Aufsatz 
Cruces Philologicae. Beiträge zur Erläuterung der Schulautoren / von Theodor Maurer
Entstehung
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sollen? Ist es doch psychologisch begründet, dass wir ein neu gefundenes Princip eher einmal auch da anwenden, wo es nicht passt, als dass wir eine Gelegenheit, wo es passt, uns sollten entgehen lassen! ³)

6) Das Zusammenstimmen Feldbausch's mit dem Winke von befreundeter Seite bezüglich der Auffassung des Wortes insuper(Feldbausch gibt in der Uebersetzung insuper durchoben, in der Erläuterung dazu insauper immittere durchobendarauf einfügen) lässt uns unsere frühere Uebersetzungvon oben, worin wir glaubten Köchly-Rüstow folgen zu dürfen, fallen; erkennen nunmehr dastigna insuper krabibus..... distinebantur mit einer gewissen Prägnanz gesagt für kigna superimpositis trabibus distinebantur und geben mit Einfügung der neu gewonnenen Be- deutung der hibulae unsere obige Cäsarstelle so wieder:

Je zwei zusammengehörige Paare von Jochpfählen wurden obendrüber durch einen Holm von 2 Fuss Dicke mittelst Schliesskeilen, deren man je zwei auf beiden Seiten des Holms im Abstand eines solchen Jochpfahlpaars in denselben eingelassen hatte am äusseren Ende des Holms auseinander gehalten.

3) Bedarf es nach dem Gesagten noch einer Rechtfertigung, warum wir nicht nur, wie seither allein beliebt worden, dem unteren Jochpfahlpaare eine sublica obliqua pro ariete subiecta als Stütze beigegeben, sondern auch dem oberen? Missdeute man uns nieht einen naheliegenden Vergleich! Als Göthe gefragt wurde, woher er wisse, dass der Strassburger Münster bestimmt gewesen, einenfünfgethürmten Hauptschmuck zu tragen, während doch die Wirklichkeit dem Auge nur eine einzige Thurmspitze zeigte, gab er zur Antwort, der Bau habe es ihm gesagt. Wer den Zweck will, muss auch die Mittel wollen. Cäsar will seinem bereits fertigen Werk noch Verstär- kungen angedeihen lassen und wählt dazu, wie er selber sagt,sublicae(obliquae), quae pro ariete subiectae et cum omni opere coniunctae vim fluminis exciperente. Nun frage man sich, welche von den beiden von uns angebrachten s. obliquae dient dem Zwecke Cäsars besser? Doch zweifelsochne die obere. Was also soll uns wehren, diese im Sinne Cäsars wirksamere obere anzubringen? Doch nicht der Wortlaut? Oder passt etwa dasad inferiorem partem fluminis oblique agebantur im geringsten weniger für unsere obere s. obliqua, als für die seither allein beliebte untere? Was also der Wortlaut erlaubt, der natürliche Sinn fordert was könnte uns hindern, es zu setzen? Höchstens das Bangen vor dem Alleinstehen fürs Erste mit unserer Ansicht, etwas womit jeder Fortschritt der Erkenntniss den Kampf aufnehmen muss(vergl. d. Schlusswort unserer Abhandlung).

Und nun bewährt sich, wie eine erkannte Wahrheit uns nicht nur häufig in den Stand setzt, den Grund des seitherigen Irrthums bezüglich ihrer aufzuzeigen, nein auch weitere Irrthümer ans Licht zu bringen. Was hat eine so dem einfachen Kinderverstand begreifliche Wahrheit dem Auge der Gelehrten so lange verhüllt? Ein- mal der Gebrauch des Wortessublica, wovon noch die Rede sein wird; vor Allem aber der fälschlich statuirte Gegensatz dessupra pontem(§ 10) zu demad inferiorem partem fluminis(§ 9). Aber sehe man doch zu! Welchen Sinn hat denn dasad inferiorem partem fluminise? Doch gewiss nicht, wie z. B. Köchly-Rüstow übersetzt, vonunterstrom, als Bestimmung zu agebantur; vielmehr gehört es zuobliguee und gibt uns an, dass die Schräge der sublicae nach unten den Strom hinunter zeigte, ist also der gerade Gegensatz zu dem Ausdruck § 4prone ac fastigate, ut secundum naturam fluminis procumberente, so dass nunmehr so wenig ein Gegensatz zu dem supra pontem vorliegt, dass vielmehr bezüglich dersublicae supra pontem das item§ 10 nicht nur, wie wir früher(pag. 10 unten) sagten, seine Erklärung findet in dem oblique agebantunr, nein, in dem vollen Ausdruck ad inferiorem partem fluminis oblique agebantur. Der Gegensatz zu demet aliae(sublicae) supra pontem medioeri spatio, utc etc. liegt also allein in dem Relativsatz§ 9Quae pro ariete subiectae et cum omni genere coniunctaet etc. Damit dürften wir noch einen anderen alten, auf die gleiche Weise veranlassten Irrthum aufdecken, den, wie wir sehen, Oudendorp verschuldet, wenn von demselben bezüglich deset nachsublicae(§ 9) der Schneider'sche Commentar sagt:merito zestituitee. Soll einet hier seine Stelle haben, so wird es die vor, nicht nach sublicae sein müssen.

Was nun den Gebrauch des Wortes sublica selbst angeht, so ist ersichtlich, wie dieser terminus bis dahin nur Verwendung im Sinne desdirecte ad perpendiculum(§ 4) gefunden hatte, einfach darum, weil man das oblique agere für dieselben vor Cäsars Brückenbau nicht kannte. Mit der Erweiterung der Sache aber musste sich naturgemäss für Cäsar auch der Wortbegriff erweitern, hätte er dasselbe doch bezüglich jedes anderen etwa an die Stelle zu setzenden Wortes gerade so nöthig gehabt, und so ist ihm von diesem Augenblick ab die subliea je nachdem bald eine s. directa, bald eine s. obliqua.