Aufsatz 
Über die klassischen Studien auf Gymnasien vom christlichen Standpunkt
Entstehung
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sonders die Nachahmung Ciceros, Catos, Plautus u. a. empfahl; des Sidonius Apolli- naris, Bischofs von Clermont, in dessen Dichtungen und Briefen, Nachahmungen des Horaz und Plinius, sich das ganze Leben und Denken seiner Zeit(5. Jahrh.) abspiegelt; endlich des Prudentius(noch im 4. Jahrh.), den Sidonius und in neuerer Zeit Bentley(ad Horat. I. II. Od. 2, 15) wegen seiner Gewandtheit in Form und Darstellung mit Horaz vergleichen.

Was aber die Zeit nach dem Untergang des abendländischen Römerreiches angelht,

aber zugleich auch die in hohem Moasse eingetretene Entartung in

In dem Lehrplan des afrikanischen Rhetors Marcianus Capella,**) der beim Un- tergang des römischen Reiches auf dem Höhepunkt römischer Prudition stand,*) waren die ersten fünf Jahre dem Studium der Grammatik, Dialektik und Rhetorik, d. h. in der Sprache jener Zeit und des ganzen Mittelalters, dem Studium der alten Dichter, Philosophen und Redner gewidmet. Auch in dem Lehrplan Cassiodors( 569), des berühmten Ge- heimsekretärs Theodorichs, des Ostgothenkönigs, bildeten die klassischen Autoren die Grund- lage des gesammten Unterrichtes. ²⁹) Er, der noch als siebenzigjähriger Greis im Kloster sich bestrebte, die klassischen Studien zu erhalten und mit chrislicher Bildung zu verei- nigen, vertheidigt die alten Autoren mit folgenden Worten:Niemals haben die h. Vuter es unternommen, die heidnischen Schriftsteller zu verbannen, weil sie ein so treffliches Hilfsmittel zum Verständniss der h. Schrift sind. Viele Väter sind, in den heidnischen Wissenschaften unterrichtet, dem Gesetze Gottes treu geblieben und zu wahrer Weisheit gelangt.« Und unter Erwähnung der Stelle des h. Augustin, de doetr ehrist. II. 60, und des Beispiels Mosis, der ebenfalls in den ägyptischen Wissenschaften unterrichtet ge- wesen, fährt er fort:Ahmen wir sie also nach und lesen wir mit grosser Klugheit, aber mit unablässigem Eifer, die heiligen und die profanen Schriften.* ⁵⁰) Nichts ist also sicherer, als dass auch im Laufe des fünften und sechsten Jahrhunderts die heidnischen Sehrift steller in den Hünden der Jugend zum Zweck ihrer Wissenschaftlichen Ausbildung waren.

Was nun die im Geiste des heil. Basilius errichteten Klosterschulen, in denen natür- lich vorzugsweise die griechischen Schriftsteller benützt wurden, für das Morgenland waren,

2) Sämmtliche Werke. Wien 1846. 1 Bd. p. 200.

*) S. auch R. v. Raumer, Einwirkung des Christenthums auf die althochdeutsche Sprache. Stuttgart 1845. p. 163. und Eichendorff, zur Geschichte des Dramas. Leipzig 1854. p. 76.

**) Mare Cap. Satyricon. ²³) S. Bernhardy, Grundlinien zur Encyklopädie der Philologie.) De artibus ac disciplinis liberalium artium. ⁴⁰) De institutione divinarum literarum c. 28.