Aufsatz 
Über die klassischen Studien auf Gymnasien vom christlichen Standpunkt
Entstehung
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I. Lehrverfassung des Gymnasiums.

A. Lehrercollegium..

Das Lehrercollegium hat in dem vorjährigen Bestande, wie er Seite 10 des betreffen- den Programmes aufgestellt worden ist, einige Veränderungen erlitten. Der protestantische Religionslehrer, Herr Pfarrer Kurtz, der seit Januar 1846, als Seelsorger der evangeli- schen Gemeinde, zugleich den entsprechenden confessionellen Unterricht am Gymnasium er- theilt hatte, wurde als erster Pfarrer nach Marienberg versetzt und ging Ende April dahin ab. Bei Eröffnung des neuen Schuljabres mit dem 1. Mai übernahm an seiner Stelle diesen Unterricht von Usingen hierher versetzte Herr Pfarrer Heinrich Schellen- berg, der unter dem 8. Mai in sein Amt am Gymnasium eingeführt wurde.

Eine zweite Veränderung brachte uns der Anfang des Wintersemesters, indem Herr Collaborator Ebhardt, der seit Mai 1848 an der hiesigen Schule gewirkt hatte, in gleicher Ei t an das Gymnasium zu Wiesbaden versetzt wurde. Ihn ersetzte unser friherer College Ilerr Professor H. L. Schmitt, dem seit December 1850 das Referat in Schul- sachen bei der Herzogl. Regierung zu Wiesbaden übertragen war, und der seinem Wunsche gemss, wieder in den activen Schuldienst zu treten, bei Eröfinung des Wintersemesters sein hiesiges Lehramt wieder aufnahm. Den abgeangenen Lehrern folgten der Dank und die Segenswünsche ihrer Schüler und Collegen. Die Liebe und Ausdauer, womit sie an dersclben Jugend Glück einst mit uns hier gearbeitet haben, wird in demselben Maasse ihr Andenken uns theuer erhalten.

Da der oben berichtete Personalwechsel beide Male in die Ferien fiel, und die neu eintretenden Lehrer mit Beginn des entsprechenden Semesters zur Stelle waren, so wurde die sonst durch einen solchen Wechsel bedingte Störung im Gange des öffentlichen Unter- richts abgewendet, um so mehr, als Herr Prof. Schmitt, nach der Zahl seiner Dienstjahre ältestes Glied des Collegiums nach dem Director, bereitwillig in die Stelle seines jüngeren Vorgüngers, als Ordinarius der VII. Klasse und Fachlehrer für Griechisch und Geschichte in IV. und II. Klasse, eintrat und hier die offenen Pensa lückenlos aufnahm. 4

Fühlbarer wurde uns die Abberufung eines dritten Collegen, des als deutscher Sprach- forscher weit und rühmlich bekannten Professors Kehrein, der, nachdem er vom Sommer 1845 an als Ordinarius von Mittel- und Oberklassen, und als Fachlehrer für deutsche Sprache in den obersten Klassen so berufstreu als segensvoll gewirkt hatte, mit Januar 18b5 als Director an das kathol. Schullehrerseminarium zu Montabaur versetzt wurde. Er ging den 16. Junuar dahin ab. An seiner Stelle wurde der bisherige bischöf- liche Ordinariatsrath Dr. Sporer von Limburg als Professor an das hiesige Gymnasium versetzt und begunn mit dem 22. Januar seine Wirksamkeit.*) Da auch er bereitwillig in die Lectionen des abgegangenen Lehrers eintrat, so erlitt der Unterricht selbst weiter keine andere Störung, als die der Wechsel der Persönlichkeit überhaupt mit sich bringt.

Auch Anderes störte den Gang des Unterrichtes nicht, da die wenigen Stunden Herrn Conrector Meister, welcher, in Folge seiner langwierigen Krankheit im vorigen Jahre, seine volle Stundenzahl auch in diesem Schulcursus noch nicht übernchmen konnte, und die des Directors, der vom 5. August bis zum Schlusse des Sommersemesters die Carlsbader Heilquellen gebrauchen musste, mit der hier bewährten Bereitwilligkeit von den übrigen Collegen mit so viel Treue als Erfolg verschen wurden.

*) Ueber seine vorangegangenen Bildungs- und Berufsverhältnisse hat er selbst Folgendes mitgetheilt:

Anton Franz von Paula Sporer, Dr. der Theologie, geboren zu München am 4. August 1807, und Priester seit dem 22. September 1832, war, nach seinen Studien am Gymnasium und an der Universität zu München und am Römischen Collegium Gregors XIII., bis in das Jahr 1849 theils in der Seelsorge in München und Isseldorf, theils(und zwar 7 Jahre) im Lehramte zu Eichstädt, Brig in Wallis, Regensburg und Amberg, vom 1. October 1849 an aber als Ordinariatsrath zu Limburg in Nassau angestellt.

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