Aufsatz 
Die deutschen Stadtschulen und der Schulstreit im Mittelalter : Ein Beitrag zur Schulgeschichte des Mittelalters / von Meister
Entstehung
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getragen, indem ſie mehr, als es früher möglich war, der Jugenderziehung auch des niederen Volkes ſich annahm, beſonders durch die gleichfalls in Folge der Kreuzzüge auftauchenden Mönchsorden, welche ſich die Jugendbildung als Aufgabe ſetzten. Den Bemühungen der ſog. Mendikanten⸗Orden, vorzugsweiſe den Dominikanern, verdanken die Bürger⸗ und Volksſchulen ihre Verbreitung.Die Bettelmönche haben ſich ſeit dem dreizehnten Jahrhundert unbeſtreitbare Verdienſte um die Verbreitung des ſtädtiſchen Schul⸗ und Erziehungsweſens erworben. Sie wählten zu ihren Niederlaſſungen beſonders die Städte, erlangten meiſt über den Theil, wo ſie ſich angebaut hatten, die Pfarrgerechtigkeit und legten nun für ihre Pfarrgemeine Schulen an 26). Aehnliches thaten andere Orden, mit entſchiedenem Eifer und Erfolg der deutſche Orden in allen ſeinen weitverbreiteten Beſitzungen 25).

Die deutſchen Stadt⸗ oder Bürgerſchulen.

Einen beſonderen Aufſchwung gewann das Schulweſen durch die Entwicklung der Städte, als das Bürgerthum an der bildenden Hand der Kirche unter günſtigen äußeren Einflüſſen neben der Geiſtlichkeit und dem Adel zu ſolcher Geltung gekommen war, daß die deutſchen Städte beim Sinken der ritterlichen Kultur allmählich die Miſſon der Bildung übernahmen oder doch theilten; als Gewerbfleiß und Handelsthätigkeit einen anderen Grad des Wiſſens, ein anderes Maß der Kenntniſſe verlangten, denn früher; als ſelbſt kleinere Orte, den Vortheil der Sicherheit erkennend, ſich mit Wall und Graben umgaben, in der inneren Verwaltung ſich möglichſt frei zu ſtellen, eigene Obrigkeit, eigenes Gerichtsweſen zur Verwaltung der Gemeinde⸗Angelegenheiten, zur Aufſicht über die Gewerbe u. ſ. w. zu erlangen ſtrebten. Beſonders bildete ſich jener Geiſt ſelbſtbewußter Kraft im Bürgerthum, jene ſtrebſame Thätig⸗ keit, jene Liebe zur Selbſtändigkeit und Freiheit, welche die Bürger von dem durch den Adel und die Miniſterialen niedergehaltenen Bauernſtande ſo weſentlich unterſcheidet; jene kerngeſunde Bürgertugend aus, welche auf ächt chriſtlichen Sinn und unerſchütterlich treue Anhänglichkeit an die Kirche gegründet war ²8), als durch den Eintritt in die Stadtgemeinden auch die freien Land⸗ jaſſen(Gemeinfreie nennt ſie Menzel ²⁸) zu Bürgern wurden; als freie Kaufleute und Künſtler ſich in den ummauerten Stadtberingen der Reichspfalzen, der biſchöflichen und Abteiſitze wegen der größeren Sicherheit in ſtürmiſchen Zeiten niederließen; als die nichtadeligen Bewohner gleich den Miniſterialen zum Waffentragen und zur Vertheidigung der Stadt verpflichtet und berech⸗ tigt waren; als ſelbſt die Handwerker, die oft nur mühſam aus dem Stande der Unfreiheit und Hörigkeit in den der Freiheit ſich emporrangen, durch das Innungsweſen zu größerer

26) Hüllntann, Städteweſen des Mittelalters. Bonn 182629. IV. S. 333.

27) Der Raumerſparniß wegen muß ich es mir verſagen, die hierher gehörigen Ausführungen und Belege abdrucken zu laſſen, und ich gehe nunmehr auf das Thema der Abhandlung, die Stadtſchulen im engeren Sinne über.

28) Ausſchreitungen, Schattenſeiten und Mängel, die ja nirgends fehlen, ſollen hiermit keineswegs geleugnet

und verdeckt werden. 29) C. A. Menzel, Geſch. der Deutſchen. 4. Bd.