V. 2.
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zug war, den die Juden kraft der Beſchneidung vor den Heiden voraus hatten, ſagt Paulus nicht, hatte es aber auch nicht nöthig zu ſagen, da ſich als ſelbſtverſtändlich ergab, daß die auf dieſe Weiſe Bevorzugten, ſofern ſie nur mit dem Anvertrauten treu waren, nicht allein früher, ſondern auch leichter als die Heiden zu dem Heile in Chriſto gelangen konnten. Zu beachten iſt übrigens die Inverſion von àαιασατεενιωασάρ τα 16„ι m20 05. Als betonter Begriff ſollte 6„ c bezeichnet werden, und es mußte daher, obwohl das Object des Satzes, an die Stelle des Prädicates rücken. Invertierte Wortſtellungen aber pflegt Paulus zu gebrauchen, wenn er einen Gedanken dialektiſch weiter entwickeln will. Bei nachfolgenden Argumentationen alſo geben ſie ſtets einen ſicheren Fingerzeig, daß die Beweisführung ſich weſentlich um den invertierten Begriff drehe. Für die Interpretation iſt dieſer Kanon von weſentlicher Bedeutung, und vielfache Irrungen und Mißverſtändniſſe haben lediglich in der Nichtbeachtung deſſelben ihren Urſprung. Für die vorliegende Stelle ergiebt ſich, daß der Begriff 16„ c für die nachfolgende dialek⸗ tiſche Entwicklung gleichſam den Angelpunkt bildet. Daß übrigens unter den Vorzügen, welche der Jude vor dem Heiden voraus habe, das Be⸗ trautſein mit dem Worte Gottes hier ausſchließlich genannt wird, ſteht mit dem in Cap. I, 16 aufgeſtellten Thema des Briefes in genauem Zuſammenhang. Als eine Gotteskraft nämlich zum„Heile“ für Jeden, der da glaubet, erweiſt ſich das Evangelium als Wort Gottes weſentlich deshalb, weil es ſich, wie Cap. III, 21 und 22 nachweiſt, eben nur Erfüllung deſſen darſtellt, was Gott den Juden im Bunde der Be⸗ ſchneidung als ſeine A6„« anvertraute, d. i. weil es nur Erfüllung von Geſetz und Verheißung iſt.
V. 3—5. In Bezug auf das Anvertraute iſt ein Theil der Inden untreu geweſen; ihre Untrene kann jedoch, da Gott wahrhaftig und nicht wie der Menſch ein Lügner iſt, Gottes Trene nicht aufheben.
V. 3. Tti„do; Beſtätigungsformel, in lebhafter Darſtellung darauf abzweckend, die Hinwegräumung eines dem Geſagten entgegenſtehenden Zweifels einzuleiten. Ein Zweifel aber hinſichtlich der Wahrheit des in örι εέπαααστμρ˙σmισαη mκσd. behaupteten Vorzugs, inſofern derſelbe ge⸗ mäß dem zu r0l,„œrd rcναν 2οππαν zu ergänzenden sorly noch in der Gegenwart beſtehen ſollte, konnte aus dem vnioryoch eweg aller⸗ dings leicht gefolgert werden, der Zweifel nämlich, ob dieſer Thatſache gegenüber die lares Gottes und folgeweiſe der Vorzug der Juden,


