Aufsatz 
Über die klassischen Studien auf Gymnasien vom christlichen Standpunkt
Entstehung
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kirchlichen Bekenntniss, die Jugend zu bilden und zu erziehen.**) Eine weitere Folge war das Entstehen einer Menge wissenschaftlicher iften und Abhandlungen in Frankreich und Deutschland, welche den berührten Gegenstandk zum Inhalt haben,*) und von denen einige eine vermittelnde Richtung einschlagen, welche dahin geht, neben den klassischen Autoren und ohne wesentliche Beschränkung derselben, auch einzelnen ausgewählten Schriften der Kirchenväter, die dem jugendlichen Bildungs- und eiehunfszauee entsprechen, als einer zeitgemi Lectüre aus wissenschaftlichen und pudagogischen Gründen Ei an den 3 ien zu verschaffen. Für diese Ansicht wurden auch Stimmen auf dem Elberfelder Kirchentage laut. Ich meinerseits trage kein Bedenken, zu gestehen, dass ich die Gründe, welche gegen diese Ansicht anführt, bei aller Anerkennung, die ich seinen Gesin- nungen im Allgemeinen zolle, keineswegs für Fngend erachte, am wenigsten den, dass wir die desshalb nicht brauchten, weil wir die Bibel hätten: dass ich mich vielmehr der Ansicht von Hofmann, Karl Auer, Buss, Landriot, Lenormant(in mehreren Aufsätzen imCorrespondent zuletzt im Augustheft 1854) Daniel wenigstens in so weit anschliesse, dass ich die Kirchenväter als trefflichen Stoff für die Privatlectüre ²²) unter gehöriger Leitung erkläre. Es ist jedoch nicht meine Absicht, die Gründe, welche für diese Meinung

rechen, hier auseinanderzusetzen; vielmehr will ich nach dieser das Geschichtliche der

treitfrage kurz crörternden Einleitung in Folgendem zunächst entwickeln, warum die alten Klassiker das Fundament unserer Gymnasialbildung bleiben miüssen; zweitens, dass sie von

²¹⁰) Am nachdrücklichsten und erfreulichsten geschah dieses, nachdem der Regierungsrath Landfermann auf dem Kirchentag zu Elberfeld auch für Katholiken beherzigenswerthe Gedanken ausgesprochen hatte, auf der Philologenversammlung zu Erlangen, wo in der zweiten Sitzung der püdagogischen Sektion die von dem Vorsitzenden Ephorus Bäumlein aufgestellten Sätze über das Verhältniss der klassischen Literatur zum Chri- stenthum von Katholiken und Protestanten einstimmig angenommen wurden. Ich erlaube mir nur zwei Sätze daraus hervorzuheben:

1. Da uns die Kirche die Segnungen des Christenthums vermittelt, so schliesst die Liebe zum Christenthum auch die Liebe zur Kirche in sich, der wir das Christenthum verdanken: der Lchrer kann die Kirche nicht ignoriren, er kann sich nicht von ibr eigenmäüchtig lösen, ohne besorgen zu müssen, dass das Band mit dem Christenthum selbst gelöst werde.

2. In der gelehrten Schule soll der christliche Glaube das Leitende, die Scele, das Her⸗ des ganzen Unterrichts sein, er soll die Norm sein, an welcher das Andere, seine Be- deutung für das innerste Leben, gemessen wird.

* 1 Folge der Angriffe gegen Gaumes Ansichten erschienen von ihm selbst: Lettres sur le Paganisme dansz Péeducation 1852. Ins Deutsche übersetzt von Reiching. Regensb. 1854. Dagegen unterwarf Abbé Landriot, Generalvikar von Autun, der schon denver rongeur in seinen recherches historiques sur les ccoles littéraires du christianisme, suivies d'observations sur le ver rongeur. Paris. Julien. Lanier et Comp. zu widerlegen gesucht, jene neueste Schrift Gaumes einer eingehenden Kritik in seinem Examen critique des lettres de M. Pabbé Gaume sur le Paganisme dans l'éducation. Paris chez les mémes. Die wichtigste Schrift ist übrigens unstreitig von P. Ch. Daniel s. j. Des études elassiques dans la sociéte chrétienne. Paris 1853. ckez les mémes. Sie erfasst den Gegenstand historisch und führt ihn von der ältesten Zeit his auf die neueste an der Hand der Geschichte durch und widerlegt Gaume, ohne ihn zu nennen, durch geschichtliche Beweise. Leider ist mir diese Schrift, welche auch in den Hist. pol. Blättern gebührende Anerkennung fand(Bd. 34) erst nach dem Schlusse meiner gegenwärtigen Abhandlung zur Hand gekommen, so dass ich nur noch geringen Gebrauch von ihr machen konnte. Aus Deutschland sind mir bis jetzt bekannt geworden:

Herbst, das klassische Alterthum in der Gegenwart. Leipzig 1852.

Buss, Reform der kathol. Gelehrtenbildung in Deutschland. Schaffhausen 1852.

Auer, die Kirchenväter als nothwendige und zeitgemässe Lektüre in den Gymnasien, vom wissenschaft- lichen und üsthetischen Standpunkt. Wien 1853..

Hoffmann, Dr., Anzeige desnagenden Wurms, Jahrb. für Phil. und Pädag. Bd. 67. Heft 1. Vergl. dessenChristenthum oder Heidenthum. Neisse 1848.

Geier, Dr., Ein Wort über die Homerlektüre in ihrem Verhältniss zur sittlich-religiösen Bildung und christlichen Jugenderziehung auf unsern Gymnasien, in Mützell's Zeitschrift für Gymn. 1853. Juli u. Aug.

Dietsch, gegen Geier, in Jahrb. für Phil. und Pädag. Bd. 68. Heft 5.

Mezger, die Klassiker und die Kirchenväter in den Gymnasien, in Magers Revüe, April 1854. pag. 145.

Gladisch, die Religion und die Philosophie in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Breslau 1852.

Aus früherer Zeit gehören hierher: t

Karl, die alten und die neuen Schulen. Mainz 1848.

²*) Damit strebsame Schüler in diesen Schatz des christlichen Alterthums eindringen und somit den christlichen Inhalt mit der aus dem Heidenthum gewonnenen schönen Form vereinigen könnten, sollten da- rum passende Handausgaben der besten Schriften der Kirchenväter und wenigstens eine oder die andere Auswahl christlicher Dichter, wie die von Daniel, Kehrein, Mone, auf unsern Gymnasialbibliotheken sich befinden.