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Nebel bedecken“(357). Aber der junge Burſche achtet es nicht, wenn es gilt, ſein Mädchen zu ſehen(135): Mein liebes Mädchen, Die ganze Nacht durch ab' ich gewatet Im kalten Taue, ein'twegen nicht geſchlafen, Umhergeirrt im Nebel.
Aber er wartet vergeblich. Da ging's einem andern beſſer, dem leuchteten die Sterne auf ſeinen Weg(140): Wenn in düſtrer, ſtiller Nacht Schlafen alle Müden, Dann ſchleich' ich mich heimlich fort Hin zu meinem Mädchen. Sternlein an dem Himmel ziehn, Große und auch kleine, Leuchten mir auf meinem Pfad Hin zu meinem Mädchen. Eine gute Nacht wünſch' ich Dir, mein trautes Mädchen, Dir, mein Liebchen, gute Nacht, Schlafe ſüß und ruhig. Und wenn alle Geſtirne untergegangen ſind(131):
Kam um Miternacht ich heimgefahren, Fragte mich der alte, liebe Vater:
War noch nicht zu Bett der alte Vater,„Wer hat dir in finſtrer Nacht geleuchtet?“ Offnete mir ſelbſt das große Hofthor,„ O, mir leuchteten zwei helle Sterne,
Hielt auch auf die dunkelbraunen Roſſe. Meines lieben Mädchens Feueraugen.
Auch das Wetter gehört zur Landſchaft. Oft ſinden wir mit feinſtem und innigſtem Naturgefühl Wetter und Stimmung des Herzens in Harmonie gebracht: da fällt ein ſanfter Regenſchauer„an der Mutter geputzter Kammer“, wo die angeſchirrten Roſſe ſtehen, um die verheiratete Tochter wegzuführen. Es iſt ihr aber ſo wehe ums Herz, und ein Thränen⸗ regen rieſelt auch ihr über das Antlitz. Oder: der Wind bläſt, die Bäume knarren und ſeufzen, und die Schweſter erwartet„den lieben Bruder, der heimkehrt aus dem Kriege.“ Wie ſtimmt da Wetter und Herzensahnung zuſammen— nur das Schlachtroß kehrt zurück(345). Natürlich erhalten auch die Jahreszeiten ihren poetiſchen Ausdruck. Nicht freilich ſo wie in der Poeſie der deutſchen Minneſänger. Denn ſelbſtloſer und naiver ſteht der Litauer der wechſelnden Natur gegenüber, und ſtiller fügt er ſich dem ewig Wiederkehrenden, Unabänderlichen. Wir finden in ſeiner Poeſie nicht die Häufung der Klagen über die böſe Winterzeit, denn Sommer und Winter ſind ihm gleichmäßig eine Zeit der ſchweren Arbeit, die er als etwas Selbſtverſtändliches ſtill verrichtet. Daß aber der litauiſche Frühling, wenn er auch viel ſpäter erwacht, ſeine ſüßen Wonnen hat, und der Litauer ſie fühlt, zeigt uns der vernehm⸗ bar freudige Herzſchlag in vielen Frühlingsdainos. Wie jubelt und klingt es(97):
Komm her, o Mädchen, In ſchönen Frühling, Wann Wunder blühen In Mutters Garten. Rings um die Beete Stehn grüne Rauten, Und in der Mitte Rings Lilienblüten.... Und ſchöne Wunder blühen auch draußen auf der Flur und im Walde; die Nachtigall ſingt, der Kuckuck ruft, und was ſie auch denken und fühlen mag, Blumenduft und Vogelgeſang drängt ſich hold zwiſchen ihre Gedanken und Gefühle. Das Lied, welches von dem ſingt, was in der ſchönen Zeit geſchah, hat in jeder Strophe als 2. und 4. Zeile zwei Refrains: der Kuckuck ruft, und es blüht im Walde, das klingt aus dem ganzen Liede(86): Rauten ſät' ich, ſprach dabei auch:. Ei kuku! Rauten werden ſproſſen, grünen. Heeiiddelbeeren blühn.


