dungsweſens auch auf unſerer Anſtalt eine Anzahl Opfer gefordert. Im Januar dieſes Jahres wurde hier eine ſeit dem Jahre 1862 beſtehende Verbindung von dem Unterzeichneten entdeckt. Die 3 Haupt⸗ ſchuldigen wurden mit Verweiſung von der Anſtalt, die übrigen Beteiligten mit Karzer beſtraft. Eine zweite ſeit 1873 beſtehende Verbindung hatte ſich, wie es ſcheint, rechtzeitig genug aufgelöſt, um einer ernſtern Beſtrafung zu entgehen. Wenn das Verbindungsweſen auf Gymnaſien, wie es ſich nament⸗ lich in den letzten Jahren entwickelt hat, von manchen der Sache ferner Stehenden als harmloſe Spielerei aufgefaßt wird, gegen die ſo ſtrenge Strafen allzu hart erſcheinen, ſo kann ſich jeder, der einen wirklichen Einblick in das Treiben dieſer Verbindungen gewinnt, der Ueberzeugung nicht ver⸗ ſchließen, daß hier ein Uebel zu Tage tritt, welches um jeden Preis und mit allen Mitteln ausgerottet werden muß. Ganz abgeſehen von dem unvermeidlichen Verluſte an Zeit und Geld wird ohne Zweifel die Kraft des Geiſtes wie des Körpers in gleicher Weiſe in dieſem Treiben geſchädigt, und die Empfäng⸗ lichkeit für die höhern Aufgaben und idealen Ziele des Lebens ſyſtematiſch abgeſtumpft. Außerdem bringt die Notwendigkeit der Geheimhaltung ihres Treibens die jungen Leute in ein Verhältniß der Unwahrhaftigkeit den Eltern und Lehrern gegenüber, welches durch ſeine Dauer einen ſchlimmen Ein⸗ fluß auf die ganze Karakterbildung gewinnen kann.
Von Oſtern ab werden die von dem Fürſtlichen Miniſterium erlaſſenen Schulgeſetze in Kraft treten. Der Unterzeichnete richtet an die Eltern unſerer Schüler und beſonders an die Hauswirte und Pfleger der auswärtigen Schüler die dringende Bitte, auch ihrerſeits die Aufrechterhaltung dieſer Geſetze aufs ſtrengſte zu überwachen und die Maßregeln zu unterſtützen, die von Seiten der Schule getroffen werden, um die Wiederholung ähnlicher Vorkommniſſe für die Zukunft unmöglich zu machen. Die Schule kann die häusliche Erziehung niemals erſetzen und ſoll es auch nicht; ihre Aufgabe, auch die erzieheriſche, liegt auf einem andern Gebiete. Wo ſie ſich aber nicht auf eine feſte Zucht des Hauſes ſtützen kann, da kann ſie weder ihre wiſſenſchaftliche Aufgabe ausreichend erfüllen, noch auch ihren ſegensreichen Einfluß auf die Karakterbildung zur Geltung bringen. Eine bloße Verſtandesbildung aber, ſelbſt wenn ſie bis zu einem gewiſſen Grade möglich iſt, kann doch ohne entſprechende Zucht, ſei es nun eigene, ſei es fremde, nur ſchädlich wirken.
Am 5. Dezember 1879 verſchied in hohem Alter der Direktor emer. Heinrich Gottlieb Göll. Die Schule und das Lehrerkollegium beteiligten ſich insgeſamt an der Beerdigung. Was der Verewigte in treuer, langjähriger Wirkſamkeit für die Schule, der er bis wenige Jahre vor ſeinem Tode mit Geiſtesfriſche und lebhaftem Intereſſe ſeine Dienſte widmete, geleiſtet hat, wird unvergeſſen bleiben. Eine kurze Darſtellung ſeines Lebens aus der Feder ſeines Sohnes, des Herrn Prof. Dr. Göll, wird ſeinen zahlreichen Schülern und Freunden willkommen ſein.
Heinrich Gottlieb Göll wurde am 20. Februar 1796 zu Tanna geboren, beſuchte bis zur Konfirmation die dortige Bürgerſchule und erlernte dann die Profeſſion ſeines Vaters, eines Schuhmachermeiſters. Sein reger Geiſt ſtrebte aber bald über die engen Schranken des Handwerkg hinaus und nachdem er eine Zeit lang Willens geweſen war, Landſchullehrer zu werden, und ſich des⸗ halb eifrig mit Muſik beſchäftigt hatte, faßte er den Entſchluß, das Lyceum in Schleiz zu beziehen. Daſſelbe war leider damals gegen ſeine Leiſtungen im 18. Jahrhundert bedeutend geſunken und der Jüngling, welcher in der erſten Klaſſe ſeiner heimatlichen Schule in ein paar Stunden wöchentlich Unterricht in den Elementen der lateiniſchen Sprache genoſſen und es höchſtens bis zum Ueberſetzen leichter Uebungsſtücke gebracht hatte, wurde Oſtern 1811 in die Secunda aufgenommen und Michaelis darauf nach Prima verſetzt! Bei ſeinem Fleiße und ſeiner guten Begabung wäre es ihm wol nicht ſchwer gefallen, die Lücken in ſeinem Wiſſen auszufüllen; aber um ſeinen Eltern die Koſten ſeines Unterhalts zu erleichtern, belaſtete er ſich mit 4 Privatſtunden täglich, ſo daß ihm zu häuslichen Studien
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