Aufsatz 
Welchen Wert haben Schiller's Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen für die Pädagogik?
Entstehung
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wenig Zeit und Luſt übrig blieb. Zu Oſtern 1815 ging er nach Leipzig, um Theologie zu ſtudiren. Er wurde aber dort bald kränklich und ſah ſich ſchon im Januar 1816 gezwungen, nach Hauſe zurück⸗ zukehren. Nach ſeiner Wiedergeneſung begab er ſich zur Fortſetzung des Studiums nach Jena. Gerade damals trat aber die ſchwere zweijährige Theuerung ein und wieder waren es Nahrungsſorgen und Entbehrungen, mit denen der junge Mann zu ringen hatte. Dazu geſellte ſich aber bei ſeinem redlichen Streben nach Wahrheit und Klarheit ein heftiger Kampf in ſeinem Innern über die Wahl des richtigen theologiſchen Standpunktes, und er nahm dieſe Frage ſo ernſt, daß er dem Rande der Verzweiflung nahe kam, bis er ſich endlich für eine bis an ſeinen Tod feſt gehaltene Richtung entſchied, die den Beweis für die Göttlichkeit der chriſtlichen Lehre lediglich in deren innerer Vortrefflichkeit und Vernunft⸗ mäßigkeit gefunden zu haben meinte. Im Sommer 1818 beſtand er in Gera rühmlich das Kandidaten⸗ examen und nahm eine Hauslehrerſtelle in Kopitſch bei Neuſtadt a. d. O. an. Aber ſchon im März 1820 erhielt er einen Ruf zur Stelle des erſten Lehrers an der Mädchenſchule in Schleiz und trat dieſelbe einen Monat ſpäter an, vertauſchte ſie jedoch 14 Tage darauf mit dem Amte des Tertius am Rutheneum. Von jetzt an entwickelte er eine ſtaunenswerte Rührigkeit und Pflichttreue im Nachholen des Verſäumten und Aneignen des bisher völlig Fremden. Namentlich in der Mathematik, zu der er ſich beſonders hingezogen fühlte, wurde er Autodidakt im beſten Sinne des Wortes, ſetzte ſich ſein eigenes Lehrbuch auf und unterrichtete in ihr, ſowie in der ihm ebenfalls von vornherein völlig unbe⸗ kannten Phyſik, die beiden oberſten Klaſſen bis zu ſeiner Emeritirung. Von 1822 an, wo Rektor Höfer ſeine meiſten Unterrichtsſtunden abgab, erhielt er nämlich Lektionen in Prima und Secunda, bis ihm 1828 das Conrectorat übertragen wurde. Dieſe Stelle verſah er(ſeit 1845 mit dem Titel Prorector) beinahe 28 Jahre lang und obgleich ſie gering genug dotirt und mit bedeutender Arbeitslaſt verbunden war, verließ ihn ſelten ſeine heitere Gelaſſenheit, nie aber ſein unermüdlicher Eifer für die eigene Weiterbildung und die Förderung ſeiner Schüler, auf die auch ſein ſtreng ſittliches Weſen wol⸗ thätigen Einfluß übte. Im Jahre 1848 berief ihn das Vertrauen ſeiner Mitbürger in den conſti⸗ tuirenden und ſpäter auch in den erſten ordentlichen Landtag und mit Hingebung arbeitete er mit an der politiſchen Neugeſtaltung des engeren Vaterlandes, während er auch ſtets an den Gemeindeange⸗ legenheiten und den gewerblichen Lagen der Stadt Schleiz regen Anteil nahm. Nach dem Tod des Direktors Alberti war ihm 1856 die Direktion des Gymnaſiums, mit welcher auch die Leitung der Knabenbürgerſchule verbunden war, übertragen und er wußte daſſelbe trotz der geringen Anzahl der vorhandenen Lehrkräfte auf einer ſolchen Höhe zu erhalten, daß ſeine Schüler ſtets eine ausreichende Vorbildung für die Univerſität ſich erwerben konnten. Als endlich die Reorganiſation der Anſtalt nach preußiſchem Muſter vor ſich gehen ſollte, wurde er Oſtern 1869 nach 49 jährigem Wirken für das Wol derſelben in den verdienten Ruheſtand verſetzt. Schon vorher war ihm von Sr. Durchlaucht dem Fürſten in huldvoller Anerkennung ſeiner Verdienſte das Civilehrenkreuz I. Klaſſe verliehen worden. Auch nach ſeiner Penſionirung erteilte der Greis noch den Primanern den ihm lieb gewordenen Unter⸗ richt im Hebräiſchen, bis allmähliche Erblindung ihn nötigte, auch dieſe Thätigkeit einzuſtellen. Das Ungemach des hohen Alters ertrug er mit männlicher Ruhe und frommer Ergebung, bis ihn am 5. Dezember 1879 ein ſanfter Tod davon erlöſte. Die von ihm veröffentlichten Programme ſind fol⸗ gende: 1. Einige Bemerkungen über zweck⸗ und zeitgemäße Behandlung des griechiſchen Neuen Teſta⸗ ments in den obern Klaſſen der Gelehrtenſchulen. 1835. 2. Brevis de scriptoribus Graecorum et Romanorum classicis in usum scholarum edendis disputatio. 1842. 3. Andeutungen über Zweck, Behandlung und Umfang des Unterrichts in der Mathematik auf Gelehrtenſchulen. 1845. 4. Kurze Nachricht über die zum Beſten der hieſigen Schule geſtifteten Legate. 1855. 5. Geſchichtliche Notizen über die Schule zu Schleiz. 1857. 6. Fortſetzung dieſer hiſtoriſchen Notizen. 1858. 7. Ohne eine