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Kritische Zeittafeln für den Anfan 1 des mweiten punischen Krieges.
Im fünften Programm dieser Schule, 1882, veröffentlichte ich Untersuchungen über den altrömischen Kalender, welche ich dann im ersten Bande meiner Römischen Chronologie, 1883, weiter führte. 1884 folgten als zweiter Band derselben„Römische Zeittafeln von 506 bis 219 v. Chr., enthaltend sämtliche Nachrichten des Polybios, des Diodor und der römischen scriptores antiqui bis auf Piso, nebst Beiträgen zur Kritik der jüngeren Uberlieferung, für den Zeitraum von Anfang der Republik bis zum Beginn des zweiten punischen Krieges.“
Für einen Rezensenten(G. Thouret in Hirschfelders Wochenschr. f. klass. Philologie 1884, 30. April, Sp. 546) war ich damit zu schnell vorgegangen.„Das Erscheinen des zweiten Bandes der M.schen Chronologie macht es recht deutlich, wie einschneidend die grundlegenden Unter- suchungen des ersten für die römische Chronologie sind. Ref. meint, dals es der Sache selbst zum Vorteil gereicht haben würde, wenn M. der deutschen Wissenschaft Zeit gelassen hätte, den Wert und die Stichhaltigkeit seines Systems zu prüfen.“
Für einen anderen dagegen(G. F. Unger in der deutschen Litteraturzeitung 1884, 28. Juni, Sp. 944) zu langsam.„Auffällig aber und nirgends im Buch erklärt, auch nicht aus Raummangel erklärlicht) ist der Umstand, daſs der Kommentar schon beim J. 219 und damit gerade da ab- bricht, wo mit dem Eintreten des Livius und Polybios das Dunkel und die Spärlichkeit der Uber- lieferung aufhört²), obgleich sicherem Vernehmen nach ein dritter Band nicht in Absicht ge- nommen ist.3) Aus den 53 Jahren 218— 166 v. Chr., welche solcher Gestalt des Kommentars ermangeln, ist eine groſse Zahl von Daten vorhanden, mit welchen sich die Ansätze Matzats nicht vereinigen lassen. Zum Beispiel: Um den 15. März ¹) 537 varr.(Liv. XXII 1), im Anfang des Frühlings 217 v. Chr.(Polyb. III 78) zog Hannibal über die Apenninen, nachdem er ein paar Monate vorher(Liv. XXI 55 ff.), Ende Dezember 218(Pol. III 72) an der Trebia gesiegt hatte: bei M. entspricht der 15. März ⁴) 537 den 29. Oktober 2181 Der Trasimenustag, 22. Juni ⁵) 537 (Ovid. fast. VI 765) fällt bei ihm auf 4. Febr. 217; er lag aber im Sommer 217(Pol. V 91), etwa 1 Monat nach der argivischen Ernte(Pol. V 95— 101). 6— 7 Tage nach der Schlacht über- nahm Fabius die Diktatur(Pol. III 86, 6) hat sie also spätestens am 28. December ⁶) 537 nieder- gelegt; dieser entspricht bei M. dem 6. August 217, aber Fabius dankte im Oktober oder No- vember 217 ab(Liv. XXII 32). Der Tag von Cannä, 2. Sextilis*) 538(Macrob. I 16) entfällt bei M. auf 5. März 216; er ſiel jedoch in den Sommer 216(Pol. III 107, V 109— 110). Der 1. Juni s) 539, bis zu welchem das noch ungeschnitten auf dem Feld stehende Getreide einge- bracht werden sollte(Liv. XXIII 32), wäre nach M. auf den 15. Januar zu reduzieren. Und so weiter.“
Also in einer Rezension des zweiten Bandes eine Polemik gegen den noch nicht erschie- nenen dritten. Sie schliesst:„Ist ihm, wie es den Anschein hat, selbst vor den Konsequenzen seiner Theorie bange geworden, so wird er um so weniger beanspruchen, daſs man irgend eine mit derselben zusammenhängende Ausführung ernsthaft nehme.“
Das Letzte kann Jeder halten, wie er will; er handelt dabei auf seine Gefahr und nicht auf meine. Im übrigen aber irrt Unger: die„Zeittafeln“ waren auch für den ganzen zweiten punischen Krieg bereits ausgearbeitet), ehe ich die beiden ersten Bände publizierte; ich habe nur noch nicht Zeit gefunden, sie druckfertig zu machen und weiter fortzuführen. ¹⁰)
Hier erscheint nun der Anfang derselben, die Jahre 218— 216 v. Chr. betreffend, auf welche sich die obigen Einwürfe Ungers beziehen. ¹¹)
1) Aber vielleicht aus Zeitmangel: 1885 erschien 5) Soll heifsen IX. Cal. Quinct. meine Methodik des geogr. Unterrichts, 1886 die zweite 6) Soll heilsen III. Cal. Ian. Auflage meiner Erdkunde,— beides Arbeiten, die ich 7) Soll heiſsen IV7. Non. Segt. nicht verschieben konnte. 8) Soll heiſsen Cal. Iun.
2) Ganz recht; eben deswegen aber glaubte ich es 9) Vorläufige Andeutungen daraus findet man in der einstweilen den Lesern überlassen zu können, sich von Deutschen Litteraturzeitung 1885, Sp. 1864. da ab selbst weiter zu helfen,— worin ich mich frei- 10) Zu letzterem Zwecke waren noch weitere kalen-
lich bei einigen geirrt habe. darische Untersuchungen erforderlich, da die Neujahrs-
3) Von mir hat das niemand vernommen; diese Be- merkung ist also, soweit sie von sicherem Vernehmen redet, eine Unwahrheit.
4) Soll heifsen 1d. Mart.
tafel in Bd. I nur bis 190 v. Chr. reicht.
11) Uber diese bemerke ich hier vorweg, daſs, was nach Unger an den Stellen Polyb. V 91 und 95— 101, III 86, Liv. XXII 32 und XXIII 32 stehen soll, nicht dasteht.
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