Aufsatz 
Über die klassischen Studien auf Gymnasien vom christlichen Standpunkt
Entstehung
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Omnia formosis vix possent condere cantis, Ataue suum celebre huie duplicare melos*)

Auch kannte der hochgebildete Verfasser der Fita et Martyrium Aruoldi Mog. den Sallust und Virgil**); der Verfasser der Vit. Ludeuwici eomitis de Arnstein den Persius, Horaz, Ovid, Claudian u. a.**)

Der letzte Beweis endlich für die Beschäftigung und das Studium der Klassiker im Mittelalter sind die Bemühungen der Geistlichen, Mönche und Bischöfe für die Erhaltung und Vermehrung der wissenschaftlichen Schätze des Alterthums durch F. erufuns und An- kauf von Handschriften und durch Anlegen von Bibliotheken. Dass nämlich, wie man häufig einwenden will, die Mönche in der grösseren Mehrzahl mechanisch, zum blossen Zeitvertreib und ohne Kenntniss der Sprachen, abgeschrieben hütten, dieses anzunehmen, verbieten eben sowol die vielen Glossen in den Handschriften, sowol Interlinear- als Randbemerkungen, als die aus vielen andern Zeugnissen bekannte, namentlich auch durch die vielen handschriftlichen Schätze bewiesene Gelehrsamkeit und Lchrerthätigkeit der Klostergeistlichen. Vor allen sind es die Schätze in München und Wien, welche für den betreffenden Fleiss der bairischen, österreichischen und schweizerischen Klöster ein glänzendes Zeugniss ablegen.**) Schon im achten Jahrhundert schrieb der bereits er- vähnte Lupus, Abt von Ferrières, der beste Lateiner seiner Zeit, in ganz Europa nach Manuskripten der Klassiker aus, um sie zu kopieren und die seinigen darnach zu korrigieren. Er bittet Eginhard in Seligenstadt um Cicero de oratore und den Gellius, den Bischof IHeribod um Cusars Commentarien; den Ansbald um Ciceros Briefe; den Mercuade, Abt von Prom, um den Sueton; den Pabst Benedict III. ausser Anderem um den(Quintilian, um Donats Commentare zum Terenz, um Sallust und Ciceros Reden gegen den Verres.*) Auch nach Fulda wandte er sich mit ähnlichen Bitten. ¹)

Der Abt Gerbert setzte nicht bloss Bischöfe und Mönche in Bewegung, sondern ver- wendete auch vieles Geld zum Ankauf von Handschriften. In seinen Briefen finden sich Bitten um Sueton, Plinius, des Cicero Rede pro Dejotaro, die Achilleis des Statius ³²) u. 8. w. In einem Brief an den Abt von Fleury, den er zum Besuch nach Reims einläd, schliesst er mit den Worten, er möge nicht vergessen, Ciceros Schriftde republica und seine Reden gegen Verres mitzubringen. Achnliche Bemühungen sind von Lonfranc. Erzbischof von Canterbury im 11. Jahrhundert, und Egidius, Abt von M. Casino(Urban III.) bekannt. Diese und andere Bestrebungen und als Folge derselben die Menge oft trefflicher Handschriften aus dem 9., 10. und 11. Jahrhundert, ohne die unsre Philologen sicher des Theils ihres gelehrten Ruhmes entbehren müssten, beweisen, dass in derZeit der Barbarei für Erhal- der klassischen Schriften wol mehr gesorgt. worden ist, als in den letzten Zeiten des Alterthums selbst. So bestand denn zwischen den Klöstern der verschiedenen Länder ein literarischer Verkehr, der um so traulicher, innerlicher war, als man die äussern Mittel der Vervielfältigung und Verbreitung, die uns zu Gebote stehen, nicht hatte. Dadurch entstanden die Klosterbibliotheken, über deren Schätze besondere Verzeichnisse angefertigt wurden. ³²) Ein Kloster ohne Bibliothek galt

. o So werden in der Fit. alae.(. II p. 536) Virgil und Horaz; in Thegans Fit. Ludu,(ib. p. 600) Homer, Virgil und Ovid; in Walafrids Vorrede dazu(ib. p. 643) Cicero, Livius, Cato, Plato, Sappho: in den get. abb. Fontanelli(ib. p. 284) Cüsar; in der Fit. S.(ib. p. 412) Sallust; in den Translat. §. Alexandri(ib. p. 614) Tacitus erwähnt; in Ekkardi II. cas. S. Galli(ib. p. 614) mit Bezug auf Iuv. sat 10, 122 die Stelle aus Cic. Cat. I.o tempora, o mores! angeführt und beigefügt:ubi cum Tullio meliori quidem ipse 1 i potuerit metro: o fortunatam Galli, me conzule, cellam! Endlich wird in Othlos Fit. S. NWom.(12. Jahrk.)(ib p. 358) von der einseitigen Nachahmung Ciceros gesprochen.

) Boehmer. Fontes III.. 275, 285 und 296.

¹³) ib. p. 326. Vergl. auch Priedemann in den Annalen des nass. Alterthumsvereins 4. Bd. 2. Heft.

**) v. Raumer, Einfluss des Christenthums.

¹0) Ep. 104 und 105.

*¹) Bach, über Rhab. Maurus, Progr. v. Gymn. zu Fulda.

*²) Gerb. epist. ap. Duckesne II. pr. ser cp. 7, 9, 40, 130 u. a. Vergl. auch Richeri hist. a. a. O. bei Pertz V. p. 617.

*) Ein Fragment eines Verzeichnisses der Bibliothek zu Bobbio, wo Gerbert gleichfalls Lehrer war, theilt Muratori(antig. italicae dias. 43) mit: Es werden darin ausser den wichtigsten damals gebräuchlichen grammatischen Schriften Virgil, Lucan, Iuvenal, Martial, Persius, Horaz, Claudian, Sedulius, Ovid, Luerez,