sich mehr auf den verkehrten Gebrauch, auf die Methode, welche in Anwendung kam, als auf die Klassiker selbst bezichen. Wenn daher ein h. Hieronymus und Augustinus neben der eifrigsten Empfehlung der Klassiker sich selbst wegen des Studiums derselben anklagen; so gerathen sie mit sich um so weniger in Widerspruch, als sich ihr Tadel und die Vorwürfe, welche sie sich machen, fast allein auf den Geist beziehen, in welchem sie bisweilen ihre Studien betrieben haben. ¹³) Dasselbe gilt auch, wenn in späterer Zeit Munner von bedeutendem Einfluss, ein St. Quen ²⁴), Gregor der Grosse ¹⁷), Othlo im 12. Jahrhundert ²⁸), und der gelehrte Jesuit Possewin ²²) in seiner 1589 zu Lucca gehaltenen Rede, Thomassin, Karl Borromäus u. a. sich gegen die heidnischen Schriftsteller aussprachen.
Doch fehlte es auch nicht an absoluten nern der klassischen Autoren. Ohne mich ubrigens hier auf eine besondere Geschichte dieses Kampfes im Einzelnen einlassen zu können, verweise ich blos auf einige von Thiersch(„Ueber Fdlehrte Schulen“, Stuttgart u. Tüb. 1826, 2te Abth. p. 184 und 191) mitgetheilte Beispiele.—
Ein Gegner aber der neuesten Zeit, der mit entschiedenstem Eifer und kräftigen Waffen gegen die Klassiker aufgetreten ist, darf nicht übergangen werden. Abbé Gaume, Generalvicar zu Nevers in Frankreich, hat in mehreren Schriften, besonders aber in seinem „ver rongeur- ²⁰) einen gewaltigen Kampf gegen den Gebrauch der heidnischen Autoren in den Gymnasien begonnen, der auch in Deutschland widerhallte und allgemeines Inter- esse erregte. In dieser Schrift, die unter den Auspicien des Kardinal Gousset, Erzbischof zu Rheims, erschien, fasst er in übertreibender Weisse Alles zusammen, was je gegen das Heidenthium und gegen die Klassiker gesagt worden ist und a priori gesagt Jerdes kann; misst ihnen alle politischen, socialen und sittlichen Schäden der heutigen Gesellschaft bei, und ver nichts weniger als deren Entfernung aus unsern Schulen, oder lässt ihnen höchstens eine sehr untergeordnete Stellung. Denn die klassische Philologie, meint Gaume, wurzelt auf heidnischem Boden, ist also nach Inhalt und Zweck dem Christenthum prin- cipiell feindlich; sie setzt an die Stelle des Christenthums den Kultus des sog. Humanismus. Seit der Restauration im 14. und 15. Jahrhundert hat das Heidenthum einen schrecken- erregenden Einfluss auf alle Verhältnisse der Kirche, des Staates, der Gesellschaft und der Familie, auf Kunst, Wissenschaft und Sprache, auf Glaube, Sitte und Leben ausgeübt. Es hat die im Entstehen begriffenen Literaturen der neueren Völker ihres nationalen und christlichen Charakters beraubt und sie zu knechtischen Nachahmerinnen der Heiden ge- macht; es hat zur Verachtung der national-christlichen Baudenkmale, zur Förderung und Ausbildung des Natürlichen, Körperlichen, Sinnlichen oft bis zum Obscönen in erei und Sculptur unter Vernachlässigung höherer, geistiger Ideen geführt, so dass selbst die grüssten Meister, ein Raphael und Michel Angelo, von diesem Einfluss nicht frei geblieben sind. In der Philosophie aber hat es die Vergötterung der Vernunft und des mensch- lichen Ichs, die Leugnung des persönlichen Gottes, der Fortdauer der Seele und einer ewigen Vergeltung bewirkt, also einen Atheismus erzeugt, welcher in Feuerbach, der nur den Tod noch für anbetungswürdig hält, seinen Gipfelpunkt erreicht hat. Durch einseitige Bewunderung der äusseren Sleneden Form der Klassiker, die man als absoluten ästhe- tischen Maasstab aufgestellt, ist Gleichgiltigkeit gegen die Einfalt und Heiligkeit des Evan-
liums, maassloser Dünkel und Hochmuth und durch den oft schlüpfrigen Inhalt Unsitt- ichkeit und Ungebundenheit bei der Jugend gefördert worden. Ja selbst die Revolution, das Auflehnen gegen die gesetzliche Obrigkeit, gegen den legitimen Herrscher, die Pläne gegen Eigenthum und Familie und Anderes, verdankt dem Heidenthum und dessen Pflege seit der tauration den eigentlichen Ursprung. Das Heidenthum hat somit diejenigen
¹⁵) Vergl. Daniel, des études elassiques dans la société ehrétienne. Paris 1853. 3 Bischof von Rouen im 16. Jahrh. in s. vit L. Egidii. ¹*) In einer Epistel(XI. 54) an Egidius, Bischof von Vienne. 3 5) Lita S. Bonifacit. Bei Pertz Mon. Germ II.„. 558, wo er von der Nachahmung des Cicero spricht. ¹⁰) Ragionamento del modo di conservare le stato et la liberta, ci Lucchesi. Dass die Auffassung dieser Rede' als eine den Klassikern absölut feindliche auf einseitiger Auffassung beruhe, hat Daniel am n Orte nachzuweisen gesucht. ²⁰) Ins Deutsche übersetzt. Regensb. 1851.
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