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Die werthvolle Bereicherung, die unsere Arbeit der nachträglichen Kenntnissnahme von Feld- bausch's gediegenem Programm dankt, treibt uns zum Schlusse mit doppelter Wärme unsere Erkenntlichkeit unserem verehrten Herrn Collegen Professor Noiré auszusprechen, dessen lebhaftes Interesse für unsere Arbeit ihn zuerst den Verweis bei Schneider auf Feldbausch entdecken liess, worauf uns die Gefälligkeit der Gymnasialdirectionen von Mainz und Rastatt die Einsicht in jenes Programm ermöglichte.
II.
Aen. V, 519— 534 berichtet Vergil ein Wunder, das von gewichtiger Vorbedeutung sein sollte: hic oculis subitum obicitur magnoque futurum ꝑmaugurio monstrum. Bezüglich der Deutung dieses Auguriums hatte noch Ladewig in den älteren Auflagen seiner Ausgabe folgendes Bekenntniss gethan:„Eine dunkel gehaltene Stelle, deren wahrscheinlicher Sinn folgender ist“..... „Ob Verg. damit auf Ereignisse seiner Zeit hindeutete, oder die punischen Kriege im Sinne hatte, bleibt ungewiss. Ist Letzteres der Fall, so kann Verg. auf die Sehersprüche des Marcius (K. Liv. XXV, 14), deren Andenken sich vielleicht bis in die Zeiten Vergils erhalten hatten, Bezug genommen haben.“ Inzwischen ist die Ausgabe anderer Meinung geworden und bezieht unsere„dunkel gehaltene Stelle“ auf ein ganz bestimmtes Ereigniss der eigenen Zeit des Dichters. Wir hatten von dieser neueren Deutung noch keine Kenntniss, als uns sensus und adicium auf Grund der Stelle selbst zu einem selbstständigen Ergebniss führten, das vollauf den Deuter befrie- digen konnte, wenn sich auch hinterher die dockrina zu einer erheblichen Ergänzung desselben fähig auswies; für eine solche wird sich aber der wahrhaft wissenschaftliche Sinn stets zugänglich zeigen. Indessen auch umgekehrt scheinen uns jene beiden anderen, sensus und iudicium, auch ihrerseits mit dem, was sie auf eigene Hand gefunden, Schwester doctrina einen erheblichen Gegen- dienst leisten zu können; wofür sie sich seitens derselben wohl der gleichen willigen Anerkennung versehen dürfen. Leidet so bezüglich der beiden Seiten der Ausstattung des Kritikers das Wort Sallust's Anwendung:„utrumgçue per se indigens alterum alterius auæilio eget“, so möchte doch im Folgenden ein Fingerzeig liegen, nach welcher Seite ein etwaiger Defect am leichtesten durch ergänzende Beihülfe freundlicher Gesinnung Dritter kann ausgeglichen werden.—
Vater Anchises' Manen zu Ehren finden Kampfspiele statt. Zu einem Bogenschiessen haben sich vier Schützen gemeldet. Das Ziel ist eine Taube, die, mit einer Schnur an der Spitze eines Schiffsmastes angebunden, hin und her flattert. Der erste trifft die Mastspitze; der zweite durch- schneidet mit einem Pfeil die Schnur, der Dritte holt das entfliehende Thier aus hoher Luft herab. Der Vierte, Aeneens greiser Landsmann Acestes, sieht sich so um Kampf und Preis betrogen; so will er doch die Leistungskraft seines Bogens zeigen: ostentans artemque arcumque sonantem schnellt er den Pfeil gen Himmel. Da geschieht ein Wunder: vor den Augen der Zuschauer geräth der Pfeil im Flug in Brand und verschwindet, sich verzehrend, in den Lüften: signavitque viam flammis tenuisque recessit consumpta in ventos. Als ein gewichtiges Augurium hat es der Dichter schon angekündigt: ein späteres gewaltiges Ereigniss sollte die Bestätigung bringen: docuit post exitus ingens. Während es bei den übrigen Anwesenden bange Bestürzung erregt: attonitis haesere animis superosque precantur Trinacrii Teucrique viri, lehnt es dennoch Aeneas, hohen Sinnes,— darum hier maxumus genannt,— nicht ab: nec maxumus omen abmuit Aencas; er umarmt Acestes (dessen Epitheton laetus prädicativ; bis dahin hat er als unwissentliches Organ des Schicksalswillens die Stimmung der Uebrigen getheilt), beschenkt ihn und erkennt ihm den ersten Preis zu. Und auf welches Ereigniss zielt das geschilderte Wunder? Der Dichter will doch verstanden sein. Da


