Aufsatz 
Cruces Philologicae. Beiträge zur Erläuterung der Schulautoren / von Theodor Maurer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

er wolle, und es ist Cäsar, der schreibt: dasjenige Glied, worauf die Tragbarkeit des ganzen Werkes beruhen soll, durfte und konnte bei der Beschreibung des Baues nicht ungenannt bleiben!

Doch wie steht es mit der Nöthigung zu der seitherigen Annahme überhaupt? Dass der Querbalken zwei Fuss dick ist(bipedales trabes), und der Abstand der paarweise verbundenen Jochpfähle von einander just auch zwei Fuss beträgt, gibt wohl die Möglichkeit, jenen zwischen diese einzulassen, nöthigt denn doch aber nicht dazu. Wenn es§ 6 heisst:Racc utraque(Scl. tigna) insuper bipedalibus trabibus immissis quantum corum tignorum iunctura distabat binis utrimque fibulis ab extrema parte distinebantur, so nimmt sich dasquantum eorum tignorum iunctura distabat, falls es auf die zwei Fuss Zwischenraum der paarweise verbundenen Jochpfähle gehen soll, doch an sich so aus, als theile uns der Schriftsteller damit etwas mit, was wir noch nicht gewusst, und zwar durch die Beziehung desquantum' auf das voraufgehende bipedalibus; entsprechend hat denn auch Köchly-Rüstow übersetzt:ein Holm von 2 Fuss Dicke, der von oben zwischen die beiden Pfähle jedes Paares deren Abstand betrug 2 Fuss eingelassen wurde. Nun ist ja aber oben§ 3 uns dieser Abstand als intervallum pedum duorum bereits bekannt gegeben; hätte darum Cäsar diesen Abstand von 2 Fuss im Sinne gehabt, so würde er doch wohl auf seine obige Mittheilung etwa mit einem eingeschalteten ut supra diæimus verwiesen haben.

Wir unserseits beziehen nunquantum nicht auf dasbipedalis, sondern fassen den Aus- druckquantum eorum tignorum iunctura distabate man merke, es heisst nicht:quantum iuncta ea inter se tigna distabant⸗ als einen nach Wortlaut und Zusammenhang wohlverständ- lichen technischen und übersetzen:in der Distanz(nämlich nicht der lichten, sondern der vollen) eines solchen Jochpfahlpaares; diese würde damit selbstverständlich nicht 2, sondern 2+ 1 ½+ 1 ½ (§ 3 tigna bina sesquipedalia intervallo padlum duorum inter se iungebat), also 5 Fuss betragen.

Weiter hat man das immissis bisher stets als Prädicat eines Ablativus absolutus zu trabibus gefasst und entsprechend interpungirt: wir setzen das Komma zwischen trabibus und immissis und beziehen immissis prädicativ zu binis utrimgue fibulis, so dass nun bipedalibus trabibus als ein- facher, zwischen causal und instrumental schwankender Ablativ mit distinebantur zu verbinden ist.

Demgemäss lesen wir:.

haec utraque(Scl. tigna) insuper bipedalibus trabibus, immissis quantum eorum lignorum iunctura distabat binis utrimgue fibulis, ab extrema parte distinebantur

und übersetzen:.

Je zwei zusammengehörige Paare von Jochpfählen wurden von oben durch einen Holm von 2 Fuss Dicke mittelst fbulae, deren man je zwei auf beiden Seiten(des Holms), im Abstand eines solchen Jochpfahlpaares, eingelassen hatte(natürlich in den Holm), am äusseren Ende(eben des Holms) auseinandergehalten.

Der Querholm ruht also auf den beiden Jochpfahlpaaren ober- und unterstrom, deren 4 Pfähle wir uns ebenso in den Holm eingezapft zu denken haben, wie vorhin die Querriegel in die Pfähle. Ist die Stelle soweit richtig gedeutet, dann ergibt sich auch die Deutung der zu peiden Seiten jedes Pfahlpaares in den Holm eingelassenen fibalae ganz von selbst, und mag als Probe auf deren Richtig- keit die in§ 7 geschilderte Leistung dienen:Indem so die Pfahlpaare durch die Holme aus- einandergehalten und gegen die Bewegung nach beiden Richtungen gesichert waren, erhielt der ganze Bau auf natürliche Weise eine solche Festigkeit, dass er um so besser zusammengeschlossen wurde, je heftiger der Strom anprallte. Die fibulae sind, wie jeder Schreiner oder Zimmermann es so bezeichnend, in einer einheitlichen Wortbildung das discludere und das rewincire des§ 7 zusammenfassend, nennt oder kennt:Schliess- oder Schlusskeile.