Aufsatz 
Ueber Hydrodiffusion / Joseph May
Entstehung
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einander; stets sind die den Versuchen von längerer Dauer entsprechenden Werthe kleiner, als die den kürzeren entsprechenden. Dies muss um so mehr auffallen, als die Beilstein'sche Messungsmethode mit einer Fehlerquelle behaftet ist, die, wie wir sogleich zeigen werden, gerade das gegentheilige Endresultat erwarten lässt.

Das Entfernen des Solutionsgläschens aus der Lösung, das Abtrocknen und Einfügen desselben in den Kork und das Befestigen des letzteren in das Brettchen sind von Schwank- ungen begleitet, die ein mechanisches Ausspülen eines Theiles der Lösung bewirken. Beilstein schätzt die ausgespülte Lösung auf 0,05 gr.; nach unserer Erfahrung dürfte sie etwas grösser sein. Dieser Verlust an Lösung verursacht einen Salzverlust, in Folge dessen der Procentgehalt der rückständigen Lösung(pni) stets zu klein gefunden wird. Der Fehler in der Bestimmung von pi wird um so grösser werden, je geringer die schliessliche Dichtigkeit der Lösung ist; er wird also nach 48stündigem Versuch stets grösser als nach 24stündigem werden. Die Werthe von nehmen aber, wie Beilstein pag. 195 gezeigt hat, in viel rascherem Masse ab, als die pi zunehmen. Daraus folgt, dass sowohl die aus dem 24stündigen, als auch die aus dem 48stündigen Versuche hergeleitete Diffusionscon- stante gegen die wirkliche zu gross ist, dass aber die letztere um mehr zu gross ist, als die erstere.

Während nun Beilstein geneigt ist, die oben erwähnten Abweichungen aus der Annahme zu erklären, dass die zweite(Pourier'sche Hypothese) nicht vollständig richtig sei, glauben Wild und Simmler:) den Grund derselben in dem Umstande suchen zu müssen, dass bei dem Beilstein'schen Messungsverfahren der ersten Annahme bezüglich der Dichtigkeit im Solutionsglas nicht entsprochen wird.

Welche von den beiden Erklärungen dieser Differenzen die richtige ist, können nur sorgfältige, nach anderen Untersuchungsmethoden angestellte Versuche feststellen.

Mehrere solcher Methoden, die auch, soweit sich dies auf den ersten Blick entscheiden lässt, sehr geeignet sind, exacte Resultate zu liefern, haben Wild und Simmler ²) angedeutet.

Von der Fiekschen Differentialgleichung ausgehend, theilen sie ein von Neumann angegebenes Integral desselben mit und zeigen, wie die in demselben vorkommenden Con- stanten in einzelnen, zur experimentellen Prüfung geeigneten Fällen zu bestimmen sind.

Eine der so erhaltenen Gleichungen soll die Grundlage für unsere experimentelle Untersuchung abgeben; ich werde daher in dem folgenden§ eine Ableitung derselben geben, und ich glaube dies um so mehr thun zu müssen, als die citirte Abhandlung die Auf- stellung der Differentialgleichung gar nicht und bezüglich der Bestimmung der Constanten nur einige Andeutungen enthält, die blos für den mit der Integration der Gleichung für die Wärmebewegung Vertrauten verständlich sein dürften.

¹) Pogg. Ann. Bd. 100, pag. 234. ²) Pogg. Ann. Bd. 100, pag. 217.