Aufsatz 
Über litauische Volkspoesie / von Richard Löbell
Entstehung
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Thränen betaut(149), und er? Er will ſie heimführen,wenn die weißen Steine bunte Blüten treiben, wenn auf Weidenbäumen rote Beeren wachſen(ſprichwörtlich, Schleicher a. a. O. 174). Doch Untreue wohnt nicht beim Manne allein(148):

1. Seht den Vogel, ſeht den Falken Hoch in Lüften ſchweben, Ach, geläng' es mir, zu locken Ihn in meine Kammer.

3. Sieh, mit einem andern hat ſich Schon verlobt dein Mädchen. Sattle, Diener, mir den Braunen, Ich will auch dabei ſein.

5. Kam herauf der Mond geſtiegen Zwiſchen zweien Sternlein, Zwiſchen zweien Schwägerinnen

Saß mein liebes

ädchen.

2. Lieber Vogel, Sag' mir etwas Gerne will ich dir erzählen, Nur nicht eben Gutes.

4. Als ſie hinging in die Kirche, War ſie noch'ne Jungfrau, Als ſie auf der weißen Bank ſaß, Eine hohe Dame.

6. Als ſie hinging zu der Trauung, Stellt' ich mich daneben: Gieb das Ringlein, liebes Mädchen, Das ich kaufte, wieder.

bunter Falke, Neues 1

7. Geh nur hin, geh hin, mein Mädchen,

Zwar mein armes Herz, das weinet,

Laß es Dich nicht grämen. Doch um dich nicht klagt es.

Sie iſt vielleicht gar nicht ſo ſchuldig; denn was vermochte ſie gegen die Schar der klugen Verwandten, und wie ging es der, die ſich auflehnte gegen ſie?(369):

1. Nicht eher geh' ich Von meiner Mutter, Bis ich gefunden Den Knaben, den ich wünſche.

4. Aus ſchöpft ihr eher 5.

Des Meeres Waſſer, Eh' ihr ergründet Die Weiſe unſrer Liebe.

7. Wohl hundert werd' ich, 8.

Wohl tauſend laſſen, Verlaſſen werd' ich Auch den geliebten Knaben.

2. Dies Jahr ſchon geh ich Von meiner Mutter, Dies Jahr ſchon fand ich, Den Knaben, den ich wünſche.

Nicht eher ſcheid' ich 6.

Von meinem Knaben, Bis ich mich lege

In meinen Sarg, den ſchwarzen.

Nicht wird mich's ſchmerzen 9. Um Vater, Mutter,

Nur ſchmerzen wird mich's

Um meinen jungen Knaben.

3.

Zwar die Verwandten Sind's nicht zufrieden, Sie wollen trennen Die treuen Liebesbande.

Dies Jahr ſchon ſcheid ich

Von meinem Knaben,

Dies Jahr ſchon leg ich

Mich in den Sarg, den ſchwarzen.

Gebt das Geleite

Mir, ihr Verwandte,

Beſeht noch einmal

Euch dann mein ſtrahlend Antlitz!

Auch in 358 ſcheint ein ſolches Motiv vorzuliegen, obſchon es nicht ausdrücklich geſagt iſt; aber in der Volkspoeſie geht es mit den lyriſchen Motiven und Situationen ebenſo wie mit den epiſchen: ſie ſind allgemein bekannt, und der Sänger kann ohne weitere Erklärung nach

Belieben einſetzen:

Ei, du liebe Mutter Ei, du alte Seele, Luſ du nicht erfahren,

as in meinem Herzen? Ob in 370 ein ähnliches Motiv vorliegt, könnte bezweifelt werden.

Sind in meinem Herzen Viele Liebesworte, Viele Liebesworte, Viele bittre Thränen.

Und doch aus

welchem Grunde ſonſt ſollte ein junges Herze ſo heiße Sehnſucht nach dem Grabe hegen!

Man höre ſelbſt:

ob der Morgenſchein ſich purpurn, tieg empor die liebe Sonne, Lag die junge Tochter krank.

Gieb mich nicht ins Bauerndörfchen, Auch nicht in den bunten Herrnhof, Nicht nach Tilſit in die Stadt!

Wiederkehrt der warme Sommer, Treiben Brüder aus die Roſſe, Und beſuchen dann mein Grab.

War beſorgt die liebe Mutter, War beſorgt die treue Alte: Wohin geb die Tochter ich?

Mutter wird mich dahin geben, Dahin geben mich die Alte,

Wohin ſich mein Herze ſehnt.

Stehe auf, geliebte Schweſter, Stell' zurecht den neuen Webſtuhl, Webe feine Leinewand.

Kleine, weiße Lindenbrettchen, Leinenes Gewand ſechs Ellen, Seht, das iſt mein

Geb' ich ſie ins Bauerndörſchen? Oder in den bunten Herrnhof? Ob nach Tilſit in die Stadtze Dorthin auf den hohen Hügel, Unter dieſe ſchwarze Erde, Unter grünes Raſengras.

Werde nimmer aufſtehn, Brüder, Werde nicht den Webſtuhl ſtellen, Weben keine Leinewand.

ebſtuhl jetzt.