Ein fesselndes Landschaftsbild entrollt sich vor den Augen des Reisenden, der von der hohen See in den Hafen von Beirut einfährt. In weissen Schaumkämmen brandet das Meer an der steilen Küste. Darüber erhebt sich auf mehreren Terrassen, weit- hin sichtbar, diese seit langem wichtigste Handelsstadt Syriens. Von weitem begrüssen den Ankömmling hochragende Palmen und mächtige Aleppokiefern. Verlässt man aber die Tore der Stadt, so befindet man sich bald inmitten von Weingärten, Öl- und Maulbeerpflanzungen; mächtige Opuntien säumen die Wege, und Orangen und Zitronen vervollständigen den südlichen Charakter der Gegend. Umrahmt werden diese gesegneten Fluren des schmalen Küstenstreifens vom Libanon, der ebenso Schutz ge- währt gegen den rauhen Landwind, wie er die köstliche Feuchtig- keit des Meeres an seinen Hängen sammelt. Darüber ragen der schneebedeckte Djebel Machmal und der Dar el Kodib in den blauen Himmel.
Nicht minder anziehend ist aber die Fülle geschichtlichen Lebens, das die syrischen Alpen geheimnisvoll bergen. An den Nordabhängen des Libanon hat die Aufdeckung der Ruinen von Sendschirli den Museen von Konstantinopel und Berlin Skulpturen und Schriftdenkmale gespendet, welche die alte Kultur der Hethiter beleuchten werden. Nur wenige Kilometer nördlich von Beirdt künden verwitterte Reliefbilder am Nahr el Kelb, dass einst die stolzen Heere von Ramses und Sanherib diese Küstenstrasse entlang ge- zogen sind. An den Ostausläufern des Antilibanon, am fernen Wüstenrand, und im Herzen der ganzen gewaltigen Gebirgswelt hat das Römertum seine Spuren in den Riesenbauten von Palmyra und Baalbek der Nachwelt überliefert.
Dem Entgegenkommen meiner vorgesetzten Behörde, der Schulabteilung des Grossh. Hess. Ministeriums des Innern, ver-


