dieser Schöpfer, diese Gottheit erschien auch ihnen als ein ungebundener freier Geist, rein von aller Verdichtung sterblicher Stoffe, alles erkennend, alles be d und selbst von nichts ausser ihr bewogt. ⁴) Ja selbst unter der Menge der zahllosen concreten Göttergestalten, welche der plastische Geist der Alten, der überall statt der Erscheinung die Ursache als schaffende Derodnliehkeit setzte, ging die Idee der Gotteinheit nicht ganz verloren, und der Begriff einer— nothwendigen Weltordnung, wenn auch oft in der krassesten Form, durchdrang das gesummte Bewusstsein der Alten und verklärte sich nicht selten zur reinen Idee göttlicher Vorsehung. Nichts kann dem Rechtschaffenen widerfahren, weder im Leben, noch im Tod, was ein Uebel wäre; nie werden seine Angelegenheiten von den Unsterblichen vernachlässigt. ⁴*⁴) Ist die Idee der Tüxe, ein Beweis für das Dascin dieser A ewnen Weltordnung; so ist Zeus das Bild eines unumschränkt und 212 en. Dharien, urch Macht und Awechen ie dach edarr öttliche Eigenschaften di igen Götter weit überragenden Wesens, dem Menschen 894 Gütter gehorchen und dessen Gewalt sie unterworfen sind. ¹¹³⁴) Selbst die geistige, dem Menschen unnahbare und unfassbare Natur Gottes tritt besonders in Zeus hervor, der mehr durch dic andern Götter mit den Menschen in Verbindung tritt. ¹⁶) oder nur in verhüllter Gestalt sich zeigt.— Dieser Idee von dem Wesen der Gottheit entspricht denn auch das Verhältniss, in welchem die Alten sich die Menschen zu den Göttern dachten. Zwar erscheint der Mensch nicht als Geschöpf der Götter; dennoch gewührt Zeus, der Vater der Götter und Menschen, der Herr des menschlichen Lebens, und auf seinen Befehl die übrigen Götter, alle Gaben von der Wiege bis zum Grabe. Ihnen verdanken die Menschen Glüick und Unglück ²¹), Weisheit und Verstand ²¹⁸); durch ihre Hilfe vollbringen die Menschen ihre Thaten. Daher das Gefühl der Abhängigkeit des Menschen von den Göttern. welches im Volksbewusstsein nie erlosch und bei den meisten griechischen Dichtern, be- sonders bei Pindar und den Tragikern, welche das Walten einer mächtigen ¹¹⁴), gerechten allwissenden ¹³⁰) Gottheit am deutlichsten hervorheben, bald mehr, bald minder auge. —— Aus dem Gefühl der Abhängigkeit von den Göttern, aus dem Bewusstsein, ihnen Alles zu danken, entsprang jener Zug von Frömmigkeit, welche, mochte sie auch oft und meist der rechten Innerlichkeit entbehren, doch, wie schon bemerkt, in der schöneren, bessern Zeit des Alterthums, alle Verhältnisse durchdrang, alle Handlungen und Unternchmungen weihte, so dass sie nie zu Rathe sassen, nie in Fen Krieg zogen, ohne ihre Hände zum Himmel erhoben zu haben. ¹²³¹⁴) Darum findet auch das Gebet, welches bei Homer ¹³²⁴) in den freundlichen Gestalten der ferat, den Töchtern des Zeus, personi- ficirt ist, bei Griechen und Römern seine sehr bedeutsame Stelle, so dass nicht selten bei einzelnen Schriftstellern der Griechen und Römer sich Gebete voll tiefen religidsen Ge- fühls finden. ¹²³)——2ʒ Aus dem Begriff einer höchsten Weltordnung, eines ewigen sittlichen Gesetzes, mit dem übrigens die Freiheit des menschlichen Willens, der zur wahren Sittlichkeit noth- wendig ist, sich geeint findet ¹²*⁴), sowie aus dem Bewusstsein eigner Schwachheit und sitt- licher Unvollkommenheit entwickelte sich das Gefühl der Schuld und Strafwürdig- keit, sowohl der einzelnen Persönlichkeit, als des ganzen Menschengeschlechtes; es knilpft sich daran die Strafe der Sünde, die dem ewigen Gesetz widerstrebt, besonders des Hochmuthes und des Frevels gegen die Götter. ¹2³) Darum finden wir in unzähligen Bei- spielen als Folge der Sünde die Gewissensqual, die ohne Sühne nicht endet, Nachtheile an Gesundheit, Ehre und Vermäögen, vor Allem den Verlust des Wohlgefallens der Götter
¹) Cie Thusc. 1, 27.— ¹¹,) 4h. 1, 41.—) flem. fI. 15, 104— 205. NYergl. 19, 2b8 und viele andere Stellen.— 1⁶) Hom. II. 15, 255.— 11.) Soph. Ant. 158.— ¹¹½) ib. 660. deor uouan 2„9(0004⸗ Gofras.— 11) 1b. 570.— 1²⁰) Ib. 180. Zeds ν 365²G det. Vergl. Pindar 1 Olymp. Od. V. 64:* dε ⁴ϑν νz ς merat ³ 2ανρσέιηνμκ εοσαdͥο, duagrdrε.— ¹³⁵¹) S. Lübker a. a. O.— ¹*2) I7. 9, 502. Ueber die Gebete der Griecken und Römer s. die gediegene Abhandlung in E. v. Lassaulx's Studien des klass. Alterthums. Regensb. 1854. p. 137— 156.— ¹*) Cie. pro dom. c. 57. 152) flom. Od. 1, 7: Adrol„do dopertonduν draονρ⁴εeναm ‿‿οντe und V. 17: T oi nενddueντο εαν ο⁴ ⁴ εεαννα. ¹*) Soph. Aut. 125 ff. 3—


