Am 12. Juli wurde unter zahlreicher Beteiligung der Behörden und des Publikums der Heinrichstag in der Aula des Gymnaſiums feſtlich begangen. Seine Durchlaucht der Fürſt und Ihre Königliche Hoheit die Fürſtin beehrten die Feier mit Ihrer Gegenwart.
Am 24. Auguſt wurden die Zinſen der N. N.'ſchen Stiftung an die 6 Schüler verteilt, welche in jeder Klaſſe das beſte lateiniſche Extemporale geſchrieben hatten.
Am 2. September beteiligte ſich die Schule in herkömmlicher Weiſe an den Feſtlichkeiten des Sedantages.
Am 17. September fand die gemeinſame Abendmahlsfeier der Lehrer und Schüler des Gym⸗ naſiums ſtatt.
Am 22. September wurde die mündliche Abiturientenprüfung unter Vorſitz des Herrn Geheimen Kirchenrat D. Schorch als Fürſtlichen Commiſſars abgehalten. Die beiden Abiturienten erhielten das Zeugniß der Reife.
Mit dem Schluß des Sommerſemeſters ſchied aus dem Lehrerkollegium der kommiſſariſche Lehrer Herr Dr. Schmerbitz, nachdem er ſeit Oſtern 1875 dem Gymnaſium ſeine Dienſte geleiſtet hatte. Die dadurch entſtandene Lücke wurde durch Anſtellung des Herrn Arnim aus Witzleben ausgefüllt, der, für das Fach der neuern Sprachen beſtimmt, am 16. Oktober durch den Unterzeichneten zunächſt in ſein Amt eingeführt wurde.*)
Das Vierteljahr vom 16. Oktober bis Weihnachten war Herr Schults leider durch Kränk⸗ lichkeit genötigt, ſeine Stunden auszuſetzen. Dieſelben wurden mit dankenswerter Bereitwilligkeit von dem Lehrerkollegium übernommen.
Im übrigen war der Geſundheitszuſtand unter Lehrern und Schülern befriedigend, jedoch hatte das Gymnaſium den Verluſt eines Schülers durch den Tod zu beklagen. Der Sekundaner Heinrich Buchrucker ſtarb nach längerer Kränklichkeit am 21. Juli zu Streitberg, wo er Linderung ſeines Bruſtleidens geſucht hatte. Seine Beerdigung fand hier ſtatt, und die anweſenden Lehrer und Schüler des Gymnaſiums gaben ihm das letzte Geleit.
Die von der Gymnaſial⸗Inſpektion beantragte Erhöhung des Schulgeldes wurde von dem Fürſtlichen Miniſterium genehmigt, und es betragen die Schulgeldſätze vom 1. Oktober ab für VI 50 M., für V 60 M., für IV 70 M., für III, II und I 90 M. Dieſe Schulgeldſätze, die übrigens noch be⸗ deutend hinter denen anderer Anſtalten zurückbleiben, machten eine vorläufige Erhöhung der Lehrergehalte möglich, von der bewährten Fürſorge unſerer vorgeſetzten Behörden dürfen wir hoffen, daß ſie beſtrebt ſein werden, die Stellung der Lehrer ſo weit zu verbeſſern, als es mit Rückſicht auf die Anſtalten anderer Staaten und die Stellung anderer Beamtenkategorieen im Lande ſelbſt gerecht und not⸗ wendig erſcheint.
Leider ſah ſich das Lehrerkollegium genötigt, einen Schüler ſeines Betragens wegen von der Anſtalt zu verweiſen. Außerdem hat die, wie es ſcheint, allgemein verbreitete Krankheit des Verbin⸗
*) Otto Arnim, geboren den 30. November 1849 zu Witzleben bei Lobſens, Regierungsbezirk Bromberg, erhielt den elementaren Unterricht in ſeinem Geburtsorte und ſpäter auf der Bürgerſchule zu Müncheberg. Von Michaelis 1865 an beſuchte er das Gymnaſium zu Schneidemühl und wurde Michaelis 1871 mit dem Zeugniß der Reife entlaſſen. Un⸗ günſtiger Verhältniſſe wegen konnte er erſt Oſtern 1873 die Univerſität Königsberg beziehen, wo er bis Oſtern 1877 neuſprachlichen und germaniſtiſchen Studien oblag. Nachdem er von Oſtern 1877 bis dahin 1878 als Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu Dirſchau thätig geweſen, verließ er dieſe Stellung, um ſich zum Examen pro fac. doc. vorzubereiten, welches letztere er im Februar 1878 beſtand. Von Oſtern 1879 ab war er behufs Ableiſtung des Probejahres an der
ſtädtiſchen Realſchule I. Ord. zu Königsberg beſchäftigt und folgte Michaelis 1879 einer Wahl zum Lehrer an dem ſtädtiſchen Gymnaſium zu Schleiz.


