Aufsatz 
Cruces Philologicae. Beiträge zur Erläuterung der Schulautoren / von Theodor Maurer
Entstehung
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in den Fluss eingerammt zu denken? Es ist ja an sich ein Doppeltes möglich: entweder sie stehen quer zur PFlussströmung, d. h. die Jochpfähle nebeneinander, oder in Längsrichtung mit dem Strom, die Jochpfähle hintereinander: und hier liegt, wie der Ausdruck lautet, der Hund begraben.

Es kann nach den bis jetzt gegebenen Factoren, mit denen wir allein vorerst zu rechnen haben, gar kein Zweifel sein, was das Natürliche ist. Hatten wir oben mit unserer Vermuthung recht, dass es mit der Paarung der Jochpfähle eine Verstärkung der Widerstandskraft galt und wir hatten bis jetzt nicht den mindesten Grund, diese unsere Vermuthung fahren zu lassen dann haben wir uns diekignorum iunctura je in Längsrichtung mit dem Flusse eingerammt zu denken, weil so dem natürlichen Gegner, eben der Strömung am wirksamsten Widerpart gehalten wird. Darin findet ja eben auch allein die Bemerkung in§ 4 ihre Erklärung:jedoch nicht senk- recht, wie sonst die Jochpfähle, sondern schräge, wie Dachsparren; auch kann sich, wie das Folgende§ 9 10 zeigt, Cäsar in dem gleichen Sinne gar nicht genug thun:

Nichtsdestoweniger wurden einerseits unterstrom ³) noch Streben in schiefer Richtung einge- trieben, welche die Jochpfähle stützten und mit dem ganzen Bau verbunden die Gewalt des Stromes brachen, andererseits oberhalb der Brücke in einiger Entfernung von ihr andere Streben, um die Brücke gegen Baumstämme und Schiffe zu sichern, welche die Barbaren etwa zur Zerstörung der Brücke stromabwärts treiben liessen.)

Wie kommt es nun, dass bisher noch kein) Interpret bei dieser doch natürlichsten Annahme verharrt ist, sondern alle die Jochpfahlpaare quer zur Flussströmung stellen? Alle lassen dann denHolm von 2 Puss Dicke, diebipedlales trabes in§ 6, d. h. den Querbalken, der mit den Jochpfahlpaaren gemeinsam unserenBock bilden wird, in den 2 Fuss betragenden Zwischenraum der paarweise verbundenen Jochpfähle, in dasintervallum pedum duorum(§ 3) der tignorum iunckura(§ 6) ein..

Ehe wir den Wortlaut prüfen, der uns zu solcher Annahme scheint nöthigen zu sollen, ver- gegenwärtigen wir uns zuvor noch einmal, was uns damit zugemuthet wird! Worauf also soll denn der Querbalken ruhen? Antwort: auf den oben von dem Schriftsteller nicht einmal der Nennung werth befundenenQuerriegeln, oder dem etwa anderweitig denkbar möglichen obersten Bindeglied der Jochpfahlpaare. Alles Gewicht demnach, das die Brücke wird zu tragen haben, lastet auf diesem Bindeglied, oder vielmehr denZapfen, beziehungsweise anderen Mitteln der Verfestigung desselben mit den beiden Jochpfählen. Und dieses selbe, fast mit Nothwendigkeit schwächste und doch für den ganzen Bau wichtigste Glied, auf dem zugleich der Querholm ruht, wie er die Verbindung der Jochpfähle zu Paaren bedingt, sieht sich möglichen Falls dem unmittel- baren Angriff deretwa von den Barbaren zur Zerstörung der Brücke losgelassenen Baumstämme und Schiffe(§ 10) ausgesetzt. Und nun noch einmal das allein schon entscheidende Gegenargument, worauf schon oben hingewiesen worden, zu betonen es ist das Schweigen Cäsars. Wir sind der Zustimmung des gesunden Sinnes eines Jeden gewiss, wenn wir behaupten: Sei der Schreiber, wer

3) Siehe dagegen Nachtrag zu Nr. I, Anmerkung 3.

4) Mag das schräge Einrammen unseres Jochpfahlpaares für den Bautechniker seine erheblichen Schwierig- keiten haben: wer sie zu bewältigen versteht, wenn die Pfähle nebeneinanderstehen, der findet auch Mittel dafür, wenn hintereinander. Dass sie aber unter allen Umständen sind als verbundenes Paar eingerammt worden, und nicht einzeln, und erst hinterher verbunden, sagt Cäsar ausdrücklich(§ 3 u. 4).(Vergl. Nachtrag zu Nr. I, 5.) Zweifel von technischer Seite darum, die sich etwa auf diese Schwierigkeit stützen wollten, könnten nur unseren Respect vor der, wir glauben, mit Evidenz zu erweisenden Leistung Cäsars erhöhen.

5) Siehe dagegen den Nachtrag.