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Auch das Vertrauen, in welchem der Taubſtummen⸗Anſtalt zu Camberg von dem Aus⸗ lande fortwährend viele taubſtumme Kinder zur Erziehung und zum Unterrichte übergeben werden, gibt ein ſchönes Zeugniß über deren Wirkſamkeit ab.
Ich will mich der Schilderung des trauigen Looſes aller Taubſtummen, die keinen Unter⸗ richt empfangen haben, vorerſt enthalten. Ich geſtehe auch zu, daß im Hinblick auf die im bürgerlichen Leben mißrathenen früheren Zöglinge der hieſigen Taubſtummen⸗Anſtalt meine Freude an dem Wohlergehen und der guten, kernhaften ſittlichen Aufführung der meiſten unſerer ent⸗ laſſenen Zöglinge geſchwächt werden muß: welche Erziehungs⸗ und Unterrichtsanſtalt kann aber von ſich ſagen, daß alle ihre Pflegbefohlenen gerathen wären? Wir wollen deßhalb dem Herru aus vollem Herzen Dank ſagen, daß er das bisherige Wirken der Camberger Taubſtummen An⸗ ſtalt auf ſolche Weiſe geſegnet hat. Dieſes Dankgefühl wird noch mehr erhöht durch die be⸗ ſonders erfreulichen Beiſpiele, in welchen ſich einzelne entlaſſenen Taubſtummen im Leben aus⸗ zeichnen. Nur einige derſelben ſollen, in eben der Weiſe, wie ſie in den ſtnatiſtiſchen Berichten mitgetheilt worden ſind, wörtlich angeführt werden.
1)„Der Taubſtumme N. zu N. erlernte bei ſeinem Vater das Metzgergeſchäft. Er befindet ſich bei ſeinen Eltern und arbeitet mit Fleiß und Umſicht als Metzger und Landwirth, iſt dem Vater in der Wirthſchaft behilflich und führt ganz allein mit Sorgfalt die Geſchäfts⸗ bücher. Er iſt im Stande, nicht allein ſich, ſondern eine Familie zu ernähren. Er iſt ein ſtiller, gemüthlicher, äußerſt reinlicher Menſch, der durch ſein ſittliches Betragen ſich die Liebe und Achtung der ganzen Gemeide erworben hat. Er bedient ſich hauptſäch⸗ lich der Lautſprache und iſt noch ledig.“
2)„Der Taubſtumme N. erlernte in Montabaur das Spenglerhandwerk. Er arbeitet als Spenglermeiſter zu N. mit einem Geſellen; betreibt mit gutem Erfolge ſein Geſchäft, auch Landwirthſchaft, hat einen gut aſſortirten Laden mit Spengler⸗ und Zinnwaaren, hat ſich ein Wohnhaus gekauft, eine Scheune gebaut, für ca. 700 fl. Ländereien erworben und die Immobilien bezahlt. Er iſt ein ernſter, fleißiger und ſparſamer Mann, der ſich durch ſeinen ſittlichen Lebenswandel der Achtung aller Rechtſchaffenen erfreut. Er bedient ſich vorzugsweiſe der Lautſprache; iſt verheirathet und hat 3 geſunde Kinder, welche gut hören und ſprechen können.“
3)„Die Taubſtumme N. befindet ſich bei ihrer Mutter, ſie beſchäftigt ſich mit weiblichen Arbeiten, worin ſie eine ſeltene Geſchicklichkeit beſitzt. Dabei iſt ſie ebenſo perfekte Köchin, in der ganzen Haushaltung unübertrefflich; muſterhaft bei unermüdlichem Fleiße, Ordnungs⸗ liebe, Sittenreinheit und Adel der ganzen Geſinnung. Sie bedient ſich meiſtens der Zeichen⸗ ſprache und iſt noch ledig.“
„Die Taubſtumme N. zu N. iſt ſehr geſchickt im Nähen, Sticken und allen weiblichen Hand⸗ arbeiten und verdient gegenwärtig hier ſo viel Geld, daß ſie im Stande iſt, eine ganze Familie zu ernähren. Sie beträgt ſich muſterhaft, iſt noch ledig und ſpricht faſt Alles ziemlich deutlich.“
Wer ſollte es nach dieſer Auseinanderſetzung glauben, daß in unſerem Lande ſich noch 91 Taubſtumme befinden, die ohne allen Unterricht gelaſſen, ohne Kenntniß von Gott und ihrer Beſtimmung gleich dem Thiere dahinleben müſſen, nachdem wir ſchon über 43 Jahre lang eine Taubſtummen⸗Anſtalt beſitzen, in der nicht allein der wohlhabende Taubſtumme die nöthige Er⸗ ziehung und den gehörigen Unterricht ſindet, ſondern in der auch alle armen Taubſtummen des
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