26—
Aber die Tage des altheidnischen Dienstes waren gezählt. Schon 100 Jahre vor dem Tempelneubau hatte der Siegeszug der christlichen Lehre begonnen. Noch floss zwar im Jahre 269 das Blut des Märtyrers Gelasinus zu Ehren des Sonnengottes, aber schon bald darauf liess der Kaiser Konstantin(306— 337) den Tempel schliessen(Chron. pasch. I p. 513 Ddf.), und Theodosius (379— 395) erbaute, um das Heidentum in seiner Wurzel zu treffen, dem siegreichen neuen Glauben eine Kirche über dem Brand- opferaltar(Malalas XIII, 344 Ddf.).
Damals war der grosse Tempel bereits durch Erdbeben zer- stört, und die Westwand der dreischiffigen Basilika kam mit ihren drei Apsiden auf die Basen seiner gestürzten Ringhalle zu stehen. Dieser Bau war also gegen die Regel westlich orientiert. Man betrat ihn durch ein Portal mit vorgelagerter Freitreppe vom grossen Hofe her. Erst nach einem späteren Umbau der Osttüre zum Chorabschluss fand der Zugang durch ein neugeöffnetes Portal von der Seite des grossen Tempels her' statt.
Bis in das 7. Jahrhundert hatte die Akropolis von Baalbek dem jeweils herrschenden Gottesdienst gedient, bis sie unter dem Zeichen des Halbmonds zur Festung umgestaltet wurde. Im Jahre 636, in der Zeit des Kaisers Heraklius, wurde Baalbek von einem Feldherrn Omars erobert und ging endgiltig für das oströmische Reich verloren. An der wichtigen Durchgangsstrasse von Agypten nach dem Euphratlande behauptete es aber auch noch jetzt eine hervorragende Stellung als Waffenplatz und hatte als solcher in den Kämpfen vieler Jahrhunderte bitter zu leiden: Die Omajaden von Damaskus und die Abassiden von Bagdad stritten um die althistorische Stätte. Namentlich im Zeitalter der Kreuzzüge war ihr Schicksal wechselvoll. Im 13. Jahrhundert erschienen die wilden Horden der Mongolen, und im Jahre 1401 hielt Timur dort seinen Einzug.
Nach dem Zeugnis eines arabischen Schriftstellers, 1 Ibn Batuta, blühte aber noch im 14. Jahrhundert Garten- und Wiesenbau, und die Stadt war berühmt durch die Bereitung feinen Zucker- werks, wie es die Orientalen lieben, sowie durch die Herstellung von Tüchern, Stoffen, Vasen und kunstvoll geschnitzten Löffeln. Im Beginn 433 16. Jahrhunderts(1517) fiel Syrien mit Agypten in die Hände des Osmanensultans Selim I. Es folgten jetzt fried- lichere Zeiten, aber der wirtschaftliche Verfall des einst blühenden Landes machte unaufhaltsame Fortschritte. Militärisch bildete Baalbek noch im 19. Jahrhundert für Ibrahim Pascha bei seinem


