Aufsatz 
Baalbek
Entstehung
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treten können, so erfüllen ihre Leistungen doch mit hoher Achtung. Das gilt auch von den Resten der Moschee, westlich vom kleinen Tempel, deren Gebetsnische und Wasserbecken Beachtung ver- dienen. Von den Arabern sollte auch das alte Lustrationsbecken südlich vom Altar, das schon in byzantinischer Zeit zum zweiten Male ritualen Zwecken gedient hatte, von neuem, nunmehr als Bad, in Gebrauch genommen werden. Dort mündet der gewölbte Gang, der die Unterburg mit dem höher gelegenen Festungsraum im Altarhof verbindet. Hallen mit Kreuzgewölben und der Brunnen in dem überdeckten Raum zwischen den beiden Tempeln gehören ebenfalls der arabischen Zeit an.

Diese mannigfachen Bauten einer späteren Periode haben aber leider jede Spur vom Aussehen oder von der Benutzung des Platzes zwischen den Tempeln in ihrer Blütezeit verwischt. Eben- sowenig haben sich auf der kampfumtobten Stätte Kleinfunde aus der Zeit des Altertums in nennenswerter Zahl machen lassen. Mit dem von Jahrhundert zu Jahrhundert fortschreitenden Verfall wurde der Altarhof zur Wohnstätte, sodass die Hausanlagen bei der Aufräumung unter der obersten Schuttschicht zuerst beseitigt werden mussten.

Auf der Akropolis von Baalbek ist das Leben von drei Jahr- tausenden an uns vorübergezogen. Während aber von der ältesten Zeit nur dunkele Kunde an unser Ohr dringt, haben die Römer, Byzantiner und Araber in machtvollen Bauten die Prinnerung an ihre Herrschaft lebendig erhalten, und die Römer haben der Stätte für immer den Stempel eines höchsten Kulturinteresses aufgedrückt.

Nun noch ein Gang in die Römerstadt, die einst im Kranze ihrer syrischen Schwestern blühte. Viel ist allerdings nicht mehr erhalten. Doch der Lauf der Stadtmauer ist noch zu verfolgen, und das Stadttor, das von Ibrahim Pascha in die von ihm erbaute Kaserne aufgenommen wurde, ist noch in seiner Zerstörung als Prachttor zu erkennen Ein dreifaches Portal war von zwei oblongen, die Mauer überragenden Türmen flankiert. Die Wand- flächen schmückten freistehende Säulen, Pilaster, Aediculen und Konchen. Nach Süden zog vom Tore der Cardo, die Haupt- strasse, durch die Stadt, deren Strassen sich nach der Vorschrift von Hippodamus von Milet rechtwinkelig schnitten. Diesen Strassen- zug dürfen wir uns mit einer Säulenhalle geschmückt denken wie in Palmyra, und hinter dem Torbau wird er an Glanz nicht zurückgestanden haben. Auch die Propyläen des Tempelbezirks lagen an dieser wichtigen Verkehrsader. Südöstlich, nach dem