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danke ich die Gunst, dass ich auf einer längeren Orientfahrt die Länder des östlichen Mittelmeerbeckens habe besuchen können. Was ich nun in Baalbek gesehen und in Büchern darüber gelesen habe, will ich kurz berichten. Der Buchhandlung von Karl Bädeker in Leipzig und dem Hofphotographen Paul Dittrich in Kairo danke ich an dieser Stelle für die Erlaubnis zur Wieder- gabe eines Planes und photographischer Aufnahmen ihres Verlags, wodurch der Darstellung Anschaulichkeit und Schmuck verliehen werden konnten.
Drei Pässe ziehen von der Küstenebene ostwärts über den Kamm des Libanon und münden in der Gegend von Zahle, des heutigen Hauptorts der Bekaa, nur wenige Kilometer entfernt von Baalbek. Seit uralter Zeit sind die Damaskuskarawanen auf dem südlichsten von diesen Wegen gezogen, sodass ihn auch im 19. Jahrhundert die französischen Ingenieure zum Bau der Kunst- strasse wählten und seit dem Jahre 1895 eine französische Schmal- spurbahn, teilweise wegen der grossen Steigungen mit Zahnrad- betrieb, dort den Verkehr vermittelt.
In vielen Schlangenlinien windet sich die Bahn durch das gartengleiche Land zur Höhe empor. Bis Ain Sôfar ziehen sich die Villen der reichen Kaufleute von Beirùt. Von dort führt der Schienenstrang durch wildes Hochgebirge: Ragende Wände und tiefe Schluchten, aus denen reissende Gebirgswasser hervorbrechen, sind für die Landschaft bezeichnend. Noch im März muss oft der Schneepflug dem keuchenden Dampfross den Weg bahnen. Unter- halb des Djebel Sannin erreicht man in fast 1500 m Meereshöhe die Wasserscheide. Bald beginnt aber jenseits des Passes die Vegetation wieder. Bei dem weinbauumrahmten Schtoôra öffnet sich der Blick auf die Bekaa. Nach Nordosten schliesst der An- tilibanon, südlich desselben der einsam ragende Hermon mit seiner Schneekuppe das Bild ab.
Unter der Bekaa(das Tal) versteht man die von Norden nach Süden ziehende Grabenversenkung zwischen Libanon und Antilibanon, die nach der makedonischen Eroberung bezeichnender- weise Xoola— zold³s)mgƷłenannt wurde, und mit deren Bildung überhaupt erst die Horstgebirge des Libanon und Antilibanon ent- standen sind. Der erstere fällt am steilsten nach der Küsten- ebene ab, weniger schroff nach der Bekaa und überragt seinen östlichen Zwillingsbruder, den Antilibanon, um etwa 300 m. Der Taleinschnitt zwischen diesen beiden Höhenzügen wird von einer niederen Bodenwelle von Westen nach Osten durchzogen. An


