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befindet sich eine frei vor die Wand gestellte Aedicula mit spitz- giebeliger Bedachung. Der Koncha dient ein mit Fuss- und Kopf- profil versehener Sockel als Podium, worauf nach inschriftlichem Nachweis Statuen ihren Platz fanden. Auch den Tabernakeln darüber hat dieser Schmuck wohl kaum gefehlt. Die Exedren zeigen eine ähnliche architektonische Durchbildung: Die Wand wird durch die Anbringung von Pilastern zerlegt, und die so entstandenen Zwischenräume werden von spitzgiebeligen Aediculen und rundabschliessenden Konchen darunter eingenommen. Ein reicherer Schmuck, namentlich an den Sockeln, in der Abschluss- wölbung der Koncha und im Giebelfeld der Aedicula liess aber diese Räume noch besonders hervortreten. Neben der Aegis mit dem Gorgoneion oder dem zum Himmel entführten Ganymed fehlt auch die von zwei Uraeusschlangen umgebene ägyptische Sonnenscheibe nicht. Einfacher sind dagegen die rechteckigen Alen gehalten: Ohne eine Wandeinteilung durch Pilaster wird hier die untere Hälfte des Raums durch je auf einem Podium ruhende Aediculen mit geradem Gebälkabschluss eingenommen. Auf dem durchlaufenden Gurtgesims, das die ganze Wandfläche kräftig zusammenfasst, bauen sich dann im oberen Geschoss die schon bekannten Aediculen, jedoch abwechselnd mit runder und spitzer Verdachung auf. An den Seitenwänden dieser Alen hat der Architekt in beiden Geschossen nur je eine, aber viersäulige Aedicula angebracht, wobei der spitze Giebel in der Mitte eine Unterbrechung erfuhr,— ein auch im späteren Barockstil wieder aufgenommenes Motiv. Die Wandecken werden durch eine detachierte Säule mit vollem Gebälk eingenommen. Zu noch reicherer Entfaltung seiner Phantasie fand der Künstler an anderen Stellen Gelegenheit. Über den Türen der geschlossenen Ecksäle vereinigten sich die Formen der Koncha und Aedicula in einer reichen zweisäuligen prostylen Koncha. Ja sogar vier- säulig tritt diese Dekorationsart auf, namentlich in den unter- irdischen Alen, deren südwestliche, mit ihrer Kasettendecke noch wohlerhalten, unsere Bewunderung wachruft. Durch scharfe Gegen- sätze hat der Künstler überall seine Wirkung erzielt: Rundbogige neben rechteckigen Räumen, Teilung der Flächen durch Pilaster und Zusammenfassung durch fortlaufende Gesimse, Bogenabschluss im Wechsel mit Spitzgiebel.
Die unterirdischen Ecksäle haben schon unsere Aufmerksam- keit auf die ausgedehnten Unterbauten hingelenkt. Da sich das ganze Heiligtum auf der natürlichen Talsoble aufbaut, musste es


