und in Folge davon das Anheimfallen an dämonische Gewalten. 1³6) Die Begriffe der Ate und Erinnys, der Dienerinnen der Moira, als der Personification der allgemeinen Ge- setzlichkeit, gehören hierher. Sünde erzeugt neue Sünde und pflanzt sich fort durch ganze Geschlechter, deren Untergang sie unvermeidlich nach sich zieht. 65
Das Bewusstsein der Schuld und Strafwürdigkeit erzeugt die Sehnsucht nach Be- freiung und Erlösung, welche das e Alterthum durchzieht.„Dieselbe tiefe Her- zensschnsucht nach einem Heiland und ier, den Menschensohn voll Lieb und Macht, haben die'edelsten Geister des Alterthums gefühlt und ausgesprochen, so dass deutsche Gelehrte das Christliche im Plato, im— im— nachzuweisen versuchten. Wie müht sich Cicero ab in seinem Werk vom Wesen der Götter, das Dasein derselben zu beweisen; wie bietet er seinen ganzen Scharfsinn auf, die Erhaltung und Regierung der Welt durch die Götter auf unm Pssliche Beweise zu gründen; wie tappt er im Dun- keln, wie bestätigt er, was schon Plato rochen, dass der Mensch über die wich- tigsten Fragen dieses und des zukünftigen e nur durch einen Gesandten, den die Gottheit vom Himmel schicken miisse, Aufschluss und Licht erhalten könne!“ ¹27)
Auch der Begriff der Fortdauer des persönlichen Geistes nach dem Tode, der Unsterblichkeit der Seele, sowie der damit nothwendig verbundenen Idee von der Be- strafung des Bösen und der Belohnung des Guten ¹²⁸) war, trotz aller Unklarheit, Unsicher- heit und Verworrenheit der Vorstellungen, nicht so geschwunden, dass nicht auch fr christliche Jüngli in den Schriften der Ieiden a eichnete Belege dafür zu finden Nären, dass die Sehnsucht nach ewiger'Dauer und das Bewusstsein von der Nothwendigkeit dieser Idee für höheres Geistesleben und sittliche Ordnung tief in des Menschen Brust ge- pfianzt sei; Bel- welche beweisen, ein wie grosses Bedürfniss es für den 1 Geist sei, über diese so wichtige Wahrheit auf dem Wege der Vernunft sich mögliche Gewissheit zu verschaffen, wo die Sicherheit göttlicher Offenbarung verloren ge war. Die Schriften Platos, Xenophons, Ciceros, Senckas, zeigen, wohin ausgezeichnete Geister auch unter den Heiden in Erforschung der Wahrheit gelangen konnten; der Tod des Sokrates, wie ihn Platon schildert, seine Unterredung über de Unsterblichkeit der Seele vermögen auch Christen mit erhebenden,— Gefühlen zu durchdringen.
Neben diesen Anklängen an die Grundwahrheiten göttlicher Offenbarung, die sich leicht vermehren, erweitern und durch unzählige Stellenbeweise, sowie durch mytho- logische Beziehungen erhärten liessen, finden sich auch naturgemäss Beispiele hoher Tugenden, welche, trotz des ihnen mangelnden tieferen Grundes, uns Bewunderung ab- nöthigen oder gar ein Gefühl eigener Beschämung in uns zurüecklassen. Oder volf der Schüler, wenn er von der Gerechtigkeit des Aristides, der Einfachheit des Epaminondas, der Heilighaltung des Eides durch Regulus, der Enthaltsamkeit des Scipio, der Uneigen- nützigkeit des Fabricius u. a. liest, nicht von Bewunderung erfüllt und zur Nachahmung begeistert werden, da er weiss, dass diese Tugenden nothwendige Früchte seines Glaubens und seiner festen, unerschütterlichen christlichen Ueberzeugung sind? Nichts fanden auch die Alten liebenswürdiger, als die Tugend und Rechtschaffenheit. Sie galt auch ihnen mehr als Geld und Gut, Ehre, Schönheit und Gesundheit.*) Darum verabscheuten die edelsten Geister des Alterthums jegliche Sünde und jedes Laster, das sie als solches er- kannten ¹³⁰), besonders den Frevel gegen die Gottheit und den Nächsten. Nicht selten lassen darum besonders die griechischen Tragiker, während sie dem Gehorsam gegen das göttliche Gebot und den erkannten göttliclten Willen menschlicher Willkür gegenüber das gebührende Lob spenden und wenigstens den moralischen Sieg zuerkennen 434), der Sünde und dem vermessenen Frevel die Strafe auf dem Pusse folgen.— Die PHlicht sitt- lichen Lebens, die Hintansetzung jedes Ver- mügens, jedes Vortheils, das Opfer selbst des Lebens, wenn die Pflicht es forderte; die— der Gerechtigkeit, der Jlässigkeit, des
¹²⁸) Die Götter selbst verwirren als Strafe der Sünde den Sinn der Menschen. Vergl. Soph. Ant. V. 600, 1029 u. 1160. ¹20) Pabst a. a. O.— 1s)§. die besonders schöne Stelle in Pindars 2. Olymp. Od. V. 56— 121. ¹2¹) Cic. nat. deor. 1, 44. Lael 8. De 39% 1, 19.— ¹¹⁰) Cic. de fin. 3, 9. de off. 3, 11. ¹*¹) S. UUrich, über die religiöse und sitiliche Bedeutung der Antigone. Hamburg 1853.


