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ſein Roß in der Heide getummelt, ſeine Götter verehrt im Grün des Frühlings und im Ge⸗ witter und ihnen heiliges Bier geſprengt, ſeine Söhne und Töchter verheiratet unter Beobachtung uralter Bräuche und war dann geſtorben, ruhig ſich beugend unter das Schickſal. Da waren deutſche Ordensritter ins Land ſeiner Brüder, der alten Preußen, gekommen, hohe Geſtalten mit leuchtendem Harniſch und überlegener Kriegskunſt. Der weiße Mantel mit ſchwarzem Kreuze wehte auf der Heide, Pfeile ziſchten und Speere ſplitterten in grimmer Feldſchlacht, und nach 50 Jahren waren die Preußen beſiegt(1283). Nun kam die Reihe an die Litauer, denn ſie waren noch Heiden und unruhige Nachbarn. Das Jahrhundert der Litauerfahrten brach an. Wenn die Frühlingsſonne oder der Winterfroſt die Wege durch Wald, Moor und Heide feſt gemacht hatten, kamen die fürſtlichen und ritterlichen Herren aus ganz Europa(unter ihnen Johann v. Böhmen, Karl IV., Ludwig v. Ungarn, Heinrich IV. von England u. a.) zum Litauerkreuzzug, denn die Kreuzzüge gegen den Islam hatten gerade ihr Ende erreicht. Es war nicht immer frommer Glaubenseifer, was jene hierher führte; es war eine Art von Sport geworden, ſich mit den Litauern herumzuſchlagen, und man legte Wert darauf, hierbei den Ritterſchlag zu erhalten. Peter Suchenwirth, jener Wappendichter, der im Gefolge des Herzogs Albrecht III. im Herbſt 1377 einen Zug nach Litauen mitmachte(auch Oskar v. Wolkenſtein hielt ſich mehrere Jahre in Preußen auf), hat das Wildromantiſche dieſer Fahrten beſungen, die auch F. Dahn und E. Geibel den Stoff zu ſchönen Balladen lieferten. Wir ſehen aus ſeinen Verſen, daß Grauſamkeit keineswegs nur auf Seiten der Litauer zu finden war. Lohmeyer(Geſch. v. Oſt⸗ u. Weſtpreußen 182, 233), L. Weber(Preußen vor 500 Jahren 679 ff.), Thomas(Mitteil. d. I. l. G. I. 401) u. a. entwerfen ein farbiges Bild dieſer Kämpfe. Sie hörten auf, als Jagal, Großfürſt von Litauen und König von Polen, die Litauer taufen ließ und in der Tannenberger Schlacht(1410) die Ordensmacht brach. Die im Gebiet der untern Memel und des Pregels wohnenden Litauer blieben Unterthanen des Ordens und dann der preußiſchen Herrſcher. Zu Leibeigenen und Scharwerksbauern gemacht, waren ſie auf die niedrigſte Stufe herabgedrückt; in den Städten wohnten die Deutſchen, eigene Bildungsanſtalten wurden ihnen nicht zu teil, und obwohl der Götzendienſt unter härteſte Strafe geſtellt war, ge⸗ ſchah doch wenig dafür, ſie zu dem aufgezwungenen Chriſtentum in ein anderes als äußeres Verhältnis zu bringen. Auch die Reformation konnte wenig ändern, da es an litauiſch reden⸗ den Geiſtlichen mangelte. Der Einfall der Tartaren während des ſchwediſch⸗polniſchen Krieges (16⁵ 57), die Peſt(1708) entvölkerte und verödete das Land(Lohmeyer Altpreuß. Monats⸗ ſchrift 1879 S. 484. Beheim⸗Schwarzbach, Friedrich Wilhelms I. Koloniſationswerk in Litauen), und als die 1732 ihres Glaubens wegen aus ihrer Heimat vertriebenen Salzburger von Friedrich Wilhelm I. hierher gebracht wurden, war den Litauern ein neuer, durch überlegene Betriebſamkeit und Sparſamkeit gefährlicher Gegner entſtanden,— heute ſind die Salzburger die reichſten Grundbeſitzer in Litauen.—
So lebten die Litauer als leibeigene Bauern bis in dieſes Jahrhundert. Ein lebhafteres Intereſſe wandte man ihnen erſt wieder zu, als die vergleichende Sprachforſchung mit Staunen entdeckte, daß ihre Sprache, der ſlaviſchen und deutſchen am nächſten ſtehend, einen uralten Laut⸗ und Wortbeſtand hat, zum Teil älter als das Homeriſche Griechiſch und dem Sanskrit an die Seite zu ſtellen. Man kann ſich heute ja ſo bequem in Ficks vergl. Wörterbuch und in Schleichers Kompendium der indogermaniſchen Sprachen davon überzeugen. Übrigens hatte hin und wieder auch ſchon ein Landpfarrer, dem unter ſeinen Litauern und in ſeiner idylliſchen Wirkſamkeit die Erinnerung an Homer und die Griechen nicht verloren gegangen war, mit Verwunderung be⸗ merkt, wie ſo oft das Litauiſche an die alte klaſſiſche Sprache anklingt, und hatte dann verſucht, es aus dem Griechiſchen abzuleiten, während weniger glückliche Amtsbrüder es durchaus zur Tochter des Hebräiſchen machen wollten(Lepner, der Preuſche Littauer 105 f.).— Da kamen nun die Sprachforſcher nach dem entlegenen Lande, zuerſt Schleicher, der größten einer(1852). Und viele folgten ſeinen Spuren. Da mußten ſie denn ganz urariſch angeheimelt werden, wenn ſie plötzlich inmitten eines Volkes ſtanden, deſſen volltönende Sprache, Lieder und Anſchauungen, deſſen Weſen und Treiben ſo war, als hätte es erſt kürzlich die ariſche Völkerwiege in Aſien verlaſſen. Empfängliche Gemüter mußten ähnliche hiſtoriſche Stimmungen haben, wie bei einem Eintritt in Pompeji; auf Schritt und Tritt, in Haus, Hof und Feld, begegnete man einem


