Aufsatz 
Baalbek
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

Graf von Mülinen weist darauf hin(Ein Blick auf die Kultur- geschichte Palästinas, Deutsche Revue, Sept. 1908), dass mit dem Aufhören der mächtigen hellenistisch-römischen Völkerwelle und mit dem Auftauchen der muhamedanischen Wüstensöhne überall in Syrien die hellenistischen Namen schwinden und die altsemiti- schen Bezeichnungen wieder aufgenommen werden. Wie sich damals Ptolemais wieder in Akka verwandelt, nimmt Aelia Capi- tolina, das alte Jerusalem, wieder einen semitischen Namen an: El Ouds(die Heilige), so genannt nach seinem Beinamen hagga- doscha auf den Münzen der Makkabäer, und an Stelle von Helio- polis kommt auch der ursprüngliche Ortsname Baalbek wieder zu neuer Ehre.

Der Gede HAXounoltrys erfreute sich auch in der Folgezeit hoher Verehrung, und seine Feste wurden mit orientalischer Uppigkeit begangen. Den frühchristlichen Autoren waren sie ein Greuel. Auch den Rat des orakelspendenden Gottes holte man sich in Heliopolis, wie wir aus Macrobius Sat. I, 23 vom Kaiser Trajan erfahren. Man schickte seine Frage schriftlich in ver- schlossenem Täfelchen ein und erhielt eine ebensolche Antwort. Lukian(7εο τ* Togins 9505 36) berichtet uns auch, wie es die schlauen Priester durch willkürliches Bewegen des Götterbildes fertig brachten, eine ihnen genehme Antwort des Gottes geben zu können.

Uber die vorrömische Zeit haben aber die Nachgrabungen kein Licht zu verbreiten vermocht, und wir wissen auch nicht, bis wann der ältere Tempel bestanden hat. Die gesamten Neu- bauten sind wie aus einem Guss und das Werk einer LZeit. Johannes Malalas aus Antiochia, der bis 565 n. Chr. gelebt hat, berichtet in seiner Weltchronik(XI. p. 280, 12 Ddf.), dass der Kaiser Antoninus Pius(138 161) den Tempel erbaut habe, der unter die Weltwunder gehöre. Unter einem seiner Nachfolger, Caracalla(211 217), wurden die Höfe und Propyläen vollendet, wie uns die an den Säulenbasen der Propyläen angebrachte Weih- inschrift des Longinus belehrt, von der oben schon einmal die Rede gewesen ist(C. J. L. III, p. 970 n. 138). Auch die Er- bauung des kleinen Tempels sowie des später noch zu besprechen- den Rundtempels in der Stadt muss in dieselbe Zeit gesetzt wer- den. Manche der aufgefundenen Weihgeschenke haben aber auch schon im alten Tempel gestanden, das geht z. B. aus der Inschrift eines Statuenpostaments hervor, das schon einem Koloniepräfekten Neros(51 68) ein Kamerad und ein Freund gesetzt hatten (C. J. L. III, 14387 g und h). Der neue Tempel war zum