Aufsatz 
Das 3. Kapitel des Briefes an die Römer : übersetzt und ausgelegt ; ein exegetischer Versuch / vom ... G. W. Matthias
Entstehung
Einzelbild herunterladen

19

deshalb dem Leſer verſtändlicheren Ausdruck. Die Ueberſetzung der vor⸗ V. 4. liegenden Stelle, wie ſie in der Alexandrina lautet, erſcheint hiernach ſo wenig als eine dem Sinne des Originals widerſprechende, daß ſie viel⸗ mehr als eine von feinem Ueberſetzertact zeugende anzuerkennen iſt, ein Ergebniß, das in Bezug auf die oft gehörte Beſchuldigung, daß die LXX auch andere Stellen des a. T. in auffälliger Weiſe falſch überſetzt hätten, m. E. wohl geeignet ſein dürfte, Vorſicht der Beurtheilung an⸗ zurathen, da die vermeintlichen Fehler mitunter gleichfalls nur darin be⸗ gründet ſein dürften, daß der Verſchiedenheit des hebräiſchen und griechi⸗ ſchen Sprachidiomes die nöthige Rechnung getragen iſt.

Wir kommen nun zur zweiten der oben aufgeworfenen Fragen, zu der Frage nämlich, inwiefern das Citat des Apoſtels an und für ſich dem Zuſammenhange entſpreche, d. h. inwiefern es wirklich den Beweis liefere, daß Gott wahrhaftig, jeder Menſch aber ein Lügner ſei. Zur Beantwortung dieſer Frage müſſen wir auf das zurückweiſen, was oben zur Auslegung ſowohl des hebräiſchen Textes als der alexandrini⸗ ſchen Ueberſetzung bemerkt wurde. In der That enthält hiernach das Citat den zu beweiſenden Satz mit ſchärfſter Genauigkeit. Man beachte hierbei hauptſächlich dies, daß Paulus den Hauptſatz: G0 ει G J⁄μωαάρᷣ 10 rl. ganz wegläßt und nur den Nebenſatz eitiert, offenbar weil nur letzterer und nicht auch der Hauptſatz als geeignet für den Zweck ſeiner Beweisführung in Betracht kam. Der fragliche Nebenſatz erſcheint näm⸗ lich, wie aus der oben verſuchten Erklärung erhellt, als ein ſeinem In⸗ halt nach allgemeiner Satz, den David zwar mit ſpezieller Beziehung auf ſeine Sünde faßt, der jedoch durch dieſe Anwendung auf etwas Beſonderes nicht aufhört, ſeinem Weſen nach allgemein zu ſein, und folglich auf alles Reden Gottes, nicht bloß auf das Reden Gottes bezüglich der Sünde geht. Für à 1050 468 op folgt hieraus, daß es hier nicht etwa Gottesrichterliche Ausſprüche bezeichnen ſoll, viel⸗ mehr auf Alles, was Gott redet, und mithin nur in Folge beſonderer Anwendung auch auf ſeine Richterſprüche Bezug hat. Was dem Apoſtel bei dieſen Jöyoꝛs vorſchwebte, iſt nach dem Zuſammenhange nicht zweifelhaft: es ſind die V. 2 erwähnten 16 ι eoë d. i. Alles, was Gott(im Geſetz und in der Verheißung) geredet hat, mithin jene Richterſprüche, die er in ſeinem Geſetze über die Sünde fällt, keineswegs ausgeſchloſſen. Die Ueberſetzung von 72742 durch 2y 10⁷ 4616 00 mußte hierbei durch das Anklingen von 16»oig an d6yla dem Verſtändniß noch beſonders wirkſam zu Statten kommen. Nicht zu überſehen iſt ferner die Inverſion von diαᷣαι* und νν6. Sie bezeichnet beide Begriffe als die betonten, die nach ihrem Zuſam⸗

2*