ammten, dem Christenthum mehr oder minder feindlichen Strebens mit all seinen traurigen Folgen in Staat, Kirche und socialem Leben. Es liegt meinem Zwecke fern, zu unter- suchen, in wie weit die heute den klassischen Autoren in ihrem Einfluss auf die Jugend gemachten Vorwürfe an sich begründet sind; wie viel, soweit sie begründet gefunden würden, auf Rechnung der Gymnasien und ihrer Lehrer zu setzen; wie viel endlich Folge unsrer ganzen durch vielerlei Faktoren erwirkten Zeitrichtung und der dadurch be- dingten Auffassung des heidnischen Alterthums sein möchte. Bekannt ist indessen, dass die Anfechtung der Klassiker als Unterrichtsmittel nicht neu, vielmehr so alt ist, als das Christenthum. Viele Kirchenväter und kirchliche Schriftsteller sprechen keineswegs in sehr günstigen Ausdrücken von den Heiden und ihren Schriften. Schon Tertullfan) nennt, um nur einige anzuführen, die heidnischen Philosophen die Patriarchen der Häresie, die Verderber der christlichen Lehre und erklärt den heidnischen Unterricht für Götzen- dienst. ¹) Aehnlich spricht sich Irenäus in Bezug auf Plato aus. 5) Origenes(f† 254) sagt von den neaai Nron Dichtern, dass selbst ihre berühmtesten Werke nur Becher mit vergoldetem Rande seien, gefüllt mit tödtlichem Gift.) Lactantius,(† zu Trier 330) sagt von den literatis, d. i. den in den heidnischen Wissenschaften Gebildeten, dass sie einen schwächeren Glauben hätten.*) Der h. Ambrosius aber hält es für die grösste Gefahr, das Wort Gottes dem der Welt, d. h. der heidnischen Gelehrsamkeit, nachzu- setzen; ²¹) und der h. Basilius,(† 379), den wir als einen entschiedenen Freund und ausgezeichneten Kenner des klassischen Alterthums rühmen müssen, bezeichnet dennoch das Lesen der heidnischen Autoren als sehr gefährlich, weil dieselben den Sensualismus förderten und Menschen bewundern lehrten, die nur in Worten tugendhaft wären. 2) Stärker noch sind die Ausdrücke des h. Chrysostomus, der die Eltern tadelt, weil sie die Knaben in den Fabeln der Mythologie unterrichten liessen und sie die alten Helden bewundern lehrten, die doch allen aun ichen Leidenschaften ergeben gewesen würen. ¹⁰) Am stärksten sind die Aeusserungen des h. Hieronymus, der, obgleich ein leidenschaft- licher Verehrer des Cicero, in den lebhaftesten Farben den nachtheiligen Einfluss einer zügellosen Lectüre der heidnischen Schriftsteller schildert, ¹¹*) und manche Weltpriester tadelt, dass sie mehr mit Comödien und profanen Gedichten, als mit den Propheten und mit dem Evangelium sich beschäftigten. ¹⁴) Alle übertrifft in seinem Eifer gegen die Klassiker der h. Augustinus, dessen Bedeutung und Verhältniss zur klassischen Lite- ratur, sowie seine ausgezeichnete Kenntniss derselben anerkannt ist, und der dennoch mit Kraft und Entschiedenheit, mit Schmerz und Selbstverläugnung von den Wirkungen der- selben an sich selbst an verschiedenen Stellen seiner„Bekenntnisse“ spricht und besonders eine Schilderung der damaligen Unterrichtsmethode gibt, worin sich mancher Philologe neuerer Zeit wiederfinden könnte. ¹³)
Betrachten wir übrigens solche Stellen in ihrem Zusammenhang und mit Bezug autf die damalige Zeit, sowie auf die Verhältnisse, unter denen sie gesprochen wurden; so ver- lieren sie nicht bloss ihre Härte, sondern sie widers rechen auch gradezu dem Gebrauch, den man entweder zum Nachtheil der klassischen Studien oder auch von anderer Seite zur nachtheiligen Charakteristik der Kirchenväter von ihnen gemacht hat. Bedenkt man nämlich, wie diese Männer als krüftige Säulen des wachsenden Christenthnms im Kampf mit dem noch lebenden, unter Aufhietung aller dämonischen Mächte im Todeskrampf ringenden Heidenthum begriffen waren, das neben der krassesten Sürenlozifken ¹⁴) ein Bild der Entartung und Barbarei darbot; 8o erhalten Aussprüche, wie die obigen, nicht bloss ihre Erklärung, sondern auch mit Rücksicht auf andere Stellen ihrer Schriſten, auf die uns die weitere Behandlung noch führen wird, eine mildere Bedeutung, indem sie
.²) ap.§ Hier., ad Ctesiph. Tertullian ist übrigens bekanntlich etwas excentrischer Natur gewesen- († 217.)—*) De spectac. 10.— ⁵) De haeres.— 9) Hom. 2 in Hier.—*) Homines literati minus creckunt- — ³) Sermon. XXII.„s. 118.— ³) II 9*εον⁵— ¹⁰) In p. ad Ephes. hom. XXI. n. 1 u. 2.— ¹¹) Ep ad Damas de duob. fil.— Ad. Eustack. de virg. ep. 18.— Proleg in Dam.— ¹²) Ep. 142 ad Damas. 5 Confess. I. 1, c. 13, 16 u. 18. I. III. c. 5. und 7 V. Vergl. auch Ep. ad Mectar. 4 1845 47 Nerd.. über die Ausartung des röm. Theaters Schack, Gesch. der dramat. Lit. in Spanien. Berlin . 1.


