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Haffes brechen.*) Auch dieſer Landſchaftscharakter prägt ſich in den Dainos aus, und man könnte je nach dieſem ihre örtliche Herkunft mit einiger Sicherheit beſtimmen, ohne noch einmal auf dialektiſche Unterſchiede Rückſicht zu nehmen. Da dehnt ſich die Heide aus, ganz kahl oder mit Strauchwerk beſtanden, das unterm Roßhufe knackend bricht(63). Wilde Bienen ſummen über den roten Blüten. Menſchliche Anſiedlungen ſind ſehr ſpärlich, und der raſtende Wanderer zündet ſich in der Heide ein Feuer an und unterhält es mit alten knorrigen Fichtenwurzeln, die im Boden ſtecken und beweiſen, daß es nicht immer ſo kahl hier war(316). Der Burſche, der„zu dem Mädchen in der Heide“ reitet, muß übernachten„im Walde unter der Linde“(75). Oder er reitet gar nicht über Feld, ſondern mit dem Segelſchiffchen kommt er„an Mutters Hausthür und klarem Fenſter“ vorbei, legt an das Thor an und tritt heraus, die Mutter um die junge Tochter zu bitten(194. 211). Dörfer dieſer Gegend, wie Prökuls und Ruß in der Nähe des Haffs, ſind in der Schilderung mit etwas mehr Einzelzügen ausgeſtattet, als andere; es iſt das wohl kein Zufall, denn von einem Fluß durchſtrömt, haben ſie lebhafteren Verkehr, regeres Leben und Treiben, eine beweglichere Bevölkerung, und das Charakteriſtiſche tritt an ſolchen Orten mehr hervor als an ſtillen Binnendörfern. Ruß, an dem nördlichen Mündungs⸗ arm der Memel gelegen, iſt„ſo ſchön wie Memel“, Kähne fahren durchs Dorf, das Geräuſch von Reitern und Wagen erfüllt die Straßen,„da krähen Hähne, da bellen Hunde, da jauchzen Müllerinnen; in Ruſſens Dörfchen wächſt mir n' Blüte, da wünſcht mein Herz zu bleiben“(12). Die fleißige Hand des Mädchens pflegt aber auch hier die Blumen, und es klagt, daß nachts Männer vom Meere her in ſeinen Garten geſtiegen ſeien, die Rauten zertreten, die Roſen gebrochen und die Lilien zerſtreut haben(47). An anderen Stellen aber iſt es einſamer; da rückt der grüne Fichtenwald nahe ans Meer, und ſeinen Rand kränzt der weiße Schaum der Wellen. Hier treiben nur die Waſſervögel ihr Weſen, und der Falke ſtößt auf die wilde Ente(306). Das iſt der Ort, wo in einer überaus zarten, anmutigen Daina die arme junge Frau, welche von der böſen Schwiegermutter ausgeſchickt wird nach Wintergras und Sommerſchnee, beides findet(279). Man höre ſelbſt, wie? 1. O, Mutter, Mutter, 2. Die Schwägerinnen Geliebte Mutter, Fand ich ſo böſe, Du haſt ſo weithin So zornig fand ich Mich weggegeben. Die Schwiegermutter. 4. Es ſandte, ſandte Die Schwiegermutter
Nach Wintergras mich Und Sommerſchnee aus.
3. Der Füße Tritte Sie mir beſchämte, Beſchämte mir auch Der Hände Arbeit.
5. Ich ging von dannen 6. Wohin denn gehſt du. ar bitter weinend, Geliebte Schweſter? Da traf ich meine Und warum weineſt Geliebten Schweſtern. Du junges Mädchen?
7. Es ſandte, ſandte 8. So gehe, gehe 9. Da brich dir, liebe, Die Schwiegermutter Du junge Schweſter Ein Fichtenzweiglein, Nach Wintergras mich Zum Fchtenwalde, Schöpf' in die Hand dir Und Sommerſchnee aus. Zum Meergeſtade. Den Schaum des Meeres.
10. So wirſt du bringen
11. Der Fichte Zweiglein
Der Schwiegermutter Das Wintergras und Den Sommerſchnee hin.
ſt Gras des Winters, ſer Schaum des Meeres Iſt Schnee des Sommers.
12.
Ei, Schwiegertochter, Du blöden Sinnes,
Wer hat's geſagt dir, Wer dich's gelehret?
13. Geſagt mir haben's Die ſchnöden Worte, Gelehrt mich haben's Die böſen Tage.
Wir ſehen Haff und Meer in ruhigem und aufgeregtem Zuſtande. Der Schiffer wird vom Sturm überraſcht und muß das Geſtade zu gewinnen ſuchen(12); im Frühling ſchädigt das Treibeis den Kahn, und Hagel ſchlägt auf das Segel und das dunkle Kahndach(48).
' Früher war die Memelniederung wüſtes Bruchland und ein Aufenthaltsort wilder Tiere; erſt durch Aufführung von Deichen und Dämmen iſt das geeignete Land kultiviert.(Glagau, Litauen u. d. Litauer, Tilſit; es ſei auf dieſes Buch verwieſen, das weniger Eigenes als dankenswerte Auszüge aus den außerhalb
ihrer Heimat nicht ſehr verbreiteten, aber ganz vortrefflichen Preuß. Provinz.⸗Blättern und ihrer Fortſetzung, der Altpreuß. Monatsſchrift, giebt). 2. gier Forſehuns


