Aufsatz 
Ueber Hydrodiffusion / Joseph May
Entstehung
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Pine Reihe von Versuchen zur Bestimmung der Diffusionsconstanten des Rohr- und Traubenzuckers wurde von Voit) angestellt. Die Methode, die ar dabei verfolgte, war der zweiten von Wild und Simmler vorgeschlagenen nachgebildet. In ein Kästchen, welches aus planparallelen Glasplatten zusammengesetzt war, wurde bis zu einer bestimmten Marke destillirtes Wasser, und dann mittelst eines feinen bis auf den Boden des Kästchens gehen- den Trichters die Zuckerlösung eingefüllt, bis diese gerade an die erwähnte Marke reichte. Nach passenden Zeiträumen wurde die Concentration in verschiedenen Abständen von der Oberfläche der Diffusionsflüssigkeit mit Hülfe eines Saccharimeters, welches an dem Schlitten eines Kathetometers befestigt war, bestimmt, und aus den gewissen Schichten entsprechenden Concentrationen die Berechnung der Diffusionsconstanten nach einer von Wild angegebenen Formel ausgeführt.

Die auf diese Weise für die Diffusionsconstante des Rohr- und Traubenzuckers erhal- tenen Werthe schwanken zwischen bedeutenden Grenzen. Dass aber diese Schwankungen keineswegs auf ein Nichtvorhandensein der Diffusionsconstante oder, was dasselbe ist, auf die Unhaltbarkeit der Fourier'schen Annahmen hindeuten, dass sie vielmehr in der Methode selbst begründet sind, zeigt Voit in folgender Weise. Er stellte die einzelnen Versuche graphisch dar, indem er die Concentrationen als Abscissen und die ihnen entsprechenden Abstände von der Oberfläche als Ordinaten annahm. So erhielt er für jede Versuchsreihe eine Reihe von Curven, welche zeigten, wie sich die Concentration in einer bestimmten Höhe mit der Zeit und zu einer bestimmten Zeit mit der Höhe ändert. Da nun die Concentration

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der Mittelschichte stets gleich 2 ist, so sollten sich alle Curven in einem Punkte schneiden.

Ps ist dies aber in keiner Zeichnung wirklich der Fall. Näberungsweise schneiden sich die Curven wohl in einem Punkte; dieser ist aber eine beträchtliche Strecke unterhalb des Punktes, wo sie sich der Theorie zufolge schneiden müssten. Diese Erscheinung wird in der folgenden Bemerkung ihre Erklärung finden.

Die Menge des in dem Diffusionskasten enthaltenen Zuckers ist während der ganzen Beobachtungsdauer constant. Da nun die Fläche, welche irgend eine der Concentrations- curven aus dem Coordinatenraum ausschneidet, der in der Lösung befindlichen Zuckermenge proportional ist, so sollte auch diese constant bleiben. Eine Berechnung der Flächen wurde vorgenommen und es ergab sich, dass die Zuckermenge sich anfänglich aus den Versuchen zu klein berechnet, dass sie dann wächst und erst nach einiger Zeit mit der wirklichen übereinstimmt. Das regelmässige Wachsen der Zahlen kann nicht in der Ungenauigkeit der Beobachtung liegen, sondern nur darin beruhen, dass die Angaben des Saccharimeters im Moment der Mischung unrichtig sind. Beim Beginn der Versuche, wenn die Concen- trationsunterschiede der einzelnen Schichten noch grösser sind, gibt das Saccharimeter einen viel zu kleinen Zuckergehalt an, und erst, wenn die Mischung eine ziemlich vollständige ist-

werden die Angaben desselben richtiger.

¹) Pogg Ann. Bd. 130, pag 227 u. pag. 393. 2*