Abt Gottfried, ein Zögling des Klosters zu Fleury, den ÜUnterrichtsplan des Kontinent- einführte und der le und Wissenschaft neues Leben verlieh.— Somit schen wir denn einen Kreislauf der klassischen Bil durch die verschiedenen Lünder Europas vom achten, ja vom sechsten bis zum zwöl Jahrhundert vor uns und zwar ausgegangen von der Kirche und unter ihrem Schutze geleitet, wir sehen immer und überall die Kas- sische Bildung als die age der Jugenderzichung.
Zwar kann es nicht die Aufgabe eines Gymnasialprogramms sein, die ganze Ent- —— der klassischen Studien vor Augen zu führen. Nur auf einen Mann werde noch hingewiesen, der im zwölften Jahrhundert dem Sinken der klassischen Studien, welches j aus verschiedenen Ursachen allmühlich einzubrechen drohte, durch seinen
— Geist, seinen durchdringenden Verstand und seine riesenhafte Gelehrsam- wndheit gleichsam Halt zu gebieten schien. Es war Johann von Salisbury(† 1180 als Bischof von Chartres), in Paris unter trefflichen Lehrern und nach der Methode
von Chartres ⁵*⁶) gebildet wurde. Er, dessen Geist in seinem Schüler Peter
von Blois fortlebte, hatte alle Werke der Alten nicht bloss gelesen, sondern sich so zu
eigen gemacht, dass seine Schriften mit Stellen der Alten— durchwebt sind*) Die
ischen Schriften von Priscian, Donat, Servius, Isidor, Beda, Cassiodor dienten ihm beim
terricht; Quintilian, Cicero, Seneca, Cäsar gebrauchte er als Belege; Horaz und Virgil
waren die Muster der Dichtkunst; Justin, Josephus, Sueton, Hegesippus, Curtius, Livius, Tacitus u. a. zur Lektüre. ²³)
Das Band aber, welches diese Schulen der verschiedenen Länder verknüpfte, welches die Wissenschaften einigte und die Lehrer geeignet machte, in allen Schulen Europas Unterricht zu ertheilen, war die lateinische Sprache, die im Gegensatz zu der ver- wilderten Mundart der romanischen Völker und der in der Entwicklung begriffenen Spra- chen der übrigen bei Gelehrten und Gebildeten fortlebte und gar nicht als eine todte be- trachtet wurde. Sie war die Sprache der Kirche, der Wissenschaft, des Unterrichts und der Politik. Durch sie blieben die Völker des Mittelalters mit dem Alterthum geeinigt und befühigt, von dessen wissenschaftlichen Schützen Gebrauch zu machen. Wurde sie auch im Laufe der Zeiten verändert, durch neue Begriffe, Ausdrücke und Wendungen bereichert, ja konnte sie sogar einer bedeutenden Abweichung vom Klassischen sich nicht erwehren; so wurde doch das Klassische der alten Schriftsteller um so weniger vernach- lüssigt, als man sich dieser Abweichung als einer unvermeidlichen Nothwendigkeit wohl bewusst war. ²*) Darum sind denn auch die literürischen Erzeugnisse des Mittelalters in allen Zwei ein unwiderleglicher Beweis für die Pflege und Förderung, welche die Kirche in— zeichnetsten Gliedern und Dienern den klassischen Studien angedeihen licss. Es ist nicht hier der Ort, die reiche Literatur der einzelnen Wissenschaften zu er- wühnen, und verweise ich deshalb auf Ritter, Bähr, Böhmer u. a.)
Dass aber im Besondern die philologische Seite der Wissenschaft nicht vernachlässigt wurde, geht zum Theil schon aus einzelnen Andeutungen hervor. Im Griechischen ge- schah nicht Unbedeutendes durch Verfertigen von Glossarien und Etymologien, ich erinnere bloss an Suidas, Eustathius. Die lateinischen tischen Schriften Priscians, Fulgentius, die Encyklopädie Isidors, die Schriften von Beda, Alcuin, Rhabanus; die Glossae Keros von St. Gallen, Notkers, Gallius, Aelfrids, das lexikalische Werk des Papius und viele andere zum Theil noch gar nicht gedruckte Schriften beweisen eine nicht geringe phi- lologische Thütigkeit. Den gesammten Kreis des Wissens am Schluss des neunten Jahr- hunderts—— uns das nach dem Abt Salomon III. von Constanz und St. Gallen genannte encyklopüdische Wörterbuch„glossae Salomonis“ in lateinischer Sprache, worin
²⁰) Diese Methode schildert er selbst in seinem Me talogicus I. c. 24.
¹*¹) Aus seinem„Polycraticus“ liegen mir im Excerpt mehr denn fünfhundert Stellen oft von sehr, bedeutendem Umfang aus allen römischen Dichtern und Prosaikern von den frühesten bis spätesten Zeiten vor.
4*) Ueber die Entwicklung der klassischen Studien verweise ich im Allgemeinen auf Heeren, Ge- schichte der kl. Litteratur im Mittelalter. Göttingen 1822. 2 Thle.
2*) S. Raumer, Einwirk. d. Christenth. p. 163. Vergl. August. doctr. ehrist. II., 11— 15.
¹9) Ritter, christl. Philosophie. Hamburg 1844. 8 Bd.— Bähr a. a. O.— Böhmer, Fontes rerum gJerm. Stuttgart 1845. 2ter Bd. p. VI.


