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als eine Burg ohne Rüstkammer.*⁴²) Die einzelnen Schulen mussten auch schon deshalb ihre eignen Exemplare der Klassiker besitzen, weil die Lehrer, bei ihrem Wandern aus einem Kloster ins andere, die Handschriften so weni„ als etwas Anderes, mitnehmen durften: ein Umstand, welcher der Verbreitung und ſermehrung der Handschriften we- sentlich förderlich war..
Gilt nun die vorliegende Darlegung vorzu ise der römischen Sprache und Literatur, und wollte man somit auf eine bedeutende Uucanacden n mit der griechischen Literatur, auf eine Vernachlässigung derselben in den Schulen schliessen; so kann allerdings nicht geleugnet werden, dass seit der Trennung des Römerreiches und wegen des nach und nach immer schroffer werdenden Gegensatzes von Morgen- und Abendland allerdings in letzterem nicht die gewünschte Rücksicht und Aufmerksannkeit auf die griechische Literatur verwendet wurde. Mochte doch unter damaligen Einflüssen, Bestrebungen und Zuständen eine grössere Pflege der griechischen Literatur ezu fast unmöglich sein, da man sich die Mittel dazu nur schwer oder gar nicht len konnte. Hat ja das Morgenland in Bezug auf die römische Literatur nur eine gi iche Unbekanntschaft aufzuweisen. Da- gegen lässt sich deutlich erweisen, dass eine ernachlässigung des Griechischen im Abend- land, wie sie gewöhnlich angenommen wird, niemals stattfand. Mit Bezug darauf noch Folgendes: Die allgemein im Römerreich schon zu Ciceros Zeit*³) verbreitete griechische Sprache und Bildung brachte es mit sich, dass das Christenthum vorzugsweise durch diese auch im Abendland vermittelt wurde, zumal die ersten Christengemeinden sich in solchen Städten bildeten, in denen, als griechischen Pflanzstädten oder als grossen Handelsplätzen, griechische Bildung vorherrschte und griechische Wissenschaft blühte. Waren ja die neu- testamentlichen Schriften ursprünglich und die Rundschreiben der ältesten Päbste in grie- chischer Sprache geschrieben, und selbst Tertullian, der sich zuerst der lateinischen Sprache bediente, sah sich genöthigt, um leichteren Eingang zu finden, einige Schriften in griechi- scher Sprache herauszugeben. ³⁶) Erst im dritten und vierten Jahrtrundert ward besonders seit Constantin die lateinische Sprache allgemeine Kirchensprache im Abendlande, ohne dass darum das Griechische ganz verdrängt worden wäre, wie denn viele Spuren desselben auch heute noch in den liturgischen Büchern sichtbar sind. Auch das erhältniss der abendländischen zur morgenländischen Kirche machte die Kenntniss des Griechischen für den Klerus im Abendlande zum theilweisen Bedürfniss. Darum wurde dasselbe auch in den Schulen stets bald mehr, bald weniger betrieben, wenn gleich das Lateinische in mehr als überwiegendem Vortheil war. ³*) Dies erhellt aus den oben, wenn auch sparsam er- wähnten griechischen Schriftstellern, die in den Schulen behandelt wurden. Daus Karl M. griechische Lehrer in mehrere Schulen berief, ist schon erwäühnt. So war z. B. die Schule zu Osnabrück ausdrücklich für griechische und lateinische Literatur von ihm bestimmt. worden. ³) Dass Rhabanus, also wol auch Alcuin, das Griechische verstand, ist aus dessen
Cicero u. a. genannt.— Als andere reiche Büchersammlungen in Frankreich werden erwähnt die von St. Germain de Pres zu Paris, die zu Chartres, welche im eilften Jahrhundert unter Abt Fulbert am reichhal- tigsten war; die von St. Benignus in Dijon, besonders die von St. Coreux in Lisieux. In Deutschland fanden sich grosse Bibliotheken zu Hildesheim, gesammelt von H. Bernward, zu Herford, zu Corwey(welche uns die zwei ersten Bücher von Tacitus Annalen erhalten hat), die zu Hirsau, welche noch im eilften Jahr- hundert vom Abt Gebhard bedeutend vermehrt wurde(S. Chron. Hirs. ad an. 1091), die von Strassburg, vermehrt vom Abt Werner. Das Kloster Lüneburg besass zwei Bibliotheken, Benediktbeuren besass unter seinen 287 Bänden die meisten röm. Klassiker; ebenso St. Michael bei Bamberg; Reichenau unter seinen 500 Werken in 256 Bänden die seltensten alten Schriftsteller, auch den Homer; die Abtei Glastoneburg zühlte um 1248 über 400 Bände. In der Abtei Croyland verbrannten am Ende des eilften Jahrhunderts an 3000 Bücher. Sicher würden der Schätze weit mehr sein, wenn nicht durch die Einfülle der Ungarn in Deutschland, der Normannen in Frankreich, der Dänen in England so viele Klöster zerstört und ihre Besitz- thümer verbrannt worden wären. S. Hurter, Innozenz III. Bd. 3. Hamb. 1843.
—2) Claustrum sine armario quasi castrum sine armamentario.
5³) Cie pro Arehia. c. X.§. 23.
*⁰) S. Hölscher, das deutsche Kirchenlied. Münster 1848.
**) Hat doch selbst Melanchthon noch das Griechische für überflissig erklärt. S. Seebodes N. Archiv für Philol. u. Pädag. I. Jahrg. 5. u. 6. Heſt. 1826. S. 64.
⁵s) In einem Capitular bei Baluzzi I. p. 419 heisst es: Et hoe ea de eausa statuimus, quod eodem loco graecas et latinas seholas in perpetuum manere ordinavimus, et nunquam clericos utriuscue linguue peritos ibi defuturos esse Dei misericordia confidimus. Vergl. Hecren a. a. O.


