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ins Auge, beide auf starke Licht- und Schattenwirkung tief her- ausgemeisselt.
Hinter dieser Halle liegen mannichfache symmetrisch an- geordnete Räume: Rechts und links vom Portal je ein offener rechteckiger Saal mit fünf Säulenweiten. In der Mitte der Nord- und Südseite ein ebensolcher rechteckiger Raum mit 6 Säulen, woran sich seitlich halbrunde, zweisäulige Exedren anreihen, an die sich nochmals eine rechteckige Ala mit vier Säulen angliedert. Die Ecken werden von geschlossenen Sälen mit einer Türe nach der Halle eingenommen. Die Wandflächen dieser offenen, nach den Hallen geöffneten Bauten sind besonders glanzvoll ausgestattet. Man erkennt das namentlich an der wohlerhaltenen Nordwestecke, während sonst der Eindruck durch die späteren arabischen Ein- bauten und durch die Wirkung der Erdbeben stark beeinträchtigt worden ist.
Der heimische Kalkstein hat für die Anlagen in Baalbek das Baumaterial geliefert, auch für die kannelierten Säulen im Pronaos des kleinen Tempels. Sonst ist für die Säulenschäfte der Granit gewählt worden. Dieser schwer zu bearbeitende Stein erzielt die höchste Wirkung durch den Glanz der Politur und bleibt unkanneliert. Der Stil ist römisch-korinthisch: UÜber einem reichen Akanthuskapitell ruht ein dreigliedriges Epistyl, auf dem sich ein oft glänzend mit Stierköpfen und Fruchtgewinden ge- schmückter Fries aufbaut. Die höchste Pracht entfaltet sich im Gesims, dem Eierstab und kräftiger Zahnschnitt sowie die der spätrömischen Zeit eigenen Konsolen und Kannelierungen mit Akanthusblättern und Palmetten üppigen Schmuck verleihen. Da die Säulen, Pilaster und Halbsäulen, ohne konstruktiven Zweck, damals nur noch Dekorationsmittel sind, verkröpft sich das Gebälk der dahinterliegenden Wand über denselben, um im Beschauer wenigstens den Schein des Tragens und Getragenwerdens zu er- wecken.
Puchstein unterscheidet in den offenen Räumen drei Arten der Dekoration: 1) die der vorspringenden Schmalwände zwischen den rechteckigen Alen und den halbrunden Exedren, 2) die der Exedren und 3) die der Alen. Die schmalen Wandflächen werden von Pilastern antenmässig abgeschlossen, die das um die ganze Flucht sämtlicher Räume fortlaufende korinthische Gebälk tragen helfen. Der Raum zwischen diesen Pilastern zerfällt in ein unteres und oberes Geschoss. Das untere schmückt eine konchen- förmige, oben mit einer Muschel abschliessende Nische, im oberen


