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deutlichen Spuren der Offenbarung die Ueberzeugung von der ewi Wahrheit derselben gekräftigt,— aber auch die Gränze bezcichnet wird, über— hinaus rein mensch- liche Erkenntniss nie zu kommen vermag; und der Grad gemessen wird, welchen die bloss natürliche Tugend nie übersteigen kann. n——
Endlich sei noch kurz der übrigen Vortheile gedacht, welehe durch die Lektüre der alten Klassiker gewonnen werden. Eine Menge von Anschau n. Ideen,— Kenntnisse über Wesen und Eigenthümlichkeit, über Sitten— über Gesetze und Verfassung, über öffentliches und privatliehes Leben, über religiöse und sittliche Zu- stände nicht blos der Griechen und Rümer selbst, sondern auch der mit diesen in irgend einer Beziehung stehenden Völker, führt das Studium der alten Sprachen unserm Geiste zu und bereichert ihn mit einem Schatze von Wissen, das um so festeres und sichereres Eigenthum bleibt, mit je grösscrer Anstrengung es erworben wurde; und eröffnet uns eine nie versiegende Quelle geistiger Genüsse, sowie reichlichen Stoff für Sprache und Schrift, für angenechme Unterhaltung wie für wissenschaftliche Forschung. Wie leicht erfasst der in den klassischen Sprachen Gebildete andere, zumal die aus— lateinischen hervorge- gegangenen Sprachen; wie sehr weiss er die eigene Mutters he in ihrem innersten Leben so recht zu verstehen, zu würdigen und zu sc ätzen?— Vortheil, der dem Kenner der alten Sprachen in dem leichten Verständniss wissenschaftlicher Terminologien und Ausdrücke erwächst, will ich als unbedeutend gar nicht in Anschlag bringen, obgleieh auch er von Manchen als nicht gering betrachtet wird.
Eine weitere Ausführung eines Satzes, der bei allen denkenden Munnern aller Zeiten- und Nationen zum Axiom Seworden, dass nämlich ohne die Grundlage der klassischen Sprachen keine tüchtige formale Geistesbildung, keine richtige und volle Erkenntniss und Würdigung der geschichtlichen und sittlich-religiösen Entwicklung des Menschengeschlechtes, keine Einsicht in den Weltplan Gottes, keine gediegene Vorbereitung für Kunst, Wissen- schaft und wissenschaftlichen Beruf möglich sci, halte ich um so weniger für nöthig, als darüber schon so viel Treffliches von Andern ³⁴) gesagt worden ist, und bis jetet nichts Anderes gefunden wurde, woran sich der Geist der Jugend auf gleiche Weise und mit besserem Erfolg zu üben vermöchte. Wird doch dié Nothwendigkeit der klassischen Studien an den Gymnasien selbst von solchen Männern anerkannt, welche, wie Ratzeburg u. a. sonst für die Naturwissenschaften entschieden auftreten. 2⁵) 1
Dass nach dem Erörterten die Kirchenväter und Kirchenschriftsteller, ungeachtet ihres hohen Werthes und ihres erhabenen Inhaltes, gleichwohl weder der Form noch dem In- halte nach dem erwähmten Zweck bei der J ugenderziehung vollkommen entsprechen können, ist leicht erweislich. Denn was die Form betrifft, so fehlt ihnen, da ihnen der Inhalt Alles war, obgleich manche unter ihnen einen ganz guten Stil, eine nicht zu verachtende Latinität und einen hohen Schwung der Gedanken besitzen, doch die vollendete Pafähruuf der künstlerischen Form, und zwar in den verschiedenen Stilgattungen. Dem Inhalt nac aber sind sie der grösseren Mehrzahl nach noch weniger ausschliesslich für den Jugend- unterricht gecignet; da die meisten entweder die christliche Wahrheit dem Heidenthum gegenüber in erhabener Spekulation enthüllen oder die Verirrungen der Sekten in ihrer Unwahrheit darlegen. Bei dem ausschliesslichen Gebrauch der Kirchenväter würde also den Jünglingen zu viel zugemuthet werden, wenn man von ihnen verlangte, sich fortwährend, zu Nau und in der Schule, mit religiösen Dingen zu beschäftigen, religiäse Anschauun und Gedanken in sich auf2zunchmen. Der Geist müsste nothwendig bau für das Religiöse überhaupt abgestumpft werden.— Darum hat denn auch die Dhristhehe irche mit Mässig- ung un Einsicht in ihren Schulen von den Schriften der Kirchenvüter zwar gerne Ge- brauch gemacht; aber ganz besonders die Lektüre der heidnischen Klassiker, weit ontfernt, dieselbe zu tadeln oder zu verdrängen, stets als ein wesentliches Mittel zur Förderung wissenschaftlicher Bildung empfohlen und, soweit dieses unter den oft ungünstigen Zeitver-
³2) Vergl. Jakobs, vermischte Schriften. VI. pag. 341.
²⁵) Vergl. Ratzeburg, die Naturwissenschaft als Gegenstand des Unterrichts. Berlin 1849.
²⁰) Vergl. die ausführliche Darlegung dieses Satzes in Karl, die alten und die neuen Schulen. Mainz 1846. pag. 60 f.


