Am 26. Januar fand ein öffentlicher Schulaktus zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs Wilhelm II. ſtatt; die Feſtrede hielt Herr Dr. Henkelmann (über die Jugend Friedrich Wilhelms III.).
Zur Abgangsprüfung für das Winterhalbjahr 1888/89 waren 3 Schüler der I. Klaſſe zugelaſſen:
74. Wilhelm Medenbach, Sohn des Kaufmanns Karl M. in Wetzlar, geb. am 21. Nov. 1868, aufgenommen in III am 16. April 1885;
75. Heinrich Frühe, Sohn des Domänenpächters Gerhard F. zu Waldmannshauſen, Kr. Limburg, geb. 17. April 1871, aufgenommen in IV am 21. April 1884;
76. Wilhelm Suntheim, Sohn des Oberamtmanns und Domänenpächters Ludwig S. zu Schafhof, Kr. Ziegenhain, geb. 23. Dez. 1869, aufgenommen in III am 16. April 1885.
Am 25. Febr.— 1. März fand ihre ſchriftliche Prüfung ſtatt, deren Themata folgende waren: Deutſcher Aufſatz: Die Schauplätze der Handlung in Göthes Hermann und Dorothea. Franzöſiſches Exercitium: Chriſtoph Columbus. Mathematiſche Aufgaben: a) Ein trapezförmiges Stück Land, deſſen Parallelen 123,4 m und 287,5 m lang ſind und 188,6 m Abſtand von einander haben, ſoll unter 4 Perſonen ſo verteilt werden, daß A ½¼, 8 1¼, C und D den Reſt erhält; vor der Teilung ſtirbt aber B, und die übrigen drei teilen nun noch den Anteil des B im Verhältnis ihrer Anteile. Wieviel Ar erhält jeder?— b) Ein gegebenes Dreieck ABC in ein Rechteck zu verwandeln, deſſen eine Seite auf der Grundlinie Aß des Dreiecks liegt, während die eine anſtoßende Seite in einem über AB außerhalb des Dreiecks gegebenen Punkte D endigt.— 16+ 60 y 16 Xy= 107. 27 y²— 12 y?2+ 38 2) 3 y 3 x— 1— 2 X+ 5 216*9 3y— 2XxS1 d) Von einem Turme Aß aus, deſſen Höhe 57 m beträgt, ſieht man die Orte C und D, welche mit dem Fußpunkte des Turmes in einer Hortzontalebene liegen. Man hat die Winkel CAB= 72⁰23/14“, DAB= 8340/24“ und CAD= 12036˙8“ gemeſſen und ſoll daraus die Entfernung CD beſtimmen.
Naturwiſſenſchaftliche Arbeit: Das Waſſer in chemiſcher und mineralogiſcher Hinſicht.
Landwirtſchaftliche Arbeit: Die verſchiedenen Saatmethoden in Bezug auf das Saatgut und in Bezug auf die Ausführung der Saat.
Am 9. März wurde im engeren Kreiſe der Schule eine Gedenkfeier des Todestages, am 22. März des Geburtstages Kaiſer Wilhelms I. abgehalten; bei jener hielt der Abiturient Meden⸗ bach, bei dieſer der Abiturient Frühe die Gedächtnisrede.
Am 28. März fand die mündliche Prüfung der Abiturienten ſtatt, bei welcher als Kommiſſar der Königl. Staatsregierung Herr Regierungs⸗, Schul⸗ und Konſiſtorialrat Riſch von Wiesbaden, als Vertreter des Kuratoriums Herr Bürgermeiſter Schaum in Weilburg fungierte. Allen drei Abiturienten wurde das Zeugnis der Reife(mit der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗ freiwilligen Militärdienſt) einſtimmig zuerkannt.
Das Betragen der Schüler war in dieſem Schuljahre nicht durchweg zufriedenſtellend: zwei Schüler, einer aus der I. und einer aus der II. Klaſſe, mußten von der Anſtalt verwieſen werden.
Die älteren Schüler der I. und II. Klaſſe waren auch für dieſen Winter zu den Vergnügungen der hieſigen Kaſinogeſellſchaft eingeladen, wofür der verehrlichen Geſellſchaft der ergebenſte Dank der Anſtalt ausgeſprochen wird.
Die Themata für die größeren ſchriftlichen Arbeiten der Schüler waren folgende:
Deutſche Auffätze. III. 1. Tugenden der alten Römer, nach der lateiniſchen Lektüre.— 2. Warum zürnt Achilleus dem Agamemnon?— 3. Entwicklung der Kultur, nach Schiller„Das Eleuſiſche Feſt“.— 4. Der Schild des Achilleus, eine Beſchreibung.— 5. Athene, die Beſchützerin des Odyſſeus(Probeaufſatz’.— 6. Der ioniſche Aufſtand, nach Herodot.— 7. Die Kraniche des Ibykus, eine Erzählung(Klaſſenaufſatz).— 8. Die Athener ſind in dem peloponneſiſchen Kriege mehr durch ihre eigenen Fehler, als durch die Waffen der Spartaner beſiegt worden.— 9. Hannibals Üübergang über die Alpen, nach Polybius.— 10. Probeaufſatz.
II. 1. Welche Tugenden zeigen die Helden des Nibelungenliedes?— 2. Was erfahren wir über die Germanen aus Cäſars bellum Gallicum IV, 1—4?— 3. Die Maurenkriege in Spanien nach Herders Cid.— 4. Der Charakter des Meier von Sarnen in Schillers Tell.— 5. Die Verdienſte der ſächſiſchen Kaiſer um Deutſch⸗


