 fremden Schülern beſucht. Ein Ulmer Schüler konnte es im lat. Disputieren mit einem Baccalaureus oder Magiſter aufnehmen.(Veeſenmeyer, Beſchwerden eines Schulmeiſters. S. 19). Die lat. Schule in Freiburg i. Br. zählte unter dem Rektor J. Kerer, dem nach⸗ maligen Biſchof von Augsburg(1457 1460), einem klaſſiſch gebildeten Manne, gegen 400 Schüler.(Bauer, die Vorſtände der Freiburger Lateinſchule. Progr. v. J. 1867). Der Rektor der lat. Schule in Chemnitz, Paul Niavis,(1486 96) hielt die Jugend zum Leſen der alten Autoren an und verfaßte ſelbſt Idiomata latina, eine lat. Gram. in drei Theilen(Chronik d. Stadt Chemnitz I. S. 15. Leipz. 1763, und Weiſſe's Muſeum der ſächſ. Geſchichte 1796. III. S. 243.) Andere berühmte Schulen waren in Stuttgart, Schorndorf, Heilbronn, Ingolſtadt u. a., an denen auch Griechiſch und Hebräiſch gelehrt wurde. Beſonders waren die Brüder vom gemeinſchaftlichen Leben für Hebung der Stadtſchulen im 15. Jahrh. thätig.

37) Die Veſperpſalmen, welche beim Nachmittagsgottesdienſte geſungen wurden.

38) Die Bußpſalmen.

39) Eine lateiniſche Grammatik Donats, eines Grammatikers zu Rom im 4. Jahrh., Lehrers des h. Hieronymus, unter dem Titel: Ars de literis syllabisque, pedibus et tonis und de octo partibus orationis, beide im M. A. in vielfachem Gebrauch. Man unterſchied große und kleine Donate. Eine beſondere Bearbeitung iſt von dem Bene⸗ diktiner Remigius im 11. Jahrh., eine audere von Maximinian. Eine beſonders ſeit 1240 vielgebrauchte Grammatik iſt das Doctrinale puerorum in leontiniſchen Verſen, von dem Franziskaner Alexander de villa dei (Villedieu), welche ſich an Priscian anſchloß und im 15. Jahrh. allein an fünfzig Auflagen erlebte.(Vgl. Hautz, Neckarſchule in Heidelberg S. 17. Cramer a. a. O. S. 359).

40) Catonis disticha moralia. Auszug eines gewiſſen Dionyſtus Cato aus dem von Gellius(noct. att. XI, 2) erwähnten Sittengedicht des alten Cato Cenſorius, durch gnomiſche Faſſung, Einfachheit und Kürze nicht minder als durch die zu Denkverſen für die Jugend ſich eignenden Lebensregeln bemerkenswerth und viel im Gebrauch.

41) Theoduli ecloge, eine Sammlung bibliſcher Geſchichten, verglichen und beleuchtet mit Sätzen griechiſcher Philoſophen. Er ſtudierte im 10. Jahrh. in Athen.

42) Wahrſcheinlich Lebensregeln in Denkſprüchen.