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sollen? Ist es doch psychologisch begründet, dass wir ein neu gefundenes Princip eher einmal auch da anwenden, wo es nicht passt, als dass wir eine Gelegenheit, wo es passt, uns sollten entgehen lassen! ³)
6) Das Zusammenstimmen Feldbausch'’s mit dem Winke von befreundeter Seite bezüglich der Auffassung des Wortes insuper(Feldbausch gibt in der Uebersetzung insuper durch„oben“, in der Erläuterung dazu insauper immittere durch„obendarauf einfügen“) lässt uns unsere frühere Uebersetzung„von oben“, worin wir glaubten Köchly-Rüstow folgen zu dürfen, fallen; erkennen nunmehr das„tigna insuper krabibus..... distinebantur“ mit einer gewissen Prägnanz gesagt für „kigna superimpositis trabibus distinebantur“ und geben mit Einfügung der neu gewonnenen Be- deutung der hibulae unsere obige Cäsarstelle so wieder:
„Je zwei zusammengehörige Paare von Jochpfählen wurden obendrüber durch einen Holm von 2 Fuss Dicke mittelst Schliesskeilen, deren man je zwei auf beiden Seiten des Holms im Abstand eines solchen Jochpfahlpaars in denselben eingelassen hatte am äusseren Ende des Holms auseinander gehalten.“
3) Bedarf es nach dem Gesagten noch einer Rechtfertigung, warum wir nicht nur, wie seither allein beliebt worden, dem unteren Jochpfahlpaare eine sublica obliqua pro ariete subiecta als Stütze beigegeben, sondern auch dem oberen? Missdeute man uns nieht einen naheliegenden Vergleich! Als Göthe gefragt wurde, woher er wisse, dass der Strassburger Münster bestimmt gewesen, einen„fünfgethürmten Hauptschmuck“ zu tragen, während doch die Wirklichkeit dem Auge nur eine einzige Thurmspitze zeigte, gab er zur Antwort, der Bau habe es ihm gesagt. — Wer den Zweck will, muss auch die Mittel wollen. Cäsar will seinem bereits fertigen Werk noch Verstär- kungen angedeihen lassen und wählt dazu, wie er selber sagt,„sublicae(obliquae), quae pro ariete subiectae et cum omni opere coniunctae vim fluminis exciperent’e. Nun frage man sich, welche von den beiden von uns angebrachten s. obliquae dient dem Zwecke Cäsars besser? Doch zweifelsochne die obere. Was also soll uns wehren, diese im Sinne Cäsars wirksamere obere anzubringen? Doch nicht der Wortlaut? Oder passt etwa das„ad inferiorem partem fluminis oblique agebantur“ im geringsten weniger für unsere obere s. obliqua, als für die seither allein beliebte untere? Was also der Wortlaut erlaubt, der natürliche Sinn fordert— was könnte uns hindern, es zu setzen? Höchstens das Bangen vor dem Alleinstehen fürs Erste mit unserer Ansicht, etwas womit jeder Fortschritt der Erkenntniss den Kampf aufnehmen muss(vergl. d. Schlusswort unserer Abhandlung).
Und nun bewährt sich, wie eine erkannte Wahrheit uns nicht nur häufig in den Stand setzt, den Grund des seitherigen Irrthums bezüglich ihrer aufzuzeigen, nein auch weitere Irrthümer ans Licht zu bringen. Was hat eine so dem einfachen Kinderverstand begreifliche Wahrheit dem Auge der Gelehrten so lange verhüllt? Ein- mal der Gebrauch des Wortes„sublica“, wovon noch die Rede sein wird; vor Allem aber der fälschlich statuirte Gegensatz des„supra pontem“(§ 10) zu dem„ad inferiorem partem fluminis“(§ 9). Aber sehe man doch zu! Welchen Sinn hat denn das„ad inferiorem partem fluminise? Doch gewiss nicht, wie z. B. Köchly-Rüstow übersetzt, von„unterstrom“, als Bestimmung zu agebantur; vielmehr gehört es zu„obliguee und gibt uns an, dass die Schräge der sublicae nach unten den Strom hinunter zeigte, ist also der gerade Gegensatz zu dem Ausdruck § 4„prone ac fastigate, ut secundum naturam fluminis procumberent“e, so dass nunmehr so wenig ein Gegensatz zu dem supra pontem vorliegt, dass vielmehr bezüglich der„sublicae supra pontem“ das item§ 10 nicht nur, wie wir früher(pag. 10 unten) sagten, seine Erklärung findet in dem oblique agebantunr, nein, in dem vollen Ausdruck „ad inferiorem partem fluminis oblique agebantur“. Der Gegensatz zu dem„et aliae(sublicae) supra pontem medioeri spatio, ut“c etc. liegt also allein in dem Relativsatz§ 9„Quae pro ariete subiectae et cum omni genere coniunctaet etc. Damit dürften wir noch einen anderen alten, auf die gleiche Weise veranlassten Irrthum aufdecken, den, wie wir sehen, Oudendorp verschuldet, wenn von demselben bezüglich des„et’ nach„sublicae“(§ 9) der Schneider'sche Commentar sagt:„merito zestituite’e. Soll ein„et’ hier seine Stelle haben, so wird es die vor, nicht nach sublicae sein müssen.
Was nun den Gebrauch des Wortes sublica selbst angeht, so ist ersichtlich, wie dieser terminus bis dahin nur Verwendung im Sinne des„directe ad perpendiculum“(§ 4) gefunden hatte, einfach darum, weil man das „oblique agere“ für dieselben vor Cäsars Brückenbau nicht kannte. Mit der Erweiterung der Sache aber musste sich naturgemäss für Cäsar auch der Wortbegriff erweitern, hätte er dasselbe doch bezüglich jedes anderen etwa an die Stelle zu setzenden Wortes gerade so nöthig gehabt, und so ist ihm von diesem Augenblick ab die subliea je nachdem bald eine s. directa, bald eine s. obliqua.


