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clericus genannt wird ¹⁵), zugleich Lehrer war. Aus dem Vertrag des Biſchofes Anſelm von Ermeland mit dem deutſchen Orden v. J. 1251, worin der erſtere dem Orden die Anſtellung der Schulmeiſter im Ordensterritorium der Diöceſe überträgt, läßt ſich der ſichere Schluß ziehen, daß es Pfarrſchulen gegeben habe 17). In Elbing und Braunsberg beſtanden vor der Gründung der Kathedralſchule bereits Pfarrſchulen. Wenn es alſo in einem Lande, das ſo ſpät zum Chriſtenthume bekehrt wurde, ſchon Pfarrſchulen gab, um wie viel mehr und früher in ſolchen, die bereits ſeit Jahrhunderten chriſtlich waren? Selbſt in die durch die Einwanderung deutſcher Coloniſten mit dem ſog. Magdeburger Recht bevorzugten ſlaviſchen Städte waren ſchon im dreizehnten Jahrhundert auch die Pfarrſchulen und mit ihnen die Pflege der deutſchen Sprache gelangt. Welche Ausdehnung das deutſche Weſen in den⸗ ſelben gewonnen hatte, geht aus einem Statut des Erzbiſchofs Fulco von Gneſen v. J. 1237 hervor, worin derſelbe die Pfarrer ſeiner Diöceſe zur Gründung von Pfarrſchulen auf⸗ fordert, die Anſtellung deutſcher Lehrer aber nur dann geſtattet, wenn ſie des Polniſchen mächtig wären ¹).
Da aber in allen Pfarrkirchen ein Meßner(Sigriſt, sacrista) angeſtellt war, der für ſeinen Dienſt beſtimmte Einnahmen als Pfründe bezog, ſo iſt es begreiflich, daß der Pfarrer, ſobald er denſelben für tauglich befand, ihn bei den täglich an Umfang wachſenden Pfarrge⸗ ſchäften auch zum Unterrichte verwendet haben wird, ſo daß endlich das Amt eines Lehrers mit dem des Meßners oder Küſters(Glöckners, campanator) vereinigt wurde, ja daß es für manche kleine Gemeinden nur hierdurch möglich wurde, einen regelmäßigen Unterricht zu erlangen. So blieb es denn auch vielfach bis in die neueſte Zeit. Wie früh ſolche Küſter⸗ chulen als etwas Bekanntes, Herkömmliches vorhanden waren, iſt aus einer urkundlichen Notiz im Pfarrbuche der Pfarrei Bigge in Weſtphalen v. J. 1270 erſichtlich, wonach der Küſter verpflichtet war, nach der Anordnung des Pfarrers die Kirchſpieljugend im Schreiben und Leſen im Sommer von ſieben, im Winter von acht Uhr morgens bis zehn, des Nach⸗ mittags von ein bis drei oder vier Uhr zu unterrichten ¹4). Daß dieſes kein vereinzelter Fall war, geht aus den genauen Beſtimmungen der Vorſchrift hervor. Im vierzehnten und fünf⸗ zehnten Jahrhundert ſcheint die Verbindung des Lehrer⸗ und Küſterdienſtes ziemlich allgemein geweſen zu ſein. Unter den Einkünften des Glöckners am Münſter zu Baſel z. B. wird in einer Urkunde v. J. 1360 aufgezählt:„Item, wenn ein Biſchof von Baſel oder ein Tumherr oder ein Caplan ſin erſten meß ſinget, der git uns 5 ß und den ſchulern ein ſuppen und vier maß win. Item ſo ein her von Baſel Burgermeiſter und zunftmeiſter ſetzet, ſo ſol man uns und unſeren ſchuler eſſen und trinken geben“ ²⁰). In beiden Fällen iſt alſo Küſter und
16) Dreyer, Cod. Pom. dipl. N. 221. Cod. dipl. Varmiae I. 27. p. 50.
17) Fuchs, Nachricht vom Elbing'ſchen Gymnaſ. 1809. S. 2.
18) Item statuimus, ut omnes ecclesiarum rectores s. plebani(Pfarrer) per universam dioecesim Polonae gentis constituti habeant scolas per licenciam dominicam statutas; non ponant teutonicam gentem ad regendum ipsas, nisi sint polonica lingua ad auctores exponendos pueris in latinam polonice informati. Wizniewski, Poln. Lit. Geſch. Krakau II. S. 231.
19)„Hirto ſall de Küſter glykermaatten verbunden ſyn, wenn de Paſtor nit ander verordnen wirtt, die Kirspels Jugentt im ſchreiben untt leſen den ſummer morgens von ſiben, des winters von achten bis teen uhren und nachmittdags des ſummers von een bis drey oder vir, des winters bis drey uhren in eegener perſon ſtetts der⸗ geſtalt unterrichten, daß darüber keene klage erfolgt.“ Seibertz, Urkundenbuch f. d. Geſch. d. Herzogth. Weſtphalen. I. S. 579.
20) Mone, Zeitſchr. XIV. S. 27.


