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Will man also genaue Werthe für die Diffusionsconstante erhalten, so muss man ent- weder an den mit dem Saccharimeter an einem beliebigen Tage beobachteten Concentrationen eine durch das Experiment zu ermittelnde Correctur anbringen oder erst abwarten, bis die Saccharimeterangaben richtig sind, was man daraus erkennt, dass die aus allen Beobachtungen
eines Tages gefolgerte Zuckermenge wenigstens näherungsweise mit der beim Beginn der Diffusion gefundenen Menge übereinstimmt.
Voit schlug den letzteren Weg ein und fand, dass die Diffusionsconstante für Rohr-
zucker bei einer PTemperatur von 14— 15⁰ C 0,3144 und für Traubenzucker bei derselben Temperatur 0,3180 ist.
In Maxwell'’s Theory of Heati) finden wir, dass W. Dhomson ebenfalls Versuche über Diffusion nach der folgenden Methode angestellt hat. In ein Gefäss, welches eine Salzlösung und darüber destillirtes Wasser enthielt, brachte er eine Reihe von Glaskugeln, deren specifische Gewichte zwischen denen der Lösung und des Wassers lagen! Anfangs schwammen die Kugeln sämmtlich in der Trennungsfläche der beiden Flüssigkeiten; aber sobald die Diffusion begann, trennten sie sich von einander und zeigten durch ihre Stellung das specifische Gewicht der Flüssigkeit in verschiedenen Tiefen an. Um nun die Concen- tration der Lösung an irgend einer Stelle zu ermitteln, brauchte er nur die Kugel, die an derselben schwamm, in eine vorher gewogene Wassermenge zu bringen und das Salz zu bestimmen, welches er dem Wasser zusetzen musste, dämit die Kugel in demselben schwamm.
Ob W. Thomson bei seinen Versuchen blos die Ermittelung der Diffusionsgesetze im Auge hatte, oder ob er auch die Bestimmung der Diffusionsconstanten versucht hat, konnten wir aus der betreffenden Stelle nicht ersehen, und die Originalabhandlung konnten wir uns nicht verschaffen. Jedenfalls dürften, wenn nach dieser Methode eine Bestimmung der Con- stanten versucht wurde, die für dieselben erhaltenen Werthe nicht sehr übereinstimmend gewesen sein, denn etwas weiter unten ²) wünscht Maxwell exacte Bestimmungen der Diffu- sionscoefficienten der Salze als wichtige Data für die Moleculartheorie dieser Körper.
§ 2.
Schon am Eingang der Abhandlung wurde erwähnt, dass, wenn man in einem Gefäss destillirtes Wasser über eine Salzlösung giesst, ein Ueberströmen der Salztheilchen in das destillirte Wasser stattfindet. Jedenfalls wird dieses Ueberströmen des Salzes aus einer Schichte in die benachbarte qurch den Concentrationsunterschied derselben bedingt, denn es hört ganz auf, sobald dieser Null wird, und wird um so stärker, je grösser dieser wird.
¹) Third edition, pag. 254. ²) pag. 259.


