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3. Sieh, mein junges Weibchen 4. Sieh, mein junges Weibchen Iſt mit Schweiß bedecket, Iſt mit Staub defudelt, Aber deine Träge Aber deine Träge, Noch mit weichen Betten. Strahlt in ſchönen Kleidern.*)
Und ſchwer iſt in der That ihre Arbeit, ſchwarz ſind ihre Hände, glühend heiß Wange und Antlitz(259). Meiſt aber ſchilt auch der Mann und nimmt die Partei der Verwandten; es zeigt ſich darin wieder, freilich nicht von liebenswürdiger Seite, die Stärke des Familien⸗ gefühls(274):
Ach Gott, ach wehe, Böſ' iſt die Schwieger, Mein liebes Gottchen! Die Schwägerinnen, Ich traf kein gutes Mannchen. Lieblos iſt auch mein Mannchen.
Da iſt ihre Klage begreiflich(276): Verdorrt, verwelket Sind, ach, die Rauten An ihren eignen Zweigen Von meinen heißen Thränen.
Die Anſichten über die Ehe ſind daher ſo bitter, wie wohl in keiner andern Volkspoeſie. Da heißt es(65): Tanzet, tanzet, liebe Mädchen, Da ihr noch bekränzt ſeid! Wenn ihr erſt die Kränzchen ablegt, Seid ihr wie verraten. Und die jüngere Schweſter wird aufgefordert, ſich ein warnendes Beiſpiel zu nehmen und das ihr, der älteren, genommene Rautenkränzchen für das ganze Leben zu tragen(259). Leicht iſt der Kranz, ſchwere Bürde die Haube(S. 34). Überaus bitter iſt der ſehr weit durchgeführte Vergleich zwiſchen dem Hopfen und dem Mädchen(265), wovon eine Strophe lautet: Du lieber, grüner Hopfen, Du ſchöner, hochgerankter, Dich trinkt man bis zur Hefe, Mich führt man in den Eh'ſtand. Da iſt es denn natürlich, daß ſie dieſem Leben die Tage im Elternhauſe gegenüberſtellt. Mit Seiſe wuſch ſie zu Hauſe, hier mit Thränen; hier trocknet ſie die Wäſche mit Herzensſeufzern und glättet ſie mit den Ellenbogen(229). Dort blühte ſie weiß und rot, hier bleicht ſie in ihren Wehetagen(244). Sie ſehnt ſich nach ihrer Mutter, wie bei Sommerglut die Fiſche in aus⸗ trocknendem Teiche nach Waſſer lechzen(155). Sie malt ſich aus, wie ſie, in einen Kuckuck ver⸗ wandelt, über kahle Felder zum heimatlichen Kirſchengarten fliegen und von der Mutter an der Stimme und dem ſanften Schweben erkannt werden würde. Aus dem Hauſe käme ſie heraus, und weinte bittere Thränen; und auch Vater und Geſchwiſter würden herzukommen und ſich herzlich freuen(281. 282). Als der Mann ſie frühmorgens ſchon weinen ſieht, geſtattet er ihr endlich die Reiſe nach Hauſe, und ſie ſchreckt vor der Schwierigkeit derſelben nicht zurück(272). Sie kommt an, und ſelbſt lebloſe Dinge, mit denen ſie es früher zu thun hatte, freuen ſich(283): „Des Hofes Raſen blühte, als er ſay, die ihn kehrte; der Thüre Klinke glänzte, als er ſah, die ſie putzte; der Kammer Schlüſſel klirrten, als ſie die Tochter ſahen“— welch' inniges Verhältnis zwiſchen ihr und der Heimat, welche Fülle der Liebe, die ſogar um lebloſe Gegenſtände ein holdes
*) In einigen Dainos hat der Mann in der That eine Träge geheiratet. Er verfährt aber nicht gerade art mit ihr, das Birkenreis ſpielt bei ſeinen Korrektionsverſuchen eine nicht unwichtige Rolle(ſ. S. 18). Sie llebt lange zu ſchlafen und bringt ihm das Eſſen gar ſpät auf das Feld, wo er mit den grauen Ochſen
pflügt(295):
Bitte, bitte, liebes Weibchen, Will ins Birkenwäldchen gehen, Meinem Weibchen übern Nacken Hüte mir die grauen Ochſen. Mir ein Birkenrütchen brechen. Ihre Thränen übers Antlitz.
Das gilt dir, du kleine Träge!
Das wird dich früh aufſtehn lehren. Mitunter kommen auch zwei Träge zuſammen, und es iſt ergötzlich, wie der eine ſich über den Fehler des anderen grämt; ſie einigen ſich ſchließlich dahin, Leute zu mieten, welche die Pferde füttern und die Wäſche beſorgen ſollen. Beiſpiele einer wahren Lumpenehe finden wir in 197— 99.


