hältnissen und bei so beschränkten Mitteln, wie im Mittelalter, möglich war, unterstiitzt und in Schutz genommen. Ihre ausgezeichnetsten Glieder im Priester- und Laienstande, vorzüglich im ersteren, waren in klasische Wissenschaft tief eingeweiht; ihre vorzu
lichsten Institute haben die klassischen Studien nicht bloss an sich betrieben, sondern sie auch in den christlichen Schulen weiter verpflanat— ein Umstand, dem wir fast allein
die Erhaltung der wissenschaftlichen Schütze des Alterthums verdanken.
Noch in der griechisch-römischen Zeit haben die christlichen Jünglinge die gelehrten Schulen der Heiden besucht, oder sind in eigenen Schulen in den Schriftstellern der Heiden unterrichtet worden. Schmerzlich berührte darum die Christen das Gesetz des Kaisers Julian, des Apostaten, welches den Christen, um sie zu verderben, ihre Kinder in den heidnischen Schulen und in den heidnischen Schriftstellern unterrichten zu lassen verbot; ³*) und alsbald nach Julians Tod führten sie darum dieselben wieder in ihren Schulen ein, nachdem sie sich vorher einstweilen mit Erzeugnissen, welche nach dem Muster der Alten gefertigt waren, hatten beugen müssen. ³⁴) Alle Väter, selbst diejenigen, die wir oben theilweise als Gegner der iker kennen gelernt haben, verkennen nicht bloss nicht den Werth derselben für den Jugendunterricht, sondern waren auch meist selbst ausgezeichnete Kenner des Alterthums. So erklärt der heil. Basilius in seiner Schrift über die Lektüre der Schriften der Heiden,*) dass, weil das Geistesauge der Jünglinge noch zu schwach sci, um in die Tiefe der heil. ift einzudringen und die Wahrheit zu erkennen, dieselben die alten Autoren lesen sollten, in welchen die Wahrheit wie in einem Spiegel wieder- strahle und sie an das stärkere Licht gewöhne. Durch Hebung des Geistes, deh Bildung des Herzens und durch Bereicherung an Wissen könnten sie sich zum Studium der heil. Schriften vorbereiten. Denn keiner, sagt er an einer andern Stelle, ²⁰) könne die heil. Schrift verstehen, welcher der weltlichen Gelehrsamkeit unkundig sei. Gregor von Nyssa*¹) nennt darum die weltliche Gelehrsamkeit eine Mitgift, welche viele in die Kirclie mit- bringen, um mit ihr das Heiligthum derselben zu schmücken. Gregor von Nazianz aber erklürt in der Leichenrede auf den heil. Basilius die Gegner der— Studien als Feinde der Wissenschaft, als kurzsichtige Menschen, die unter der allgemeinen Barbarei ihre eigene Unwissenheit verbergen wollten. Wer möchte oder könnte darum bezweifeln, dass zur Zeit des heil. Basilius und der beiden Gregore das heidnische Alterthum die Grundlage der wissenschaftlichen Studien bei den Christen unter dem Schutze und der Bülligung der Kirche gewesen sei?— Augustinus aber(T†⁵ 430), der einen Cyprian, Lactanz, Victorin und Hilarius wegen ihrer gelehrten Bildung preist,*²) ermuntert die christliche Jugend zum Studium der heidnischen Schriften besonders wegen des Nutzens für die heilige Wissenschaft. Bezeugt er doch selbst, durch Ciceros rift:„Hortensius“, die er als Jüngling gelesen, sei der Grund zu seiner Bekehrung gelegt worden.*³)— Dass die klassische Pldung unter den Christen jener Zeit allgemeiner war, als man gewöhnlich annimmt, ja dass um das Ende des vierten und den Anfang des fünften Jahrhunderts das Studium der alten Klassiker grade durch christliche Schriftstelfer einen erneuerten Aufschwung nahm, beweisen die Erzeugnisse eines Iuvencus, ¹) eines Ausonius(† 362), dessen Idyllen sich durch Einfachheit und kunstvolle Sprache auszeichnen; des Sulp. Severus (um 400), des Claudianus Mamertus in der Mitte des fünften Jahrhunderts, der be-
) Juliani Py. 42. Opp. t. I.„. 422 ed. Spanh. u. ed. Petau. 1. II.„. 192— Veber dieses Edikt, welches selbst der Heide Ammian. Sre. 22, 10 durum et inclemens nennt, érheben christliche Schriftsteller laute Klagen. Gregor von Nazianz(orat. 5. p. 176 ed. Bened.) wünscht, dass man zur ewigen Schmach dieser Grausamkeit eine Schandsäule errichte, höher als die Säulen des Herkules.— Auch der heil. Cyrillus, Erzbischof von Alexandria, nimmt(contra Julian. III.„ 230 ed. Spankh.) die Beschäftigung der Christen mit den Alten dem Julian gegeniber in Schutz; und Augustinus(de eiv. dei 18, 52.) sagt darüber: Deinde quid respondent de Juliano, quem non numerant in decen? An ipse non ecelesiam persecutus, qui Chri- stianos liberales artes docere et discere vetuit?.
²⁸) Vergl. Sokrates Geschichte der christlichen Kirche 1, 12— 16.— ³⁸) S. Basil. Aom. 24. r ioue, ömcos&r 2ꝛ ⁴ ᷣdQ νηνκνυ dεioro 16.— ¹⁰) S. Basil. reg. fus. 15.— ²²) Fit. Moys.—
¹2) De doetrin. ckrist. II. 60.—*³) Confeas. III. 4.
*¹*) Vergl. Bähr Geschichte der röm. Lit. und Gräfenhan a. a. O. IV. p. 23.
2


